Unternehmerfamilie: Das Merckle-Imperium zerfällt

Unternehmerfamilie: Das Merckle-Imperium zerfällt

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Gut Hohen Luckow: Die lauschige Liegenschaft bleibt im Besitz der Merckles

Jetzt zeigt sich bei der Familie Merckle das ganze Ausmaß der Tragödie. Sie muss sich in der Not von Firmen wie Ratiopharm, Kässbohrer oer Heidelberg Cement trennen. Die schmerzhaft niedrigen Preise freuen die Käufer.

Unter dem üppigen Stuck des Rittersaals tafelten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, sein russischer Kollege Wladimir Putin und andere Staatenlenker während des G8-Gipfels 2007. Auf der Treppe des barocken Herrenhauses aus dem Jahre 1707 sammelten sich die Herrscher zum Gruppenfoto. In dem weitläufigen Park wächst eine 300 Jahre alte Esskastanie. Die zum Anwesen gehörenden Schwarzbunten Holstein-Frisian-Kühe erfreuen sich artgerechter Haltung.

Gut Hohen Luckow in der Nähe von Rostock ist kein Museum. Das Kleinod gehört – samt Landwirtschaft und Zimmervermietung – der Unternehmerfamilie Merckle aus dem schwäbischen Blaubeuren, bekannt für ihre Pharmafirmen Ratiopharm und Phoenix, den Baustoffriesen Heidelberg Cement und den Pistenfahrzeughersteller Kässbohrer. Ruth Merckle, die Ehefrau des vor Monaten verstorbenen Firmengründers, schrieb ein Buch über die Sammlung von „Deckelterrinen des 18. Jahrhunderts“ auf Gut Hohen Luckow. Tochter Jutta soll dort sogar gewohnt haben.

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Immerhin – wenigstens die lauschige Liegenschaft an der Ostsee werden die Merckles behalten dürfen. Ansonsten wird der Familie nicht mehr allzu viel von ihrem Vermögen, einer Unternehmensgruppe mit insgesamt über 37 Milliarden Euro Umsatz und etwa 90.000 Mitarbeitern, bleiben. Nun, da große Teile des Firmenimperiums zum Verkauf stehen, nachdem Familienpatriarch Adolf Merckle sich Anfang Januar umbrachte, zeigt sich immer deutlicher das ganze Ausmaß der schwäbischen Tragödie.

Die hohen Schulden der Merckle-Unternehmen locken Finanzinvestoren

Nicht nur, dass die Merckles sich von Unternehmen trennen müssen, die anders als Opel oder die Pleitefirmen Märklin und Schiesser im Kern gesund sind. Der Abschied ist auch bitter, weil er als Notverkauf mitten in der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg über die Bühne geht. Des einen Freud, des andern Leid: Während die künftigen Eigentümer auf krisenbedingt günstige Preise und eine Wertsteigerung im kommenden Aufschwung hoffen dürfen, müssen die Merckles sich wohl mit niedrigen Erlösen begnügen.

Schuld daran ist Familienpatriarch Adolf, der sich mit Firmenübernahmen und Aktienspekulationen verhob und fünf Milliarden Euro Familienschulden aufhäufte, die sich die Banken nun durch den Verkauf der Firmen wiederholen wollen.

Die hohen Schulden der Merckle-Unternehmen, gepaart mit einem im Kern gesunden Geschäft, locken vor allem Finanzinvestoren wie die Private-Equity-Sparte von Goldman Sachs und Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Ihnen bleiben anders als den Merckles genügend Möglichkeiten, durch Schuldenabbau den Wert der Unternehmen zu steigern und sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Merckle muss sich von Phoenix und/oder Heidelberg Cement trennen

Ziemlich unverhohlen setzen die Private-Equity-Unternehmen denn auch darauf, dass ihnen die Merckle-Gläubigerbanken einen guten Preis machen, weil diese damit ihr Risiko reduzieren, dass die künftigen Eigentümer die Kredite nicht zurückzahlen können. Zu den Instituten, bei denen die Merckles in der Kreide stehen, zählen vor allem die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland. Finanzinvestoren hätten „sicherlich gute Karten“, sagt Goldman-Sachs-Partner Martin Hintze, der für das Private-Equity-Geschäft im deutschsprachigen Raum verantwortlich zeichnet.

Bis zu dreizehn Milliarden Euro könnten Ratiopharm, Phoenix und Heidelberg Cement insgesamt einbringen. Erster Verkaufskandidat ist Ratiopharm – Deutschlands bekanntester Hersteller von Nachahmer-Präparaten, sogenannten Generika. Doch die etwa drei Milliarden Euro, die am Markt für den Medikamentenhersteller zu erzielen sein dürften, werden nicht reichen, um die fünf Milliarden Euro Schulden zu decken.

Folglich muss sich die Familie Merckle auch noch – zumindest teilweise – von Phoenix und/oder Heidelberg Cement trennen. Ein „äußerst reges Interesse von Investoren aus allen Bereichen“ hat Ludwig, der älteste Sohn von Adolf Merckle, schon vor einigen Wochen festgestellt. Die Unternehmen sind auch allesamt am Markt gut positioniert.

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