Urheberrecht: Schauprozess gegen die Cyberpiraten

Urheberrecht: Schauprozess gegen die Cyberpiraten

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Piratenbus - Busse sind jetzt das moderne Fortbewegungsmittel der Piraten.

In Schwedens Hauptstadt läuft der bislang weltweit größte Prozess gegen Internetpiraten. Doch die Ankläger waren bislang nicht sonderlich erfolgreich und es ist fraglich, ob die Musik- und Filmindustrie mit dem Verfahren Raubkopierern das Handwerk legen kann.

In Stockholm wimmelt es von Piraten. Es sind allerdings weder die Reinkarnationen von Klaus Störtebeker und seinen Kumpanen, noch haben sie mit der Seeräuberei zu tun. Trotzdem erregen sie wohl genauso die Gemüter wie der berühmte Freibeuter aus dem 14. Jahrhundert.

Die Rede ist von "Cyber"-Piraten - Raubkopierer, Urheberrechtsverletzer und deren Sympathisanten. Denn in Stockholm läuft derzeit das bisher größte Gerichtsverfahren gegen sie. Kläger sind der amerikanische Verband der Filmindustrie, die Motion Picture Association of America (MPAA) und die schwedische Staatsanwaltschaft. Auf der Anklagebank sitzen die Macher der Internetseite "The Pirate Bay", Fredrik Neij (30), Gottfrid Svartholm (24), Peter Sunde (30) und Carl Lundström (48). Neben Gefängnisstrafen drohen ihnen auch Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe: 12 Millionen US Dollar fordert die Musikindustrie, immerhin knapp 9,5 Millionen Euro.

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Harte Vorwürfe zum Teil schon wieder fallengelassen

Die Vorwürfe sind hart: „The Pirate Bay“ soll sich durch die kommerzielle Verbreitung und Bereitstellung von urheberrechtlich geschütztem Material bereichert haben. Allerdings musste die Anklage bereits am zweiten Verhandlungstag aufgrund von Formfehlern und einem Mangel an Beweisen ihre Vorwürfe teilweise wieder fallen lassen. Die vier Angeklagten sollen nun nicht mehr wegen der direkten Bereitstellung von Raubkopien von Filmen, Musik und Computerprogrammen belangt werden. Die Staatsanwaltschaft hält aber den Vorwurf aufrecht, dass sie das Urheberrecht durch die Bereitstellung technischer Grundlagen für den Tausch solcher Raubkopien verletzt hätten.Die Kläger wollen mit der Klage im Namen der digitalen Medienindustrie ein deutliches Signal gegen die Piraten setzen. "Schließlich werden über The Pirate Bay nicht nur Filme, sondern auch Spiele und Musik vertrieben" sagte Matthias Leonardy, Geschäftsführer bei der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). "Es geht dabei nicht nur um The Pirate Bay, sondern auch um ähnliche Portale. Wir wollen eine klare Rechtsaussage haben, wie wir innerhalb Europas mit diesen Portalen umgehen können."

Organisierte Piraten mit eigenen Parteien

Weltweit schätzt der US-Filmverband den Schaden durch Piraterie auf 18 Milliarden Dollar. Es gibt jedoch auch Untersuchungen eines Forschers der Harvard Universität, die zeigt, dass der Datentausch sogar zu einem Anstieg von Musikverkäufen führt.

Die Musik- und Filmindustrie versucht seit Jahren gegen die Piraterie anzukommen - inzwischen wird in Kinos mit Nachtsichtgeräten Jagd auf Leute gemacht, die Hollywoddblockbuster abfilmen. Doch obwohl beispielsweise die Zahl legaler, bezahlter Musikdownloads ansteigt, machen illegal verbreitete Daten noch immer den Löwenanteil aus. Für 2009 erwartet die Industrie sogar einen weiteren Anstieg der Piraterie.

Die Szene erfreut sich großen Zulaufs, vor allem unter jüngeren Menschen. In Schweden wurde 2006 eine Piratenpartei gegründet, die nach eigenen Angaben über 1000 Mitglieder mehr hat als die schwedischen Grünen. Bei der Parlamentswahl 2006 kamen die Piraten mit knapp 35 000 Stimmen auf 0,6 Prozent der Stimmen. 

Die Partei möchte vor allem das Urheberrecht in Schweden reformieren. Dazu haben sich die Piraten in verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen, darunter auch dem Piraten-Büro Piratbyrån, das durch das Tauschen von Informationen und kulturellen Angeboten gegen das Urheberrecht vorgehen will.

Damit reagierten sie auf die Aktivitäten des Filmindustrieverbandes MPAA. Der Zusammenschluß der Mediengiganten Disney, Sony Pictures, Viacom, Fox, Universal und Warner kümmert sich neben der Altersfreigabe von Filmen vor allem um Urheberrechtsverletzungen und gründete dazu 2001 in Schweden das Anti-Piraten-Büro Antipiratbyrån.

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