Urteil zum Flughafenausbau: Gut für Deutschland, schlecht für die Lufthansa

KommentarUrteil zum Flughafenausbau: Gut für Deutschland, schlecht für die Lufthansa

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Computersimulation der neuen Nordwest-Landebahn am Flughafen Frankfurt

Der Frankfurter Flughafen darf seine neue Landebahn wie geplant bauen. Wie selbst die härtesten Ausbaugegner erwartet haben, hat der Hessische Verwaltungsgerichtshofes in Kassel die Erweiterung erlaubt. Nach mehr als 13 Jahren können nun die Bagger rollen bei „Deutschlands größtem Infrastrukturprojekt“, wie Flughafenchef Wilhelm Bender die 3,5 Milliarden Euro teuren Ausbau nennt.

Das ist gut für den Flughafen und den Betreiber Fraport. Denn nun kann er weiter wachsen und mehr Geld verdienen. Vor allem ist es gut für den Standort Deutschland. Zum einen beschert der Ausbau dem Flughafen Platz für bis zu 20 Millionen zusätzliche Passagiere, die sonst wahrscheinlich anderswo in die weite Welt gestartet wären. Wenn die alle kommen, bedeutet das nach der bisherigen Erfahrung bis zu 60.000 neue Jobs. Viele davon sind für Menschen ohne große Ausbildung, die nun in den Terminals, Lagerhallen oder bei Dienstleistern unterkommen. Ohne Flughäfen hätten sie am Hochlohnstandort Deutschland wahrscheinlich keine Alternative zu Arbeitslosigkeit oder Hartz-IV.

Zudem bedeutet der Ausbau bessere Flugverbindungen in alle Welt, die Geschäftsleuten das Arbeiten erleichtern. Urlaubern beschert die Erweiterung ein größeres Angebot und mehr Alternativen beim Fliegen. Denn nun hat auch Frankfurt endlich Platz für Billigflieger.

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Anwohner und Lufthansa sind die Verlierer

Der Preis für den Ausbau ist zum einen mehr Verkehr und damit mehr Lärm und Dreck. Denn so sehr die Flugbranche auch ihr grünes Erscheinungsbild aufpoliert. Bislang wuchs sie und damit ihre Abgase und der Krach schneller als die Fluglinien durch neue Flugzeuge den Verbrauch senken konnten oder die Maschinen leiser wurden.

Diesen Preis tragen vor allem die Anwohner. Weil die neue Bahn nördlich des Airports liegt, heben die Flugzeuge bald auch in Richtung der nördlicher Bezirke in Frankfurt ab, wo es bislang relativ ruhig war.

Zweiter Leidtragender ist die Lufthansa. Aber aus anderen Gründen. Die weltweit umsatzstärkste Fluglinie bekommt zwar nun reichlich Raum für neue Fluggastgebäude. Aber zum Urteil aus Kassel gehört auch, dass sie nachts praktisch nicht mehr fliegen darf. Das trifft vor allem die Lufthansa-Frachttochter, deren Jets erst nach Mitternacht starten.

Wenn das künftig nicht auch bei allen Flughäfen zur Auflage wird, hebt das die Welt nicht aus den Angeln. Denn zur Sicherheit hat die Lufthansa bereits Teile ihres Lastenverkehrs verlagert, etwa nach Leipzig wo ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Post Frachtflüge anbietet.

Darum ist der Kasseler Spruch noch nicht das Ende. Denn die Anwohner und – halbherzig – auch die Lufthansa werden sich gegen den Beschluss wehren und notfalls eben bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen. Doch viel Hoffnung auf Änderungen sollten sie sich nicht machen.

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