US-Autobauer: Die Wiederauferstehungs-Pläne von General Motors

US-Autobauer: Die Wiederauferstehungs-Pläne von General Motors

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General Motors-Chef Frederick Henderson

Niedrigere Kosten, eine offenere Firmenkultur und bessere Autos: die Pläne des gestürzten Autoriesen General Motors für seine Wiedergeburt als New GM.

Der Tag beginnt nicht gut für Frederick Henderson. Das New Yorker Insolvenzgericht will den Chef von General Motors als Zeugen hören, da fällt im Saal 623 die Mikrofonanlage aus. Eine Gerichtsdienerin schreit Anweisungen in das stumme Mikro, die keiner versteht. Henderson schwitzt.

Eine Stunde später, um 11.28 Uhr, wird er in einem anderen Saal endlich eingeschworen. Bis zum Abend nehmen ihn die Anwälte all derer ins Kreuzverhör, die sich bei der Insolvenz des Autokonzerns übervorteilt fühlen – Gläubiger, Unfallopfer, Asbestkranke. Henderson macht klar, dass GM nur überleben kann, wenn alle verzichten. Er überzeugt zumindest den Richter: Der gab vorige Woche grünes Licht für den Neuanfang. Der Umbau des einst größten Autoherstellers der Welt kann beginnen.

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Es ist eine Wiedergeburt, wie sie die Industrie noch nicht gesehen hat. Auf den Weg gebracht hat sie Steven Rattner, Leiter der Auto-Task-Force von US-Präsident Barack Obama. Der Staat zwingt das GM-Management zu tun, was es allein nicht geschafft hat: den verkrusteten Konzern zu reorganisieren und Ballast aus 100 Jahren Firmengeschichte über Bord zu werfen.

Mehr als 20 Milliarden Dollar Subventionen verbrannt

Mehr als 20 Milliarden Dollar Subventionen verbrannte der Konzern seit Dezember 2008, bevor er am 1. Juni auf Drängen Rattners Konkurs anmeldete. Es war der Endpunkt eines jahrzehntelangen Niedergangs, ausgelöst durch Missmanagement, eine falsche Modellpolitik und überzogene Forderungen der Gewerkschaften. Die Finanzkrise versetzte dem taumelnden Giganten schließlich den Knock-out. Anstatt GM untergehen zu lassen, ging Obama das Risiko ein, das Unternehmen mithilfe des Insolvenzrechts und viel Steuergeld zu retten.

Der gewiefte Rattner brachte eine Spezialregelung zur Anwendung, die bis zur Pleite von Detroit nur Juristen kannten: Paragraf 363 des Chapter-11-Verfahrens, mit dem in den USA insolvente Firmen unter Gläubigerschutz gestellt werden. Die Regelung gestattet dem Käufer einer Pleitefirma, sich nach Belieben Unternehmensteile auszusuchen, die er übernehmen will – nicht aber damit verbundene Verpflichtungen. Eine weitere Besonderheit: Die Gläubiger müssen dem Deal nicht zustimmen, es reicht die Genehmigung des Richters.

Auf diese Weise können Forderungen von Gläubigern auf ein Minimum reduziert und teure Schadensersatzansprüche weitgehend auf die alte Gesellschaft abgewälzt werden. Vorexerziert hat Rattner diesen Weg bei Chrysler, wo die Insolvenz innerhalb von 42 Tagen durchgefochten wurde.

Kernmarken sollen GM auferstehen lassen

„New GM“ wird das Unternehmen schon jetzt genannt, das aus der Asche des Autobauers auferstehen soll. Der Konzern häutet sich wie eine Schlange. Vier Kernmarken gibt es künftig: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC. Die übrigen werden verkauft – wie Saturn, Saab, Hummer und Opel – oder eingestellt, wie Pontiac. So sieht die Agenda für das neue GM aus:

Kosten drücken: Ein Viertel aller Werke in den USA wird dichtgemacht: Von einst 47 bleiben nur 33 übrig. Diesen Monat trifft es eine Fabrik in Wilmington im Bundesstaat Delaware, wo der Pontiac Solstice und der Saturn Sky hergestellt wurden. Durch die Schließungen verlieren in den kommenden Jahren landesweit rund 20.000 Mitarbeiter ihre Jobs.

Das riesige Händlernetz, ein Relikt aus den Sechzigerjahren, wird fast halbiert: 1350 Händler erhielten die Kündigung, bei weiteren 1300 läuft der Vertrag bis Ende 2010 aus. Pro Händler spart GM jährlich durchschnittlich 1,1 Millionen Dollar Unterstützungs- und Verwaltungskosten, schätzt Henderson. Nur wenige protestierten. „Für viele war das traumatisch“, schrieb Mark LaNeve, GMs Marketingchef, in einem Rundbrief an die Händler. Doch er warb für den Blick nach vorn: Ein starker, wettbewerbsfähiger Vertrieb sei entscheidend für den Erfolg des neuen GM. Der Brief schließt mit den Worten: „Keep Selling“, zu Deutsch: „verkauft schön weiter“.

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