US-Autobauer: General Motors setzt nach Rekordverlust auf radikalen Stellenabbau

US-Autobauer: General Motors setzt nach Rekordverlust auf radikalen Stellenabbau

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Unverkaufte GM-Autos des Modells G6 bei einem US-Autohändler

Vollbremsung beim Opel-Mutterkonzern General Motors: Der US-Autobauer will 74.000 Arbeitern in Nordamerika Abfindungen anbieten. Im Jahr 2007 musste General Motors mit einem Minus von 40 Milliarden Dollar den größten Verlust der Firmengeschichte verdauen. Auch die deutsche Tochter Opel bekam im vergangenen Jahr Schrammen ab. Abseits von Sondereinflüssen war der Verlust aber kleiner als befürchtet.

Es ist ein wahrhaft dickes Minus, das General-Motors-Chef Rick Wagoner heute bekanngeben mußte: Im vergangenen Jahr hat General Motors (GM) einen Verlust von fast 40 Milliarden US-Dollar eingefahren. Dieser größte Verlust von GMs 100-jähriger Firmengeschichte geht laut GM-Chef Rick Wagoner vor allem auf Wertberichtigungen im dritten Quartal zurück.

GM bietet deshalb allen 74.000 gewerkschaftlich organisierten Arbeitern in Nordamerika Abfindungen an. Damit soll sich der Konzern in die Lage versetzen, neue Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen einzustellen, um massiv Kosten zu sparen. Das Programm ähnelt den schon bei den ebenfalls ins Schlingern geratenen Konkurrenten Ford und Chrysler mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW vereinbarten Regelungen und soll schon ab dem zweiten Halbjahr 2008 greifen.

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Unklar blieb zunächst, wie viele Beschäftigte durch Abfindungen oder Frühverrentungen aus dem Unternehmen ausscheiden sollen. GM teilte mit, die Bedingungen für ein Ausscheiden aus dem Unternehmen seien deutlich verbessert worden. Die je nach Beschäftigungsgruppen angebotenen Abfindungssummen reichen von 45.000 Dollar für Produktionsarbeiter bis 62.500 Dollar für Facharbeiter.

Opel nur mit Mühe in Gewinnzone

GMs deutsche Tochter Opel hat es 2007 wegen eines kräftigen Absatzrückgangs in seinem Heimatmarkt Deutschland nur noch mit Mühe in die Gewinnzone geschafft. Vor Steuern wies (GM) in seinem Europageschäft mit der Hauptmarke Opel 55 Millionen US-Dollar (37,8 Millionen Euro) Gewinn aus - nach 357 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Ergebnisrückgang sei vor allem auf einen deutlich schwächeren deutschen Markt und ungünstige Wechselkurse zurückzuführen, teilte GM mit. Den Umsatz steigerte der Konzern in Europa binnen Jahresfrist um gut 4 Milliarden auf rund 37,4 Milliarden Dollar.

Erholung des US-Marktes erst in zweiter Jahreshälfte

GM leidet unter einem schwachen Heimatmarkt. Der Konzern liefert sich zudem ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem japanischen Rivalen Toyota um den Titel als absatzstärkster Automobilhersteller der Welt. In den USA haben die Japaner allen drei US-Herstellern massiv Marktanteile abgenommen. Bei Pkw hat Toyota GM weltweit bereits abgehängt, einschließlich Nutzfahrzeugen ist der Wettbewerb nach Meinung von Analysten noch nicht entschieden.Während GM tiefrote Zahlen schreibt, ist Toyota hoch profitabel.

Für das erste Halbjahr rechnet GM-Finanzchef Fritz Henderson mit einem weiter schwierigen Marktumfeld. Eine Erholung sei in den zweiten sechs Monaten zu erwarten. Diese Prognose sehe er durch bessere Umsatzergebnisse im Januar gestützt. Auf deutlich bessere Zeiten hofft GM erst Ende des Jahrzehnts, wenn die eingeleiteten Einsparungen von vier bis fünf Milliarden Dollar ihre volle Wirkung entfalten sollen. Dann soll auch der als Folge der Immobilienkrise schrumpfende Pkw-Markt in den USA wieder zu alter Stärke finden.

Ergebnis nach Sonderabschreibungen besser als erwartet

Nach ersten Erfolgen der bereits laufenden Sanierung schrieb der größte US-Autobauer wegen einer Sonderabschreibung im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 38,7 Milliarden Dollar. Verantwortlich dafür war die Neubewertung potenzieller Steuervergünstigungen im dritten Quartal. Bereinigt um Sondereffekte belief sich der Verlust im Gesamtjahr auf 23 Millionen Dollar. Der weltgrößte Autobauer bezifferte den Verlust abseits von Sondereinflüssen mit lediglich 23 Millionen Dollar (15,82 Millionen Euro). Damit lag der Konzern deutlich besser als es Finanzexperten der Wall Street erwartet hatten. 2006 hatte General Motors noch einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar eingefahren.

Probleme bei Konzernbank GMAC drücken auf Ergebnis

Belastet wurde das Ergebnis 2007 von Verlusten auf dem Heimatmarkt Nordamerika und bei der ehemaligen Finanz-Tochter GMAC, an der GM noch 49 Prozent hält. Der Konzernumsatz fiel im Jahresvergleich auf 181 Milliarden Dollar von 206 Milliarden zuvor. Als Grund für den Rückgang führte GM den Wegfall von Erlösen an, die nach dem Verkauf der GMAC-Mehrheit an den Finanzinvestor Cerberus nicht mehr in der GM-Bilanz stehen.

In Nordamerika verbuchte GM einen Verlust von 1,5 Milliarden Dollar, geringfügig weniger als im Vorjahr. Das Europa-Geschäft, das zum Großteil von der Rüsselsheimer Autohersteller Opel erwirtschaftet wird, wies zum zweiten Mal in Folge schwarze Zahlen aus. Allerdings fiel der Gewinn mit 55 Millionen Dollar gut 300 Millionen niedriger aus als 2006. Höhere Gewinne fuhr GM in den Regionen Südamerika und Asien/Pazifik ein.

„Wir sind erfreut über den positiven Trend in unserem Automobilgeschäft, vor allem wenn man die Herausforderungen auf dem US-Markt und in Deutschland betrachtet“, sagte GM-Chef Rick Wagoner. Der Konzern habe aber noch einiges zu leisten, um eine akzeptable Profitabilität zu erreichen.

Märkte in Deutschland und USA schwach

Wagoner machte für die unbefriedigende Situation bei General Motors Europa vor allem die Lage auf dem deutschen Markt verantwortlich, wo Opel in den vergangenen Monaten massiv von der Zurückhaltung der Autokäufer getroffen wurde. Dazu kämen ungünstige Wechselkursverhältnisse. Deutliche Zuwachsraten hätten dagegen zahlreiche andere europäische Märkte aufgewiesen, insbesondere Russland, wo GM seinen Absatz auf 260.000 Fahrzeuge 2007 verdoppeln konnte.

Schwierig entwickelte sich weiterhin auch der wichtige US-Markt, wo ein sinkender Absatz die Profitabilität des Herstellers drückte. Allerdings verwies der GM-Vorstandschef darauf, dass der Konzern sein Ziel erreicht habe, die strukturellen Kosten gegenüber 2005 um sieben Milliarden Dollar zu senken. Trotz der schwachen US-Konjunktur arbeite General Motors zielgerichtet auf eine Ergebniswende hin, sagte Wagoner.

Rekordverlust keine Überraschung

Der Rekordverlust für 2007 kam nicht mehr überraschend. Allein für das dritte Quartal 2007 hatte GM seinerzeit einen Verlust von 39 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Für das Minus hatte der Opel-Mutterkonzern vor allem steuertechnisch notwendige Wertberichtigungen von 38,6 Milliarden US-Dollar verantwortlich gemacht. Aber auch andere Sonderbelastungen kosteten GM im vergangenen Jahr eine Menge Geld. So verbuchte der Konzern ein Minus von 1,1 Milliarden US-Dollar aus seiner 49-Prozent-Beteiligung an dem Autofinanzierer GMAC, der wegen der US-Finanzkrise 2007 einen Nettoverlust von insgesamt 2,3 Milliarden Dollar einfuhr.

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