US-Autobauer: General Motors überzeugt Gläubiger im letzten Moment

US-Autobauer: General Motors überzeugt Gläubiger im letzten Moment

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GM-Zentrale in Detroit: Die Gläubiger des schwer angeschlagenen Autobauer haben einem neuen Angebot von General Motors in letzter Sekunde zugestimmt

Vollbremsung vor dem Abgrund: In allerletzer Minute hat General Motors seinen Gläubigern ein neues Angebot gemacht, und diese haben es angenommen. Ob GM die drohende Insolvenz so abwenden kann, ist aber längst noch nicht sicher.

Die schwer angeschlagene Opel-Mutter General Motors hat sich doch noch die Unterstützung ihrer Gläubiger für eine Umschuldung gesichert. Der Ausschuss der Kreditgeber habe einem verbesserten Angebot zur Umschuldung der Darlehen über 27 Milliarden Dollar zugestimmt, teilte der Konzern heute mit.

Demnach erhalten die Gläubiger zehn Prozent an einem neu strukturierten Unternehmen und Bezugsrechte für weitere 15 Prozent. Damit verringern sich die Schulden den Angaben zufolge auf 17 Milliarden Dollar. Die Kreditgeber hatten das bisherige Angebot eines zehnprozentigen Anteils als zu nieder abgelehnt.

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Eine Reduzierung der Schulden ist eine zentrale Voraussetzung für den Restrukturierungsplan, den GM bis Montag der Regierung vorlegen muss, um weitere Staatshilfen zu erreichen. Damit könnte der ehemals weltgrößte Autobauer ein Insolvenzverfahren wie beim Konkurrenten Chrysler verhindern.

GM muss noch eine Menge von Problemen lösen

Einer der größten Brocken auf dem Weg zur Sanierung des Autobauers ist damit zumindest deutlich kleiner geworden. Doch General-Motors-Chef Fritz Henderson muss noch eine ganze Reihe Probleme lösen, damit GM überleben kann:

Europageschäft

: GM muss sich gesundschrumpfen und sich darum aus Opel und der britischen Schwester Vauxhall großteils zurückziehen. Präsident Barack Obama will zudem keine US-Hilfen nach Europa abfließen lassen.Markenverkauf: Die schwedische Tochter Saab sowie die US-Marken Hummer und Saturn sollen abgestoßen werden. Pontiac muss sterben.Stellenabbau: Weltweit sollen weniger als 200.000 Jobs übrigbleiben. Vor zehn Jahren gab es bei GM noch doppelt so viele. Heute sind es rund 235.000.Händlernetz und Fabriken: 40 Prozent der heute noch 6000 US-Händler sollen dicht machen. Nochmals mehr als ein Dutzend der verbliebenen 46 Fabriken wird stillgelegt.Sozialkosten: Für die riesigen Gesundheitskosten von Betriebsrentnern hat GM mit der Gewerkschaft einen Kompromiss erzielt. Ein Gutteil der ausstehenden 20 Milliarden Dollar wird als Beteiligung an GM von bis zu 20 Prozent gezahlt. Es bleibt aber noch ein erdrückender Berg von Pensionslasten.Autos: Bei einem weiter steilen Absturz der Absatzzahlen hat GM keine Überlebenschance. 2008 verkaufte der Traditionskonzern 8,35 Millionen Autos, ein Minus von elf Prozent. In den USA brach der Absatz mehrals doppelt so stark auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren ein.Geld: GM verbrennt ständig Unsummen an Kapital. Fast 20 Milliarden Dollar musste der Staat schon zuschießen, bei einer Insolvenz gelten weitere 50 Milliarden Dollar als nötig.

Gläubigerschutz-Verfahren als letzte Rettung

Solche Schwierigkeiten lassen sich nicht im Handumdrehen beseitigen. Kommenden Montag läuft die von Präsident Barack Obama gesetzte Frist zur Vorlage eines realistischen Sanierungsplanes aus. Dann muss Henderson detailliert darlegen, wie er GM aus dem Schlamassel ziehen will. Sein Vorgänger Rick Wagoner war mit seinen Plänen gescheitert: Ende März kritisierten Obamas Berater sein Konzept als unrealistisch. Wagoner musste daraufhin den Hut nehmen.

Sollte die US-Regierung GMs neuen Sanierungsplan ablehnen gilt ein sogenanntes Gläubigerschutz-Verfahren als letzter Rettungsweg. GM soll Lasten abwerfen und zu 72,5 Prozent verstaatlicht werden. Eine Herkulesaufgabe angesichts des erwarteten Rechtsstreits. Es wäre die bisher größte Insolvenz ihrer Art in der US-Geschichte.

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