US-Autobauer: Wie Ford seine US-Konkurrenten überrundet

US-Autobauer: Wie Ford seine US-Konkurrenten überrundet

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Ford: Aggressiv Kosten gesenkt, Liquidität gesichert

Während Chrysler und General Motors ums Überleben kämpfen, kommt Ford relativ gut durch die Krise. So könnte das Unternehmen nun möglicherweise als einziger US-Hersteller ohne direkte Staatshilfe aus Washington auskommen.

Der Chef selbst hat den größten Anreiz, die Finger von Geld aus Washington zu lassen. Mitten in der Bettelaktion der Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler bei der US-Regierung verkündete der US-Autohersteller Ford Anfang Dezember vergangenen Jahres, dass das Gehalt von Vorstandschef Alan Mulally auf einen Dollar gekürzt werde, sollte Ford doch noch Steuergeld benötigen.

Eher widerwillig hatte sich der 63-Jährige wenige Tage zuvor mit seinen beiden Detroiter Kollegen, dem GM-Chef Rick Wagoner und Chrysler-Chef Bob Nardelli, zu Anhörungen in die Hauptstadt begeben. Doch dort betonte er immer wieder, Ford brauche eigentlich keine Hilfe, Ford könne es alleine schaffen. Es werde allerdings schwer, wenn wegen eines ungeordneten Bankrotts von GM und/oder Chrysler die Zulieferer ins Schleudern geraten sollten.

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Ford konnte GM und Chrysler beim Restrukturierungsrennen mehrfach überrunden

Heute sieht es so aus, als müsste Mulally das Ein-Dollar-Jahresgehalt nicht fürchten. Der ehemalige Boeing-Manager hatte im September 2006 als Branchenfremder bei Ford das Ruder übernommen. Auch die 13,5 Millionen Dollar, die Mulally 2007 kassierte, als der Konzern mit einem Verlust von 2,7 Milliarden Dollar eines der schlimmeren Jahre der Unternehmensgeschichte durchmachte, hat er nach Ansicht der Ford-Leute mehr als verdient. Denn der gelernte Ingenieur konnte seine beiden Konkurrenten GM und Chrysler beim Restrukturierungsrennen gleich mehrfach überrunden. Mulally leitete nicht nur sofort aggressive Kostensenkungsmaßnahmen ein, er sicherte sich zudem früh ein dickes Liquiditätspolster, das Ende März noch 21,3 Milliarden Dollar betrug.

Er verkaufte die Marken Aston Martin, Jaguar und Land Rover zu einem Zeitpunkt, als das noch Geld in die Kasse spülte, ebenso die Beteiligung an Mazda. Er einigte sich mit der Autogewerkschaft auf umfangreiche Einschnitte bei Arbeitskosten und Sozialleistungen – sogar ohne Androhung eines Konkurses.

Anfang April verkündete er den Rückkauf von Finanzschulden in Höhe von nominal rund zehn Milliarden Dollar zum Schnäppchenpreis von 2,4 Milliarden Dollar in Cash plus 468 Millionen Ford-Aktien, was die jährlichen Zinszahlungen um eine halbe Milliarde Dollar reduzieren wird.

Gleichzeitig liegt Ford in den USA in der Kundenzufriedenheit bei der Produktqualität wieder mit den Japanern gleichauf. Und in der Produktpipeline befinden sich potenzielle Renner im wichtigen Massensegment, darunter der Fusion, der Focus, zahlreiche Hybridmodelle sowie der bald auch in den USA erhältliche Fiesta.

Zwar schreibt Ford immer noch rote Zahlen: Nach 5,9 Milliarden Dollar Verlust im vierten Quartal 2008 waren es im ersten Quartal 2009 knapp 1,4 Milliarden Dollar Miese. Doch Ford habe „ausreichend Liquidität, um ohne zusätzliche Mittel durch das Jahr 2010 zu kommen“, urteilten zu Beginn vergangener Woche die Autoanalysten von Goldman Sachs.

Das katapultierte die Aktie, die in den schlimmsten Novembertagen nur noch knapp über einen Dollar gekostet hatte, auf mehr als fünf Dollar. Ford werde in den nächsten Jahren zudem auf Kosten der beiden Konkurrenten GM und Chrysler in den USA signifikante Marktanteile hinzugewinnen. Die Goldman-Sachs-Analysten rechnen für Ford im Jahr 2011 mit einem Gewinn von 56 Cent pro Aktie – bei einem gewachsenen US-Automarkt von 14 Millionen Pkws gegenüber 10 Millionen im Jahr 2009.

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