US-Autobauer: Wie sich Ford zum Überlebenskünstler hochdient

US-Autobauer: Wie sich Ford zum Überlebenskünstler hochdient

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Ford-Logo bei einer Autoausstellung: Der US-Autobauer hat sich früh finanziellen Spielraum verschafft - und steht deshalb nun besser da als seine Konkurrenten

Für den einen Autoriesen rückt die Verstaatlichung immer näher, der andere tut alles, um sich von seinen insolventen Konkurrenten abzuheben: Der US-Autobauer Ford müht sich nach Kräften darum, aus der Krise Kapital zu schlagen. Ford-Chef Alan Mulally ist bisher standhaft geblieben: Als einziger der „Detroit Big Three“ kommt der Autohersteller bisher ohne staatliche Hilfe aus. Doch die Schuldenlast könnte ihm einen Strich durch seine Pläne machen, Ford als Überlebenskünstler durch die Krise zu führen.

Vor drei Jahren sah die US-Autowelt noch ganz anders aus: Da fürchteten Branchenbeobachter, dass Ford als erster der US-Autoriesen vor die Wand fahren würde. Lange vor General Motors schrieb der 105 Jahre alte Konzern Milliardenverluste und verbrannte Unsummen. Die Folge: Mitte September 2006 trat Bill Ford, ein Urenkel des Unternehmensgründers, als Chef des Autoriesen zurück.

Groß war die Überraschung, als Ford Alan Mulally als neuen Chef auserkor. Der damals 60-jährige Ingenieur hatte Jahrzehnte beim Flugzeughersteller Boeing gearbeitet und sich dort mit dem Dreamliner einen Namen gemacht. Im Autogeschäft war er jedoch ein völliger Neuling.

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Viele spekulierten, das Mulally mit dem maroden Autobauer nur scheitern könnte. Doch der Manager mit dem spitzbübischen Grinsen hält sich erstaunlich gut im Sattel. Mulally hat erreicht, wovon seine Konkurrenten träumen können: Er hat sich mit einem gewagten Manöver Kredite gesichert, als diese noch günstig waren. Ford kann deshalb auf Staatshilfen verzichten – bislang jedenfalls. Dieses Finanzpolster soll Ford nun helfen, die schwierigen Jahre zu überstehen und als Gewinner aus der Krise zu fahren. Doch Mulallys Strategie birgt beachtliche Risiken. Der Konzern ist alles andere als gesund und Fords Überleben ist längst nicht gesichert.

Gewagte Verpfändung

Die Mulally-Methode hat ein Reporter des US-Wirtschaftsmagazins Fortune am eigenen Leib kennengelernt. Jeden Tag startet der 63-Jährige um 5.15 Uhr morgens seinen Zwölf-Stunden-Arbeitstag, und er hat enormes Durchhaltevermögen. Auch nach einem stundenlangen Gespräch pocht er weiter auf Details. Mulally sei „unerbittlich und fordert all meine Aufmerksamkeit“, beschrieb Fortune ein Treffen mit Mulally.

Diese Durchsetzungskraft hat Mulally seit seinem Amtsantritt im September 2006 gut brauchen können. Denn bereits damals stand Ford auf wackligen Füßen. Mulally erkannte früh, dass den USA eine Rezession droht, und und handelte entschlossen. Ende 2006 borgte sich von den Banken 23,6 Milliarden Dollar, als dieses Geld noch zu haben war, und belieh im Gegenzug sämtliche Vermögenswerte von Ford – von den Fabriken bis hin zum ovalen Firmenlogo.

Mulallys neuer Stil

Jetzt verschafft Ford dieser Kapitalpolster einigen finanziellen Spielraum und ermöglicht es Mulally so, sich von GM und Chrysler abzuheben. Von wenig profitablen Unternehmensteilen hat sich Mulally getrennt: Die Luxusmarken Jaguar und Land Rover verkaufte er 2007 an die indische Tata Motors, als dafür noch gutes Geld zu kriegen war. Mulally arbeitet zudem mit Hochdruck daran, Ford besser international zu integrieren. So sollen ab 2010 von Ford Europe entwickelte Modelle wie der Fiesta auch in den USA verkauft werden.

Intern hat Mulally einen neuen Stil durchgesetzt: Früher galt die Ford-Managerriege als verschlossene Elite, die sich lieber mit Ellbogen als mit Sachargumenten durchsetzte. Unter Mulally wird nun Kommunikation großgeschrieben: „Jeder muss den Plan und den aktuellen Status kennen, und die Bereiche, die spezielle Aufmerksamkeit benötigen“, sagt Mulally. Jeden Donnerstag treffen sich 18 Ford-Topmanager mit Mulally, um über die künftige Strategie für Ford zu sprechen. In einem Raum sind insgesamt 280 Leistungsdiagramme aus allen Ford-Bereichen aufgehängt, mit denen sich die Top-Manager ein möglichst vollständiges Bild über den Zustand des Konzerns machen können.

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