US-Autoindustrie: Obama-Regierung am Haken

KommentarUS-Autoindustrie: Obama-Regierung am Haken

Mit dem gestern am späten Nachmittag in Washington vorgelegten Sanierungsplan spielen General Motors und Chrysler erfolgreich auf Zeit.

Zwar ist das meiste in den jetzt vorgelegten konkreten  Sanierungsplänen von General Motors und Chrysler noch ziemlich vorläufig und an die Bedingung gebunden, dass der Steuerzahler kräftig mitzahlt: vorläufig vereinbarte Konzessionen mit den Gewerkschaften bei Löhnen und Krankenversicherungsfonds, vorläufige Zugeständnisse von - soweit man weiß - einem Teil der Gläubiger, ein vorläufig zugesagtes Nachgeben von Händlern. In trockenen Tüchern ist praktisch noch gar nichts.

Doch mit den zumindest gemessen an der Seitenzahl eindrucksvollen Sanierungskonzepten, die gestern am späten Nachmittag von General Motors (GM) und Chrysler vorgelegt wurden, geben die Automanager der Obama-Regierung kaum eine Chance: Sie wird wohl weitere Milliardenhilfen nachschießen und den beiden ums Überleben kämpfenden Unternehmen zumindest eine weitere Gnadenfrist bis Ende März einräumen. Bis dahin sollen dann tatsächlich harte Vereinbarungen mit Gewerkschaften, Gläubigern und Händlern erzielt worden sein, versprechen die verantwortlichen Manager der Autokonzerne.

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Ohne Regierung geht es nicht

Die Regierung wird ohnehin kaum noch einen Rückzieher machen können. Faktisch steckt der US-Steuerzahler schon viel zu tief drin. Bei einem aktuellen Börsenwert von nur noch 1,5 Milliarden Dollar von GM - Chrysler ist als privat gehaltenes Unternehmen nicht börsennotiert und hat eigentlich nur noch einen Erinnerungswert - entsprechen die Kapitalspritzen faktisch bereits einer Verstaatlichung  der Autokonzerne. Bis Ende März soll die US-Regierung GM mit insgesamt rund 30 Milliarden Dollar über Wasser halten. Angesichts solcher Summen ist schon ziemlich dreist, dass die Anleihegläubiger immer noch pokern und offenbar davon ausgehen, sie würden am Ende sogar noch etwas Nennenswertes rauskriegen. Hätte sich GM unter Chapter 11 geflüchtet, den Paragrafen des US-Konkursrechts, würden die Gläubiger längst in die Röhre schauen.

Doch die Chance auf eine solche radikale Sanierung, gegen die sich die Unternehmen mit Händen und Füßen gewehrt haben, wurde verspielt. Dabei hätte ein Konkursrichter den Druck auf alle Beteiligten deutlich erhöhen können und wahrscheinlich längst konkrete Ergebnisse zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Autokonzerne geliefert. Der Sündenfall passierte jedoch bereits, als die US-Regierung vor zwei Monaten zum ersten mal Überbrückungshilfen aus Steuermitteln in Milliardenhöhe spendierte. Dafür sorgte zwar noch die Bush-Administration – doch nun haben die Detroiter die Obama-Regierung am Haken.

Die US-Autohersteller beeindrucken zurzeit eigentlich nur mit dem Tempo, mit dem sie Geld verbrennen. Um Ausreden sind sie dabei allerdings nicht verlegen. Die unvorhersehbar schlechte wirtschaftliche Lage sei Schuld, dass die Finanzlöcher Monat für Monat größer wurden als vorhergesagt. Nicht gerade beruhigend wirkt, dass GM für das Erreichen der Gewinnschwelle selbst mit dem neuen Restrukturierungsplan einen Absatz von 11,5 bis 12 Millionen Fahrzeugen auf dem US-Markt braucht. Im Januar sind die aktuellen Verkaufszahlen bereits auf Werte abgerutscht, die einem Jahresabsatz von weniger als zehn Millionen Fahrzeugen in den USA entsprechen.

GM verspricht dennoch eine Rückkehr zur Profitabilität in 24 Monaten. Ab 2012 will der Konzern sogar damit beginnen, die staatliche Stütze nach und nach zurück zu zahlen. Es handele sich bei dem Milliarden-Darlehen um „ein gesundes Investment für den Steuerzahler“, heißt es in dem Sanierungskonzept. Wenn das keine gewagte Behauptung ist. Denn bleibt der Automarkt weiterhin schwach und verlieren General Motors und Chrysler zudem weiterhin Marktanteile, werden auch nach dem 31. März schon bald weitere Milliarden aus dem Steuertopf erforderlich.

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