US-Autokrise: Chrysler: Fix it again, Tony!

KommentarUS-Autokrise: Chrysler: Fix it again, Tony!

Die Überlebenschancen für die Detroiter US-Autoindustrie haben sich mit dem Konkursantrag für Chrysler und der jetzt folgenden radikalen Restrukturierung nur marginal verbessert. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Korrespondent Andreas Henry.

Das Unvermeidliche ist passiert: Die US-Industrie-Ikone Chrysler wird durch die Konkursmühle gedreht.

Spekulanten und gierige Hedge Funds seien Schuld daran gewesen, machte Präsident Barack Obama gestern in einer Pressekonferenz mit entschlossener Mine klar. Man habe das so nicht gewollt, man hätte es lieber ohne die Flucht unter den Paragrafen Chapter 11 versucht, der in den USA Unternehmen Schutz vor seinen Gläubigern gibt aber gleichzeitig eine Fortführung des operativen Geschäfts ermöglicht.

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Doch eine kleine Gruppe von Gläubigern hätte nicht mitgespielt. Die hatte hoch gepokert und auf weiter gehende Zugeständnisse aus Washington gehofft.

Aber die so genannte Auto-Task-Force, die im Auftrag Obamas die Rettungsaktionen für Detroit koordiniert, blieb hart.

Das ist auch ein Signal für die Gläubiger von General Motors (GM), die noch eine Frist bis Ende Mai haben und mit der Regierung zurzeit um die Konditionen eines ähnlichen Verzichts feilschen.

Bei Chrysler ist die Situation besonders bizarr

Ein Konkursantrag scheint bei GM aus Sicht vieler Beobachter ebenfalls unvermeidlich, denn immerhin sollen nach dem zuletzt vorgelegten Plan mindestens 90 Prozent der Banken und institutionellen Gläubiger einem Umtausch der Schulden in einen winzigen  Anteil am restrukturierten Unternehmen zustimmen.

Bei Chrysler ist die neue Situation besonders bizarr.

Fiat soll bei Chrysler zwar von nun an das Sagen haben, aber die Mehrheit an dem Unternehmen wird zumindest vorläufig den Gewerkschaften gehören.

Fiat hat kein Geld eingebracht, der Anteil der Italiener an Chrysler soll aber nach einem bisher nicht bekannten Plan weiter steigen, wenn sie Technologie und Modelle für den US-Markt eingebracht haben.

Als Hoffnungsträger gilt ausgerechnet der Winzling Fiat 500, dem der jetzt ausscheidende Chrysler-Chef Bob Nardelli hervorragende Marktchancen in den USA bescheinigte – als hätten vor allem Japaner und Koreaner nicht längst bewiesen, dass sie bei kleinen spritsparenden Fahrzeugen hier die Nase vorn haben.

Zudem ist es keinem der US-Hersteller bisher gelungen, mit Kleinwagen Geld zu verdienen.

Viel wahrscheinlicher ist, dass Fiat die Marktaussichten in den USA und die erleichterte Euphorie der gebeutelten Chrysler-Dealer, die jeden Retter erleichtert empfangen hätten, deutlich überschätzt.

Zumal schon wieder Sprüche kursieren, die auf die Zeit anspielen, in der sich die Italiener noch selbst auf dem US-Markt versuchten: Fiat – Fix it again, Tony! – so lautete einmal das Image der Marke.

Gut, dass Fiat-Chef-Marchionne, der hier bald eine Hauptrolle übernehmen soll, mit Vornamen Sergio heißt. Ein berauschender Markterfolg von Fiat wäre für die meisten Experten eine Überraschung.

Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass Fiat mit der möglichst schnell gestarteten  Produktion in den USA die Qualitätsprobleme von Chrysler beerbt.

Unter denen leidet der amerikanische Hersteller bereits seit langem. Selbst in der Daimler-Epoche konnten deutsche Ingenieure das Problem nicht ausmerzen, vielmehr schien sich der Fehlervirus sogar auf Mercedes zu übertragen.

Sollten die Fiat-Modelle wie der Cinquecento hier nicht einschlagen, wird man sich zur Umsatzrettung zudem schnell wieder an der Chrysler-Rabatt-Orgie beteiligen, mit der das Unternehmen zwar verhindert, dass die Absatzzahlen noch stärker einbrechen, aber gleichzeitig die Zahlen noch nachaltiger rot färbte. 

Auch scheint die Hoffnung arg übertrieben, die Chrysler-Marke Jeep könne im Ausland deutlich zulegen und bald einen substanziellen Profit abliefern, wenn sie über die schlagkräftigen Fiat-Kanäle vertrieben wird.

Für die Gewerkschaften ist das Risiko bei Chrysler viel zu hoch

Total im Nebel liegt das Ausstiegsszenario bei Chrysler.

Sowohl die Gewerkschaft United Automobile Workers als auch die US-Regierung, die viele Steuermilliarden eingebracht hat, müßten eigentlich so schnell wie möglich wieder raus wollen und Cash sehen.

Für die Gewerkschaftler ist das Risiko viel zu hoch, weil das Kapital des Gesundheitsfonds für die Ruheständler im Wesentlichen aus Aktien an einer äußerst wackligen Gesellschaft besteht. Sie kann kein Interesse daran haben, auf Dauer in solchem Umfang an Chrysler beteiligt zu bleiben. Ein Verkauf der Anteile - und das wird für GM genau so gelten – wird aber erst möglich sein, wenn zumindest absehbar ist, dass die Unternehmen wieder Gewinne abwerfen.

Ob das passiert, das hängt vor allem von der US-Autokonjuntur ab. Die Autoanalysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Verkaufzahlen, die aktuell auf unter zehn Millionen Einheiten in den USA abgerutscht sind,  bis 2012 wieder auf rund 14 Millionen steigen  werden.

Das dürfte GM und Chrysler mitziehen und bei nach der Restrukturierung deutlich verbesserten Kostenstrukturen zumindest wieder in die schwarzen Zahlen hieven. Ein bescheidener  Gewinn – das würde aber kaum ausreichen, um Investoren für Unternehmen zu begeistern, die sich seit diesen Wochen nahezu komplett in Staats- und Gewerkschaftsbesitz befinden.

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