US-Autoriese: GM gibt sich trotz Rekord-Börsengangs bescheiden

KommentarUS-Autoriese: GM gibt sich trotz Rekord-Börsengangs bescheiden

von Martin Seiwert

General Motors kann mal wieder einen Rekord vermelden: Die Rückkehr des US-Autobauers auf das Börsenparkett wird wohl der größte Börsengang aller Zeiten werden. Doch der wahre Zustand von GM ist noch nicht rekordverdächtig.

Hohes Anlegerinteresse, maximaler Ausgabepreis: Es wird wohl der größte Börsengang aller Zeiten, wenn heute Morgen in New York (15 Uhr MEZ) die Aktien des US-Autohersteller General Motors erstmals wieder an der Börse gehandelt werden.

Mal wieder ein Rekord in der Geschichte von GM - nach einer über 70-jährigen, ununterbrochenen Rekordzeit an der Spitze der weltweiten Autoindustrie, eines fortgesetzten Rekordmissmanagements über Jahrzehnte, einer dramatischen Rekordpleite vor eineinhalb Jahren, einer staatlichen Rekordgeldpritze zur Abwendung des endgültigen Untergangs und einer scheinbaren Sanierung im Rekordtempo, die – schon wieder ein Rekord – zu vier Chefwechseln in nur eineinhalb Jahren führte.

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Heute will der US-Autobauer zwischen 20,1 und 23,1 Milliarden Dollar an der Börse einsammeln. Wegen der hohen Nachfrage verlangt GM den maximal möglichen Preis für seine Stammaktien, das sind 33 Dollar das Stück. Am Ende könnte GM damit den bisherigen Spitzenreiter in den Schatten stellen. Die Agricultural Bank of China hatte im Sommer 22,1 Milliarden Dollar eingenommen. Die Gesamtsumme des GM-Börsengangs liegt fast anderthalb mal so hoch wie ursprünglich geplant.

Bei GM ist immer alles etwas größer, knalliger und amerikanischer als anderswo. So auch die heutige Rückkehr an die Börse. Und doch hat sich etwas im Konzern geändert: Großspurige Sprüche, realitätsferne Lobeslieder auf die eigenen Produkte und aberwitzige Versprechen an die Finanz-Community sind seltener geworden. Der tiefe Fall hat Management und Mitarbeiter geläutert.

Neue Bescheidenheit

Im Firmenhochhaus in Downtown Detroit regiert eine neue Führungsmannschaft, die größtenteils erst in der Insolvenz zum Unternehmen gestoßen ist. Die Manager haben mit Entsetzen den Niedergang von GM beobachtet, von außen, nicht als Täter. Nun haben sie die Vision, die großen amerikanischen Marken des Konzerns zu retten, aber auch das Bewusstsein, dass die einstige Industrie-Ikone aus Motown so ikonenhaft gar nicht mehr ist. Von Rekorden reden diese Manager nicht gern.

Freilich, das Firmenmotto, das sich der Konzerns in der Insolvenz gegeben hat, ist ein Rekordversprechen wie aus alten Tagen. „Wir entwickeln, bauen und verkaufen die besten Autos der Welt“, heißt der Slogan. Doch das sei bloß eine Vision für die Mitarbeiter, wird in Detroit offen eingeräumt. Eine Vision, die motivieren soll, die man aber womöglich nie erreicht.

Das Selbstbewusstsein der GM-Truppe hat teilweise so gelitten, dass der neue Marketingchef von Chevrolet, der wichtigsten Konzernmarke, in der Werbung gegensteuern will. „Wir müssen wieder aggressiver werden in unserem Außenauftritt“, meint Chris Perry, der erst vor neun Wochen vom südkoreanischen Hyundai-Konzern zu GM wechselte. GM habe sich genug entschuldigt für alte Fehler und für „Produkte, die wir besser nie auf den Markt gebracht hätten“. Die neue Produktpalette sei so stark, dass man sie „ein Stück aggressiver“ verkaufen könne.

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