US-Bank: Image-Politur à la Goldman Sachs

US-Bank: Image-Politur à la Goldman Sachs

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Menschen demonstrieren während einer Anhörung in Washington im April gegen Goldman Sachs. Thema der Anhörung: Wall Street und Finanzkrise. Die Rolle der Investmentbanken

von Andreas Henry

Wie die US-Investmentbank Goldman Sachs ihren angeschlagenen Ruf reparieren will, um den Kundenschwund zu bremsen.

Henry Blodget weiß, wie es ist, öffentlich in Ungnade zu fallen. Der frühere Star-Analyst von Merrill Lynch war nach dem Platzen der Internet-Blase ins Visier des Generalstaatsanwalts geraten, weil er Aktien öffentlich gepuscht hatte, die er in internen E-Mails als „Piece of Shit“ bezeichnete. Eine saftige Geldstrafe und ein lebenslanges Berufsverbot folgten. Mehr noch als Blodget damals steht heute Goldman Sachs am Pranger. Doch die Vorstellung, die einst alle überragende US-Investmentbank sei nun plötzlich „normal und menschlich“, nur weil sie ein schwaches Quartal hinnehmen musste, hält Blodget geradezu für absurd. „Das ist die beste Presse, die sie seit Jahren bekommen haben,“ sagt Blodget, „sie sind wieder einmal schlauer als alle anderen.“

Temporäre Bescheidenheit

Schlechte Zahlen als Rehabilitationsstrategie? Normalerweise kaum vorstellbar. Aber Goldman steckt in einem Dilemma. Die Bank muss ihre durch zweifelhafte Geschäftspraktiken schwer beschädigte Reputation wieder herstellen und den Kundenschwund bremsen, wenn sie ihre herausragende Position in der Branche zurückerobern will. Da würden Rekordgewinne wie 2009 das Bild von den gierigen Wall-Street-Bankern in der Öffentlichkeit nur verstärken. Deshalb kommen ein zumindest temporäres Zurückfallen und mehr Bescheidenheit gerade recht, wie Goldman-Manager selbst zugeben.

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Zudem ist den Verantwortlichen klar: Mit Imagekampagnen oder wohltätigen Aktionen und selbst mit Zurückhaltung bei Bonuszahlungen ist der ruinierte Ruf kaum aufzupolieren. Kernstück des Wiedergutmachungsprogramms soll deshalb die Arbeit eines Gremiums sein, das vom Verwaltungsrat eingesetzt wurde.

Das sogenannte Business Standards Committee – nahezu ausnahmslos mit Goldman-Sachs-Partnern besetzt – soll Verantwortlichkeiten der Bank gegenüber den Kunden klarstellen, es soll festlegen, wie die Bank Interessenkonflikte identifiziert und damit umgeht, sowie überprüfen, ob Kunden die geeigneten Produkte angeboten werden. Und es soll sich Gedanken darüber machen, wie persönliche Verantwortung, ethisches Verhalten und klare und effektive Kommunikation sichergestellt werden können.

Neuer Verhaltenskodex

Das ist ein pikanter Auftrag. Denn einerseits soll das Gremium klare Empfehlungen geben, einen neuen Verhaltenskodex für alle Goldman-Mitarbeiter in allen Abteilungen entwerfen. Gleichzeitig soll aber durch das Regelwerk nicht der Eindruck verstärkt werden, bei Goldman sei es zuvor drunter und drüber gegangen.

Die Investmentbank hat die beiden kritischsten Jahre ihrer 141-jährigen Firmengeschichte hinter sich. Im April kündigte die US-Börsenaufsicht SEC eine Betrugsklage gegen Goldman an. Die Existenz der Wall-Street-Ikone schien erneut in Gefahr. Während der Finanzkrise hatten Spekulanten gewettet, dass Morgan Stanley und Goldman Sachs nach der Pleite von Lehman Brothers die Nächsten sein würden.

Die Pleite wurde abgewendet, auch die SEC-Klage ist vom Tisch. Vor zwei Wochen verkündeten SEC und Goldman einen Vergleich. Die Bank zahlt die Rekordsumme von 550 Millionen Dollar und gesteht ein, bei dem fraglichen Geschäft einen „Fehler“ gemacht zu haben.

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