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US-Banken: Goldman Sachs ist der Meister der Blasen

von Andreas Henry (New York)

Die US-Großbank Goldman Sachs ist unter den Geldhäusern der große Gewinner der Krise. Trotzdem hat das einst nahezu makellose Image kräftig gelitten. Das weltweite Aushängeschild des Finanzkapitals hat den Nimbus der Unverwundbarkeit verloren.

Goldman Sachs-Chef Blankfein: Schneller als erwartet scheint die Bank zu den goldenen Zeiten des Investmentbankings zurückzukehren Quelle: John Fistick/Goldman Sachs
Goldman Sachs-Chef Blankfein: Schneller als erwartet scheint die Bank zu den goldenen Zeiten des Investmentbankings zurückzukehren. Quelle: John Fistick/Goldman Sachs

Für Selbstzweifel und Selbstkritik scheint es überhaupt keinen Platz zu geben bei Goldman Sachs, der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Großbank der Welt. Dafür steht Lloyd Blankfein, der seit gut drei Jahren die Wall-Street-Bank lenkt, wie kein anderer.

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Gern erinnert sich der 54-Jährige an eine Anekdote aus seinen Anfangsjahren. Als in der Abteilung, für die er verantwortlich war, Geschäfte aus dem Ruder liefen und er seinen Boss um Hilfe fragte, wollte der nur wissen, was Blankfein tun wolle, um das Problem zu lösen. „Ich wollte klingen, als hätte ich alles total unter Kontrolle“, erinnert sich Blankfein, „also nutzte ich meine verstellt selbstsicherste Stimme und versuchte mein Bestes.“

Sein Boss stimmte dem Vorschlag zu. Beim Rausgehen gab er Blankfein noch den Rat, den Waschraum aufzusuchen und sich kaltes Wasser ins Gesicht zu werfen, er sehe grün aus. Daraus habe er gelernt, sagte Blankfein, dass „deine Leute stark davon beeinflusst werden, wie du dich selbst unter Stress verhältst“.

Goldman Sachs produziert wieder Milliardengewinne

Verhalten unter Stress – dabei haben sich Blankfein und seine Mitarbeiter bei der Wall-Street-Ikone bis zuletzt Bestnoten verdient. Vor nicht einmal einem Jahr durchlitten die Goldmänner noch ein "Beinahe-Tod-Erlebnis", wie das Magazin „The Economist“ den Augenblick beschrieb, als das Geldhaus zusammen mit Wettbewerbern seinen Titel Investmentbank aufgab und sich unter das schützende Dach der US-Notenbank flüchtete. Doch nur wenig später, in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres, lieferte die Bank bereits wieder Milliardengewinne ab, während die übrige Welt noch darüber rätselt, wie lange die Krise wohl dauern wird.

Schneller als erwartet scheint Goldman Sachs zu den goldenen Zeiten des Investmentbankings zurückkehren zu können. Vor wenigen Monaten sah das noch ganz anders aus. Seit Ende Mai 2008 reduzierte die Bank die Zahl ihrer Mitarbeiter krisenbedingt weltweit von 35.000 auf 29.400.

Empörung über Boni

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Doch statt nun öffentliche Erleichterung darüber zu erfahren, dass endlich wieder Gewinne sprießen, sieht sich das Aushängeschild des angloamerikanischen Finanzkapitals nun einer Welle der Empörung ausgesetzt. Nicht die Milliardenprofite beeindrucken die Öffentlichkeit, vielmehr läuft eine heftige Diskussion um Moral und Anstand: Darf sich eine Bank, die mit Steuergeldern gerettet wurde und die von Subventionen des US-Staates für die Finanzbranche profitiert, ihren Mitarbeitern weniger als ein Jahr nach dem Beinahe-Kollaps wieder hemmungslos die Taschen vollstopfen?

Das US-Magazin „Rolling Stone“ schmähte Goldman Sachs Anfang Juli in einer Titelgeschichte als „die große amerikanische Blasen-Maschine“, deren Geschäftsmodell es seit Jahrzehnten sei, „sich in einer spekulativen Blase zu positionieren und Investments zu verkaufen, von denen sie wüssten, dass sie Schrott seien“. Genährt wird die unübersehbare Wut, die sich in zahllosen Kommentaren im Fernsehen, in Printmedien und im Internet austobt, von uralten Verschwörungstheorien, die gerne auch immer wieder von Konkurrenten verbreitet werden, die nicht so erfolgreich sind wie Goldman Sachs.

Danach habe Goldman Sachs bis in höchste Regierungskreise und in anderen wichtigen Ämtern seine Leute sitzen, erfahre deshalb vieles den entscheidenden Augenblick früher und könne deshalb schneller als die Wettbewerber reagieren.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.08.2009, 17:29 UhrAnonymer Benutzer: Enzo

    richtig, ist einer der sachlichsten artikel der letzten tage. das heißt aber noch lange nicht, dass er sachlich ist.
    aber wenn es dem ego von manchem sparkassen-berater oder börsenluschi hilft, die wahren gewinner am markt schlecht zu reden, dann nur zu. ich finde es jedoch erbärmlich und freue mich über weitere kursanstiege bei gs. auch wenn die dividendenrendite (wen interessiert die denn bitte?!?!) nur 1% beträgt.

  • 04.08.2009, 15:20 UhrAnonymer Benutzer: bbietmann

    Hey Enzo-Goldman (der von der Muppet-Show?...:) )
    wie wärs mit etwas weniger Polemik in der Kritik und etwas mehr Substanz? ich finde, das ist einer der sachlichsten Artikel, die zuletzt über Goldman geschrieben wurden, wenn man das mit dem vergleicht, was in der US-Presse steht - zum beispiel: ist Goldman böse? (New York Magazin) oder "Vampir, der sich um das Gesicht der Menschheit gewickelt hat" (Rolling Stone)

  • 04.08.2009, 15:15 UhrAnonymer Benutzer: Piiet

    Guter Artikel - was sich jeder denken konnte - mit insiderinfos immer einen Schritt voraus :-(

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