US-Geschäft: Knauf erwartet US-Sammelklage in Millionenhöhe

US-Geschäft: Knauf erwartet US-Sammelklage in Millionenhöhe

von Lothar Schnitzler

Eine Sammelklage von Hausbesitzern aus verschiedenen US-Staaten wird zurzeit in New Orleans verhandelt. Knauf-Trockenwände aus China sollen Elektrokabel-Schäden und Gestank verursacht haben.

Ganz oben in der Reihe der Beklagten stehen die deutsche Knauf KG und ihre chinesische Tochter Knauf Plasterboard Tianjin (KPT). Trockenwände aus China, die 2005 und 2006 in die USA geliefert wurden, sollen Gestank nach faulen Eiern und Schäden an Elektrokabeln verursacht haben.

Klägeranwalt Ervin Gonzales von der Kanzlei Colson Hicks Eidson veranschlagt die Schäden auf drei bis fünf Milliarden Dollar, 100 000 Hausbauer könnten betroffen sein. „Das sind Mondzahlen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben“, hält Jörg Scharnow dagegen, in der Knauf-Geschäftsführung zuständig für Recht und Personal. In der aktuellen Sammelklage geht es nur noch um 2500 Häuser. Die Sammelklage erschwert weitere Klagen, schließt sie jedoch nicht zwingend aus.

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Knauf ist einer von rund 400 Beklagten, darunter etliche chinesische Staatsbetriebe. Die Knauf-Anwälte wollen nun nachweisen, dass die chinesische Tochter eine eigenständige Gesellschaft ist, um die deutsche Muttergesellschaft aus der Klage herauszubekommen. „Die Knauf KG steht nur wegen ihrer Finanzkraft in der Klageschrift“, sagt Scharnow.

Vergleich angestrebt

Knauf geht davon aus, dass weniger als  20 Prozent der 2005 und 2006 der aus China in die USA gelieferten Gipsplatten von Knauf-Gesellschaften stammen.

Die KPT hat inzwischen die Bereitschaft zu einem Vergleich bekannt gegeben, um die Sache schnell zu beenden. Dabei wissen die Knauf-Anwälte die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC auf ihrer Seite. Diese bestätigte, dass die Konzentration des Schwefelwasserstoffes, der den Platten entweicht, unterhalb der gesundheitsschädlichen Menge liegt.

Kommt es nicht zu einer gütlichen Regelung, muss Knauf sich auf über zehn Jahre dauernde Auseinandersetzungen einstellen und auf bis zu zweistellige Millionenbeträge allein für Prozesskosten. Wie teuer die Entschädigungen für Knauf letztlich werden könnten, wissen zurzeit weder Kläger noch Richter. „Von einer existenziellen Gefährdung kann aber keine Rede sein“, wiegelt Scharnow ab.

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