US-Quartalssaison: Gewinn-Rezession trotz guter Stimmung

US-Quartalssaison: Gewinn-Rezession trotz guter Stimmung

, aktualisiert 19. Juli 2016, 16:59 Uhr
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Die Erwartungen für diese US-Quartalssaison an der New Yorker Börse sind verhalten.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Die Erwartungen für diese US-Quartalssaison sind verhalten. Die größten Verlierer finden sich in der Technologie-, Energie- und Rohstoff-Branche. Doch für die zweite Jahreshälfte sind Hoffnungsträger in Sicht.

New YorkMan könnte meinen, alles sei in bester Ordnung. Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 steigt pünktlich zur Quartalssaison auf immer neue Rekorde. Dennoch dominiert bei börsennotierten US-Konzernen vor allem ein Wort: Gewinnrezession.
Die Überschüsse für das zweite Quartal werden um 5,5 Prozent sinken, wie aus Berechnungen des Analysehauses Factset hervorgeht.

Trifft die Prognose zu, dann wäre es das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen. Zuletzt gab es das in den Jahren 2008 und 2009 – mitten in der Finanzkrise. Nun jedoch wächst die US-Wirtschaft, wenn auch langsam.

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„Dass eine Gewinnflaute außerhalb einer Rezession so tief ist und so lange andauert, ist ungewöhnlich“, schreibt Investment-Stratege Paul Eitelman von Russell Investments in einer Analyse. Schuld sind vor allem der starke Dollar und der schwache Ölpreis, mit dem eine ganze Reihe von Konzernen immer noch zu kämpfen haben.

Auch fehlt der Rückenwind aus der Technologie-Branche. Die Gewinne sollen laut Factset um sieben Prozent zurückgehen. Damit gehört dieser Sektor zu den drei großen Verlierern im abgelaufenen Quartal – noch hinter Energie. In diesem Bereich brachen die Gewinne um 78 Prozent ein. Was den Rohstoffsektor betrifft, wird ein Minus von elf Prozent erwartet.

Vor allem Apple drückt die Gewinnerwartungen in den Keller. Analysten befürchten schleppende iPhone-Verkäufe und haben in den vergangenen Wochen ihre Gewinnerwartungen deutlich heruntergestuft. Auch der Brexit könnte dem Konzern aus dem kalifornischen Cupertino zu schaffen machen, glaubt Apple-Analyst Jim Suva von der Citigroup. Die Unsicherheit, die mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union verbunden ist, könnte die Nachfrage dämpfen. Hinzu kämen Währungsschwankungen und eine wachsende Zahl von Kunden, die ihr derzeitiges Smartphone länger nutzen, statt es jedes Jahr durch das aktuelle Modell zu ersetzen.

Auch andere IT-Unternehmen schwächeln. Die Gewinnprognosen für Microsoft haben Analysten ebenfalls nach unten geschraubt. Gleiches gilt für eine Reihe kleinerer Unternehmen, wie dem Computerspielehersteller Electronic Arts und dem Software-Produzenten Autodesk. „In keiner anderen Branche wurden die Gewinnerwartungen so stark nach unten korrigiert“, gibt John Butters von Factset zu bedenken. IBM meldete am Montag ebenfalls rückläufige Umsätze und Gewinne, allerdings war die Lage nicht so schlimm wie befürchtet. Das Cloud-Geschäft gibt Grund zur Hoffnung, dass der Konzern nach jahrelangem Umbau bald wieder auf Erfolgskurs sein könnte. Die Umsätze mit Cloud-Diensten wuchsen von April bis Juni um 30 Prozent.

Netflix hat zwar sowohl Umsatz- als auch Gewinnprognosen übertroffen, bereitet den Investoren jedoch an anderer Stelle Sorgen. Der Streaming-Dienst konnte im vergangenen Quartal deutlich weniger Kunden gewinnen als angenommen. Schuld ist offenbar eine Preiserhöhung, die Nutzer vergrault. Die Aktie stürzte zeitweise um 15 Prozent ab.


Bringt der Brexit neue Unsicherheiten?

Die Geschäfte bei Yahoo liefen noch schlechter als erwartet. Das Internet-Unternehmen sucht weiter nach einem Käufer für sein Kerngeschäft. Details bliebt Yahoo-Chefin Marissa Mayer ihren Anlegern vorerst jedoch schuldig.

Positive Signale gibt es dagegen von den Industrie-Unternehmen. Zwar werden die Gewinne laut Factset immer noch unter denen vom Vorjahr liegen, doch das Minus wird geringer sein als noch zu Beginn des zweiten Quartals erwartet. Hoffnungsträger ist hier vor allem General Electric. Der Siemens-Konkurrent hat seinen Finanzarm in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Seit Ende Juni gilt GE nun nicht mehr als ein systemrelevantes Unternehmen, was weniger starke Aufsicht und gelockerte Kapitalvorschriften mit sich bringt. GE hat sich nach der Finanzkrise eine Schrumpfkur verordnet und kann sich nun auf Wachstumsbereiche wie die Gesundheitsindustrie, Luftfahrt und Robotertechnik konzentrieren.

Die einzige Branche mit Gewinnwachstum ist die Telekommunikation. Das liegt jedoch allein an AT&T. Der Mobilfunk-Riese hatte den Sattelitenbetreiber DirecTV für 49 Milliarden Dollar übernommen, um sich für das Streaming-Zeitalter richtig aufzustellen. Das hat auch für einen kräftigen Gewinnsprung gesorgt, da die beiden Unternehmen nun gemeinsam bilanziert werden.

Eigentlich waren viele Marktbeobachter davon ausgegangen, dass die Gewinnrezession in der zweiten Jahreshälfte vorbei sein könnte, wenn der Dollar wieder etwas schwächer und der Ölpreis stabiler sein würde. Der Brexit bringt allerdings neue Unsicherheit. Zwar fällt er im zweiten Quartal noch nicht besonders stark ins Gewicht, da die Volksabstimmung erst am Quartalsende war. Zur nächsten Berichtssaison könnte er jedoch die Berichtssaison aufmischen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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