USA: Die goldenen Zeiten der Wall Street sind vorbei

USA: Die goldenen Zeiten der Wall Street sind vorbei

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Wells-Fargo-Filiale in San Francisco: Die zweitgrößte US-Bank überraschte mit guten Zahlen - wie auch Goldman Sachs und JP Morgan. Dennoch dürften die Goldenen Zeiten der Wall Street vorbei sein

JP Morgan und Goldman Sachs überraschten mit soliden Quartalszahlen, der Citigroup-Quartalsverlust fiel geringer aus als erwartet. Haben die US-Banken das Schlimmste nun überstanden? Wahrscheinlich schon. Doch die Leidenszeit ist nicht vorüber, berichtet WirtschaftsWoche-Korrespondent Andreas Henry. Ein Zurück zu den Goldenen Zeiten wird es nicht geben.

Das Aufatmen war deutlich spürbar. Als Wells Fargo Ende vergangener Woche ein überraschend gutes Ergebnis verkündete und die Aktie der mittlerweile zweitgrößten US-Bank an nur einem Tag um fast 30 Prozent in die Höhe schoss, sahen viele darin nun endgültig den Wendepunkt in der Finanzkrise. Bereits seit Wochen waren die Kurse von Finanzwerten teils kräftig angestiegen.

Was überraschte, war die Begründung der Bank aus San Francisco: Vor allem mit Hypotheken habe man glänzende Geschäfte gemacht, die Neuabschlüsse lagen bei einem Volumen von rund 100 Milliarden Dollar und die Zinsmarge im Kreditgeschäft, dem Butter-und-Brot-Geschäft der Banken, habe deutlich zulegen können. 

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Diskussion über Finanzkrise ist an einem Wendepunkt

Auch die einstige Investmentbank Goldman Sachs, die sich in der schlimmsten Not unter den Schutzschirm geflüchtet hat, den die US-Regulierer ganz normalen Bankholding-Gesellschaften bieten, lieferte ein für viele überraschend positives Ergebnis ab - mehr als 1,8 Milliarden Gewinn im ersten Quartal. Gleichzeitig gelang es den Goldmännern sogar über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Dollar frisches Geld einzusammeln. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte wenige Tage zuvor in einem Fernsehinterview auf die Frage, was für ihn ein Zeichen für eine Wende in der Bankenkrise wäre, geantwortet, ein solcher Einstieg von privaten  Investoren in Finanzwerte wäre für ihn ein Signal.  

Ist die Finanzkrise damit also vorüber? Jedenfalls hat die Diskussion in einem Punkt plötzlich eine Wende genommen. Es steht nicht mehr die Frage im Zentrum, wer benötigt wann und wie viel frisches Geld aus irgendeinem der zahlreichen Steuertöpfe zur Rettung der Finanzwelt. Vielmehr dreht sich nun vieles darum, welche der großen US-Banken sich wie schnell wieder aus dem unangenehmen Klammergriff des US-Finanzministeriums befreien kann.

Ende Oktober hatte der damals noch amtierende Finanzminister Hank Paulson während einer Krisensitzung in Washington die Vorstandschefs der führenden US-Banken praktisch gezwungen, in schöner Eintracht Milliarden zum Aufpäppeln ihrer Bilanzen anzunehmen. Niemand sollte außen vor bleiben können, wie gesund und stark er sich zu diesem Zeitpunkt auch gefühlt haben mochte. Und so flossen 115 Milliarden Dollar an insgesamt acht große Banken, darunter Wells Fargo, JP Morgan Chase und auch Goldman Sachs.

Jetzt will Goldman die zehn Milliarden, die die Bank damals bekommen hat, wieder zurück zahlen. Die Bank will vor allem den rigiden Vorschriften entfliehen, die die Entlohnung von Vorständen beschränken.

Auch JP Morgan mit gutem Ergebnis - doch die Nagelprobe kommt noch

Auch JP Morgan Chase lieferte gestern ein Ergebnis ab, das mit einem Gewinn von 40 Cents pro Aktie im ersten Quartal deutlich besser ausfiel als von Analysten erwartet. Die Bank wäre laut Vorstandschef Jamie Dimon ebenfalls in der Lage das Rettungsgeld vom Oktober – JP Morgan Chase hatte sogar 25 Milliarden bekommen - sofort zurück zu zahlen und wartet auf das Signal aus Washington.

Die Nagelprobe für die Bankbranche kommt allerdings erst in der kommenden Woche, wenn die beiden größten Problemfälle unter den US-Großbanken über ihr Geschäft im ersten Quartal Bericht erstatten:  Citigroup und Bank of America gelten als die schwächsten Spieler. Bei beiden war Ende Dezember beziehungsweise Mitte Januar noch mal eine Kapitalspritze vom US-Finanzminister nötig geworden, Citigroup steht dort mit insgesamt 45 Milliarden Dollar in der Kreide, Bank of America mit 35 Milliarden.  

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