USA: Wie 400 Mann den US-Versicherer AIG zu Fall brachten

USA: Wie 400 Mann den US-Versicherer AIG zu Fall brachten

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Ein Mann in der Drehtür eines AIG-Gebäudes: Eine 400-Mann-Abteilung brachte mit riskanten Geschäften den größten US-Versicherer zu Fall.

AIG war einmal der weltgrößte Versicherer. Nun ist das Unternehmen eine Riesenlast für die US-Steuerzahler. Wie eine 400-Mann-Abteilung AIG in den Untergang reißen konnte – und warum der Staat ihn am Leben hält.

Einst war AIG der größte und mächtigste Versicherer der Welt, vergangene Woche verkündete er den höchsten Jahresverlust, den je ein Unternehmen in den Büchern hatte. Eine kleine interne Abteilung fällte den Konzern mit weltweit 116.000 Mitarbeitern fast im Alleingang. Nur der Staat hält ihn noch am Leben – weil sonst ein weltweiter Finanzkollaps droht. Wie konnte ein Versicherer mit Prämieneinnahmen von mehr als 80 Milliarden Dollar ein Minus von fast 100 Milliarden Dollar einfahren? Offenbar kein Problem, wenn man konservative Geschäftsstrategien komplett ignoriert.

Mit mehr als 40 Milliarden Dollar fiel ein Großteil der Verluste aus dem vergangenen Jahr bei AIG Financial Products (AIGFP) an. Die Spezialisten in London schlossen Wetten darauf ab, dass Kredite nicht ausfallen. Die kleine Truppe mit zuletzt weniger als 400 Leuten häufte Berge von Risiken mit Derivaten auf, hauptsächlich mit sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Bei diesen Absicherungen zahlte etwa eine Bank der AIG eine regelmäßige Prämie. Im Gegenzug stand die Versicherung für Verluste der Bank aus einem bestimmten Bündel an Krediten gerade oder auch aus Finanzinstrumenten, die aus verschiedenen Krediten zusammengebastelt wurden.

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In normalen Zeiten lassen sich die Ausfallquoten für solche Kredite relativ gut berechnen, und das Risiko für den Garantiegeber ist begrenzt. In einer Finanz- und Kreditkrise von der Dimension, wie sie durch die Ausfälle bei schlecht besicherten Hypotheken-Darlehen ausgelöst wurde, schossen die Verluste jedoch durchs Dach.

In den letzten Monaten 2008 verloren Kreditportfolios von Banken weltweit nochmals dramatisch an Wert. Mit 493 Milliarden Dollar steckte die AIGFP noch Ende September bis über beide Ohren in Kreditderivaten. Bis Ende Dezember wurde diese immer noch kritische Position unter heftigen Verlusten auf 390 Milliarden Dollar reduziert.

Verluste von 44,3 Milliarden Dollar realisierte auch die Lebensversicherung. Milliarden an Kundengeldern legt sie an den Finanzmärkten an, in Aktien, Staatsanleihen – und auch in Derivaten. Die Fehleinschätzungen der Spezialtruppe AIGFP im Hinblick auf die Entwicklung der Kredit- und Immobilienmärkte infizierte offenbar auch diese Sparte. Auf viele Anlagen musste sie 2008 hohe Summen abschreiben.Fünf Milliarden Dollar verlor die Sachversicherungs-Sparte – nicht nur durch Verluste an den Kapitalmärkten. Auch wegen zahlreicher Naturkatastrophen musste AIG mehr für Schäden und die eigene Verwaltung ausgeben, als an Prämien eingenommen wurde. Die Schaden-Kosten-Quote kletterte steil um 19 Prozentpunkte auf 109 Prozent.Neun Milliarden Miese musste die Vermögensverwaltung beichten. AIG hat offenbar nicht nur Kreditbündel oder aus Krediten gebastelte Papiere abgesichert, sondern auch mit ihnen gehandelt. Die Vermögensverwalter haben mit ihrer Anlagestrategie Milliarden verbrannt.

Kapitalspritzen von 180 Milliarden Dollar für AIG

Der amerikanische Staat pumpt 180 Milliarden Dollar in den Versicherer. „Wir hatten keine Wahl“, verteidigte Notenbank-Chef Ben Bernanke am Dienstag vergangener Woche die Rettungsaktionen, ein „Zusammenbruch von AIG hätte Schockwellen durch das Finanzsystem gesendet“.

Hätte man AIG untergehen lassen, so die düstere Prognose, hätte es einen unkontrollierbaren Dominoeffekt gegeben. Denn die AIG hatte weltweit mehr als 100.000 Geschäftspartner, die auf ihre Solvenz vertrauten, darunter fast alle Großunternehmen der USA. Viele davon wären ins Schleudern geraten und hätten möglicherweise sogar Insolvenz anmelden müssen, wenn AIG als Garant ausgefallen wäre.

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