Vattenfall: Abfall vom Gewinn

Vattenfall: Abfall vom Gewinn

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Lars G. Josefsson, der Schwede mit den hervorragenden Deutschkenntnissen lag nun doch einmal falsch

von Andreas Wildhagen

Beim schwedischen Stromkonzern Vattenfall merken die Manager, dass sie sich verkalkuliert haben - und sparen.

Eigentlich traute man ihm alles oder so gut wie alles zu. Lars Josefsson, der schwedische Manager mit den hervorragenden Deutschkenntnissen, war in der Rüstungsindustrie gestählt worden - beim schwedischen Verteidigungs-Konzern Saab hatte er sich seine Sporen verdient. Der gelernte Radaringenieur hatte bisher immer Spürsinn und auch Sensibilität für die Grundströmungen der Energiewirtschaft bewiesen - und lag am Ende doch falsch.

Die Rechnung des vor einigen Monaten geschassten Vattenfall-Chefs ging nicht auf: Immer weniger Gewinne überwiesen die europäischen Vattenfall-Töchter in Berlin, London und Amsterdam an die Zentrale in Stockholm. Das nahmen die Vorstände und Aufsichtsräte des staatlichen Unternehmen nun nicht mehr hin. Sie setzten einen neuen Mann ein, den Norweger Östein Löseth, der jetzt seine ersten harten Einschnitt ins Fleisch des Unternehmens vorstellte: 650 Millionen Euro pro Jahr sollen in den nächsten drei Jahren eingespart werden. Kohlekraftwerke sollen in ganz Europa geschlossen werden, nicht aber in Deutschland.

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Deutsche "Pannenmeiler"

Und doch hat Deutschland gleich zwei Euro-Grabstellen des schwedischen Unternehmens: Die wenig schmeichelhaft in der deutschen Presse "Pannenmeiler" genannten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Krümmel ist im Gegensatz zu Brunsbüttel ein ziemlich großes Kernkraftwerk, das seit 2007 stillsteht, seitdem dort ein Trafo brannte und die Kommunikation bei dichten Qualmwolken, die aus dem AKW-Gelände hochstiegen, jäh aussetzte. Dann wurden schadhafte Bolzen und kaputte Brennelmente in Krümmel entdeckt, kein Ruhmesblatt der sonst so auf Perfektion geeichten Schweden. In ihrem heimischen Kernkraftwerk Ringhals hatte es in den vergangenen Jahren schlimme Vorfälle gegeben, betrunkene Arbeiter stolperten dort über das Gelände und ließen Zweifel aufkommen, ob die Schweden es ganz ernst meinten mit ihrer Sicherheitsphilosophie.

Krümmel und Brunsbüttel überweisen keine Gewinne mehr nach Stockholm, das spüren die Nordlichter mit dem normalerweise sehr langem Atem. Der Betrieb von Kohlekraftwerken wird erheblich teurer, weil kostpielige Emissionszertifikate gekauft werden müssen. Als Braunkohleverstromer ist Vattenfall im Osten Deutschland ganz besonders davon betroffen, in der Lausitz baggern die Schweden besonders eifrig. Doch der schwedische Fiskus findet kaum mehr Gefallen an diesen Buddel-Orgien, er braucht Geld für schwedische Kindergärten und will Steuererhöhungen vermeiden. Da muss das Kohle- und Atomgeschäft so lukrativ wie möglich sein.

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