Venture Capital: Deutsche verpassen Geschäft mit russischen Startups

Venture Capital: Deutsche verpassen Geschäft mit russischen Startups

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Michail Chitrow

von Florian Willershausen

Die Deutschen überlassen das Geschäft mit -russischen Technologie-Startups den Amerikanern. Ein Fehler?

Mexikos Drogenbarone zittern vor einem Ex-Offizier des früheren russischen Geheimdienstes KGB. Der Mann heißt Michail Chitrow, ist Radioelektroniker und spionierte in den Achtzigerjahren für die damalige Sowjetunion. Als die zusammenbrach, machte sich Chitrow in Sankt Petersburg selbstständig und gründete das Zentrum für Sprachtechnologie.

So altbacken die Firma auch klingt, in Wirklichkeit zählt Chitrow mit seinem 200-Mitarbeiter-Unternehmen zu denjenigen, die Russland dringend braucht, um seine Rohstoffabhängigkeit etwas zu mindern. Im Kopf ein Tüftler, der ausschaut wie Ex-Bundesinnenminister Otto Schily, und im Herzen ein Unternehmer wie SAP-Gründer Dietmar Hopp, verkörpert der Mittfünfziger den Innovator schlechthin. Sein jüngster Coup schlug voll ein. Mexikos Drogenbehörden beauftragten Chitrow, jene Software zur Spracherkennung zu programmieren, mit deren Hilfe Fahnder die Drogenbarone an ihrer Stimme identifizieren können.

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Ausnahme unter den Wagnisfinanzierern

Allein, ohne die finanzielle Hilfe der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Quadriga Capital wäre Chitrow wohl nie so weit gekommen. Vom russischen Staat gab es keine Unterstützung. „Wir haben einen internationalen Tender gewonnen“, sagt er, „aber die Regierung hat uns nicht einmal mit einer Bürgschaft geholfen.“ Die Hessen hingegen beteiligten sich mit einer Finanzspritze über mehrere Millionen Euro an Chitrows Firma und halfen ihm so, die Grundlagentechnologie für das Mexiko-Projekt zu entwickeln.

Damit zählt Quadriga Capital allerdings zu den Ausnahmen unter deutschen Wagnisfinanzierern in Russland. Die meisten der hiesigen Risikokapitalisten meiden den Zukunftsmarkt vier Flugstunden entfernt. Umso engagierter stürzen sich die Amerikaner in klassischer Venture-Capital-Manier auf russische Gründer. Das heißt, sie bieten Jungunternehmern ohne große Sicherheiten Startkapital – um etwa beim späteren Börsengang oder Verkauf des Unternehmens ein Vielfaches ihres Einsatz einzuspielen.

Deutsche Risikokapitalisten an der Moskwa wiegen sich eher in Bedenken. „Venture Capital ist in Russland ein mühsames Geschäft“, klagt etwa Andreas Bösenberg, Private-Equity-Chef bei Wermuth Capital Management in Moskau. Er habe sich in den vergangenen Jahren intensiv nach innovativen Gründern umgeschaut. Doch unterm Strich sei selbst bei interessanten Kandidaten nie klar, ob sie jemals Geld verdienen werden. In Russland fehle es an Management-Know-how, der Infrastruktur für Gründer und meist auch an der Binnennachfrage, stöhnt Bösenberg. Sein Arbeitgeber konzentriert sich bei Investments auf russische Dienstleister, die auch ohne große Anschubfinanzierungen wachsen.

Ganz anders die Amerikaner: Der New Yorker Wagnisfinanzierer Siguler Guff etwa kündigte an, eine Viertelmilliarde Dollar in der geplanten russischen High-Tech-Hochburg Skolkowo am Stadtrand von Moskau zu investieren. Drew Guff, der Russland-Guru unter den US-Investoren, hat über seine Fonds bereits knapp eine Milliarde Dollar in russische Internet-Unternehmen, Lohnprogrammierer und Medien investiert. Von Gründern mit echten High-Tech-Ideen hat er sich allerdings bis dato weitgehend ferngehalten.

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