"Verbände zu defensiv": Zeitarbeits-Topmanager kritisiert seine Branche

"Verbände zu defensiv": Zeitarbeits-Topmanager kritisiert seine Branche

von Harald Schumacher

Erstmals fordert einer der führenden Zeitarbeits-Manager die Spitzenverbände seiner Branche auf, mit der Politik über eine so genannte Equal-Pay-Regelung zu diskutieren.

Marcus Schulz, Deutschland-Chef des in Europa viertgrößten Zeitarbeitsunternehmens USG People, kritisierte im Interview mit der WirtschaftsWoche die starre Haltung der Zeitarbeits-Lobby. Die Gleichbezahlung von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten im entleihenden Betrieb dürfe kein Tabu sein: „Wenn selbst die FDP mit uns über Equal Pay diskutieren will, dann ruiniert das nicht automatisch die Branche. Aber das malen manche reflexartig an die Wand. So sind wir nicht diskussionsfähig. Da agieren auch die Verbände zu defensiv.“ Schulz´ Unternehmen USG People Germany gehört dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) an.

Schulz kritisiert zudem unsaubere Praktiken und Rechtsverletzungen, die im Alltagsgeschäft gang und gäbe seien: Es gebe nicht nur einige schwarze Schafe in der Branche, sondern systematisch genutzte „Tricks im Umgang mit Mitarbeitern“. Der Manager, der seit Anfang 2010 das Deutschlandgeschäft von USG People leitet: „Immer noch werden Mitarbeiter vorsätzlich falsch eingruppiert, systematisch wird mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen getrickst, um einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt.“ Es liege an der Branche und den Unternehmen, das zu ändern.

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Schulz fordert „verbindliche Standards, die Missbrauch und Tricks im Umgang mit Mitarbeitern und Vorschriften endlich unterbinden. Wir müssen dem Eindruck entgegenwirken, dass wir Geld damit verdienen, dass wir Menschen schlecht für ihre Arbeit bezahlen. Die Zeitarbeit hat nicht nur Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern auch in der Art, wie manche arbeiten. Die Branche steht enorm unter Druck und unter Beobachtung. Wir müssen jetzt beweisen: Es geht auch anders.“ Die Schlecker-Debatte sei der „Albtraum unserer Branche“. Sie entlarve „schonungslos die Fehler in unserer Selbstwahrnehmung und -darstellung. Wir müssen Kritik endlich ernst nehmen.“

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