Verbot von Glas auf Fanmeilen: "Wir sind weit entfernt von einem allgemeinen Glasverbot"

Verbot von Glas auf Fanmeilen: "Wir sind weit entfernt von einem allgemeinen Glasverbot"

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Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie, Johann Overath

von Lothar Schnitzler

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie, Johann Overath, über Glasverbote auf Fanmeilen und Volksfesten, die Zukunft der Glasflasche und Trinkkultur.

wiwo.de: Herr Overath, auf den Fanmeilen der Republik sind Glasflaschen verboten und auch auf vielen Volksfesten. Haben Sie keine Angst, dass die Flasche aus dem öffentlichen Leben Schritt für Schritt verschwindet?

Johann Overath: Nein, Hintergrund der Verbote ist ja nicht die Glasflasche als solche, sondern die Glasflasche im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum...

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…bei den erwähnten Veranstaltungen sind Bier und Wein aus Dosen oder Plastikflaschen erlaubt – Apfel- oder Orangensaft aus Glasflaschen dagegen nicht…

…ja, aber die mögliche Gefährdung kommt doch nur im Zusammenspiel mit reichlichem Alkoholgenuss zustande. Selbstverständlich sehen wir Glasverbote nicht gern, aber wir steuern auch nicht dagegen, denn die Sicherheit der Konsumenten geht vor.

Sind die zunehmenden Glasverbote erst der Anfang? Befürchten Sie nicht, dass die Stadtväter und -mütter demnächst generell Glas aus den Innenstädten oder Problemzonen verbannen?

Aus den Problemzonen vielleicht, aus den Innenstädten ganz bestimmt nicht. Es ist das normalste von der Welt, wenn sich jemand in der Innenstadt von Düsseldorf oder Frankfurt mit einem Schluck Cola oder abendlichen Bier aus einer Glasflasche erfrischt. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.                                                              

Aber in Hamburg-St. Pauli gibt es schon ein ganzjähriges Verbot.

Nur an den Wochenenden. Wir reden hier von einem Vergnügungsviertel. Da rollen am Freitag oder Samstagabend oft Gruppen in Mannschaftsstärke aus dem Umland an, um kräftig zu feiern. Da wird viel getrunken und die Hansestadt will aus Sicherheitsgründen Glasbruch vermeiden. Aber wir sind weit entfernt von einem allgemeinen Glasverbot in Innenstädten oder Vergnügungsvierteln. Denken Sie an die vielen Biergärten und Straßencafés, aus denen Glasflaschen nicht wegzudenken sind. Und es gibt noch viele Volksfeste, bei denen das Trinken aus der Glasflasche einfach dazu gehört. Es würde einen Aufstand geben, wenn Kommunalpolitiker Wirten und Gästen das Ausschenken in Glas oder Glasflaschen verbieten würden. Ich möchte auch hervorheben, dass ein kühles Bier oder ein edler Tropfen aus einem stilvollen Glas im Freien auch ein Stück unserer Ess- und Trinkkultur ist. Das kann man nicht einfach durch eine Dose oder eine Plastikflasche ersetzen.

Netto, Penny, die norddeutsche Lebensmittelkette Bünting stellten pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft wieder Bier- und Limonadebüchsen in die Regale. Muss Ihre Branche nicht eine Renaissance der Getränkedose befürchten?

Nein, nach wie vor ist Glas beim Bier mit einem Anteil von etwa 80 Prozent die Verpackung Nummer eins. Und eine Verbraucherumfrage des europäischen Behälterglasverbands FEVE aus dem Jahr 2008  belegt, dass der Verbraucher die Glasverpackung als Lebensmittel- und Getränkeverpackung will. Immerhin haben 58 Prozent der Befragten gesagt, dass sie Glas als Verpackung für Getränke und Nahrung bevorzugen, weil es den Geschmack am besten bewahrt.

Aber unterstellt, die neue Einlistung der Getränkedosen wird kein Flop - muss das nicht zu Lasten anderer Verpackungsformen gehen?

Zum einen wissen wir nicht, ob die Dose nicht vielleicht auch der Kunststoffflasche oder anderen Gebinden Marktanteile nimmt. Hinzu kommt, dass der Anteil der Getränkedose bei Bierverpackungen seit Einführung des Dosenpfandes im Jahr 2003 auf unter zehn Prozent gefallen ist. Selbst wenn der Anteil der Getränkedosen merklich zulegen sollte, so sprechen wir doch von Basiseffekten. Das bleibt - bezogen auf den Gesamtmarkt von Getränkeverpackungen – unterhalb einer Schwelle, die für uns bedrohlich ist. 

Bewirken die Einführung von individuellen Flaschen statt der gewohnten Standardbierflaschen und die zunehmende Bedeutung überregionaler Biermarken nicht, dass sich der ökologische Vorsprung der Mehrweg-Glasverpackung vermindert?

Das sehen wir anders. Die jüngste Studie der Getränkedosenhersteller, die diese Annahme nahe legt, geht zum Teil von nur 5 Umläufen beim Mehrweg und von 400 Kilometern Transportweg aus. Das ist nicht realistisch. Wir gehen von 25 bis 30 Umläufen aus…

... auch das ist eine umstrittene Annahme…

…nun, es gibt keine breite Untersuchung dazu, aber wir haben Rückmeldungen von unseren Mitgliedern und deren Kunden. Unter den Brauereien zum Beispiel gibt es noch immer viele Brauer, die ins nähere Umfeld liefern und in ihrer Region stark verankert sind. Die transportieren nicht weit und haben auch kaum Probleme mit Fremdleergut.

Aber die gibt es immer weniger.

Ökologie ist nur ein Thema, bei dem die Glasverpackung punktet. Andere Aspekte sind die soziale Nachhaltigkeit und der Gewinn für die regionale und mittelständische Wirtschaft. Es gibt nur wenige Industrien, die regional so stark verteilt sind wie die Verpackungsglashersteller. Das sind oft eingespielte Wertschöpfungsketten auf Kreisebene von Flaschenherstellern, Getränkeabfüllern, Getränkehändlern und Etikettdruckern, aus denen vor allem mittelständische, ortsansässige Firmen einen Nutzen ziehen. Und Glas hat Vorteile für den Verbraucher und Lebensmittelhersteller, etwa die chemische Beständigkeit und Undurchlässigkeit. Versuchen Sie einmal einen edlen Rotwein in Plastik oder Aludosen hundert Jahre oder länger zu lagern. 

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