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Verbraucherzentralen-Studie: Wie Allianz und Dresdner bei der Beratung patzen

von Martin Seiwert

Die Verbraucherzentrale Bremen hat im Auftrag der WirtschaftsWoche die Beratungsqualität von Allianz-Vertretern und Beratern der Dresdner Bank unter die Lupe genommen. Für die Verbraucherschützer war das Ergebnis erschreckend: Der Durchschnitt aller 32 untersuchten Beratungen war mangelhaft.

Anlageberatung soll zu mehr Quelle: dpa
Anlageberatung soll zu mehr Geld führen. Quelle: dpa

Sechs Testpersonen vereinbarten im März in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens Beratungsgespräche. Ihre Vita war identisch: Sie gaben sich als Berufsanfänger mit Hochschulstudium aus und wollten wissen, welche Altersvorsorge-Produkte sie brauchen. 15 Gespräche fanden bei Allianz-Vertretern statt, 17 in Dresdner Bank-Filialen.

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„Das Ergebnis ist erschreckend. Das hätte ich bei einem Marktführer wie der Allianz nie erwartet“, urteilt Finanzexperte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. „Obwohl die Aufgabenstellung sehr einfach war, waren die Ergebnisse im Durchschnitt mangelhaft. Mit viel Wohlwollen konnten wir ein Mal die Note „Gut“ und vier Mal die Note „Befriedigend“ vergeben. Der Durchschnitt aller 32 Beratungen ist jedoch mangelhaft.“

Die gravierendsten Mängel:

1. Risikovorsorge geht vor Altersvorsorge: Ein guter Berater sollte zunächst herausfinden, ob die existentiellen Risiken hinreichend abgesichert sind – und zwar auch dann, wenn der Kunde lediglich mit dem artikulierten Wunsch nach einer Altersvorsorgeberatung auftritt. Denn angesichts der verbreiteten, unzulänglichen Allgemeinbildung in Finanzfragen kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein Verbraucher von sich aus bereits für die Risikoabsicherung gesorgt hat. Im Test haben lediglich 9 von 32 Beratern gefragt, ob eine private Haftpflichtversicherung besteht. Das ist absolut ungenügend.

Ein gutes Drittel der Berater (12) hat zudem bei der Frage nach der Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) gepatzt. Auch das ist ein beschämender Wert. Von den 20 Beratern, die sich nach der BU erkundigt oder zu einem BU-Abschluss geraten haben, haben lediglich fünf erkennbar den Abschluss einer separaten BU-Versicherung empfohlen. In den anderen Fällen wurden stattdessen Kombinationsprodukte aus Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten – und zwar überwiegend die Allianz Basisrente StartUP Invest, also eine Kombination aus Rürup-Rente und BU-Versicherung. Offenbar wird hier vor allem auch mit der steuerlichen Absetzbarkeit der BU-Kosten im Rahmen der Basisrente geworben.

Vorrang muss aber die hinreichende Risikoabsicherung haben. Dort wiederum sieht es schlecht aus: Soweit konkrete Beträge genannt wurden, finden sich mehrere Fälle mit anfänglichen Raten von 45 bis 60 Euro. Das ist völlig ungenügend. Für junge Akademiker als Angestellte im Innendienst kostet eine reine BU-Police mit einer BU-Rente von 1.500 Euro monatlich bei guten Vertragsbedingungen und einer Versicherung bis zum 67. Lebensjahr bei der Allianz um die 85 Euro für Männer und 94 Euro für Frauen. Verträge mit halb so hohen Beträgen, von denen dann noch die Hälfte oder mehr in die Rentenversicherung fließen, können daher das BU-Risiko auch nicht annähernd abdecken. Insofern handelt es sich auch hier überwiegend um mangelhafte Beratungen. 

Aber selbst in den Fällen, in denen richtiger Weise der BU-Absicherung der Vorrang gegeben wurde, bleiben Fragezeichen. In einem Fall wird eine Monatsrente von 1.500 Euro angeboten, das ist zunächst gut. Die monatliche Prämie soll aber nur 49 Euro betragen. Angesichts der oben genannten Zahlen kann das nur mit Abstrichen bei der Qualität gehen. Das alles ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Allianz – was die reine Produktqualität betrifft – sehr gute BU-Versicherungen im Angebot hat. Damit kann sie in Tests und in der Werbung punkten, in der Beratungspraxis wird dies jedoch offenbar vielfach unterlaufen – woran vermutlich die Provisionsgestaltung Schuld ist.

2.  Kreditabbau geht vor Geldanlage: Gerade einmal zwei Berater haben sich nach bestehenden Verbindlichkeiten erkundet, darunter kein einziger originärer Allianz-Berater. Das ist typisch für provisionsbasierte Beratungen.

70 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.06.2009, 21:15 UhrAnonymer Benutzer: Armer Hund

    Die allianz die kann´s, Familie ruinieren!

  • 13.05.2009, 13:01 UhrAnonymer Benutzer: Erwin

    Das Problem ist der enorme Zahlendruck, den die Allianz auf ihre Außendienstmitarbeiter ausübt! Wer die Zielvereinbarungen, die meist völlig überhöht sind, nicht erfüllt, wird ständig zu Gesprächen eingeladen und muss sich anhören, dass es besser werden muss und dass der Job in Gefahr ist, sollte man nicht schnellstmöglich wieder ins Soll kommen.
    Wenn ein Kunde dann davon spricht etwas für seine Rente tun zu wollen, leuchtet bei jedem berater direkt das Dollarzeichen in den Augen und man kann sich mit den hohen bewertungssummen ein gutes Polster für schlechtere Zeiten aufbauen. Die erste Frage, die einem auf der bezirksdirektion gestellt wird, lautet immer: "und, wie hoch ist ihre bewertung diese Woche?"
    Nur daran wird man als Außendienstmitarbeiter bei der Allianz gemessen, die beratungsqualität ist völlig nebensächlich!

  • 01.02.2009, 14:52 UhrAnonymer Benutzer: MrCaBe

    ich seh das auch so, keine Gesellschaft verkauft Kundenorientiert, heute interessieren nur noch Zahlen und nicht die Person an sich;
    Versicherung ist Vertrauchenssache!

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