Verdacht auf Insiderhandel: EADS-Insideraffäre gipfelt in Festnahme von Ex-Co-Chef Forgeard

Verdacht auf Insiderhandel: EADS-Insideraffäre gipfelt in Festnahme von Ex-Co-Chef Forgeard

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Der frühere Airbus-Chef Noel Forgeard wurde heute von der Finanzpolizei wegen Verdachts auf Insiderhandel in Gewahrsam genommen.

Mit massiven Aktienverkäufen vor der A380-Krise machte Noel Forgeard einen Millionengewinn, jetzt steckt der frühere Airbus-EADS-Co-Chef wegen des Geschäfts in großen Schwierigkeiten: Wegen Verdachts auf Insiderhandel hat die Pariser Finanzpolizei Forgeard heute festgenommen. Das dürfte weiteren Verdächtigen zu denken geben.

Nach einem Verhör wurde er in Polizeigewahrsam genommen, verlautete aus Justizkreisen. Es ist der vorläufige Höhepunkt der Insideraffäre beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Nach Ermittlungen der französischen Börsenaufsicht AMF sollen ein Großteil der Konzerspitze sowie die Hauptaktionäre Daimler und Lagardère verwickelt sein. Die Betroffenen weisen alle Vorwürfe zurück.

Nach einer Sammelklage von Kleinaktionären hatte die Finanzpolizei im November 2006 eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei der Airbus-Mutter eröffnet. Zahlreiche Manager sollen im Wissen über drohende Lieferverzögerungen beim Airbus-Superjumbo A380 massiv Aktien verkauft haben, bevor der Kurs nach Bekanntgabe der Pannen im Juni 2006 abstürzte. Forgeard veräußerte damals Anteilsscheine für 2,5 Millionen Euro. Wegen der A380-Krise und der umstrittenen Aktienverkäufe musste er kurz darauf den Hut nehmen. Mit einer Abfindung von rund sechs Millionen Euro, wie französische Medien berichteten.

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Erbitterter Machtkampf

Nach der Festnahme am Mittwochmorgen konnte Forgeard ohne richterliche Verfügung 48 Stunden verhört werden. Anschließend wäre ein Haftantrag erforderlich, um den 62-Jährigen weiter festzuhalten.

Zusätzlich zu den Ermittlungen der Finanzpolizei hat die französische Börsenaufsicht AMF im April ein Sanktionsverfahren gegen 17 EADS-Manager eingeleitet. Darunter ist auch Airbus-Chef Thomas Enders, der sieben Monate vor Bekanntwerden der A380-Krise zwei Aktienpakete verkauft hatte. Die Reduktion der Anteile von Daimler und Lagardère um 7,5 Prozent beurteilt die AMF ebenfalls kritisch. In ihrem Bericht, der an die Staatsanwaltschaft übermittelt wurde, ist von „massivem Insiderhandel“ zwischen Ende 2005 und Anfang 2006 die Rede. Die AMF könnte Geldbußen in Millionenhöhe verhängen. 

Ein EADS-Sprecher lehnte heute jeden Kommentar zur Festnahme Forgeards ab. Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath sagte, das Management sei durch die jüngste Entwicklung nicht geschwächt. Enders konzentriere sich vollständig auf seinen Job und es gelte die Unschuldsvermutung. Im Rahmen des AMF-Verfahrens wird der Deutsche demnächst angehört.

Enders und Forgeard standen von 2005 bis zum Sommer 2006 an der EADS-Spitze. Ein erbitterter Machtkampf zwischen der deutschen und der französischen Seite brachte den Konzern in erhebliche Schwierigkeiten. Den Posten von Forgeard übernahm schließlich Louis Gallois, der seit der Abschaffung der EADS-Doppelspitze vor einem Jahr den Konzern alleine führt, Enders übernahm den Airbus-Chefposten. Der Deutsche hatte im November 2005 zwei umfangreiche Aktienpakete verkauft.

Forgeard nutzte dagegen noch drei Monate vor Bekanntwerden der dramatischen A380-Pannen im Juni des Folgejahres seine Optionen. Dies sei ihm „nicht opportun“ erschienen, sagte Enders kurz darauf. Forgeard räumte kürzlich in einem Interview ein, er sei zwar unschuldig, hätte im Rückblick aber aber besser nicht verkauft. „Wenn der Verdacht gegen Forgeard nicht besonders stark wäre, hätte man ihn nicht festgenommen“, sagte Jean-Yves Le Borgne, Vorsitzender eines Pariser Anwaltsverbandes.

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