Verdacht der Preisabsprachen: Razzien bei Gazprom, RWE und E.On

Verdacht der Preisabsprachen: Razzien bei Gazprom, RWE und E.On

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E.On-Zentrale in Essen

von Henning Krumrey

Mehrere Gasversorger waren am Dienstag Ziel einer großangelegten Razzia. In Deutschland bekamen der russische Gaslieferant Gazprom in Berlin und Deutschlands größte Ferngasgesellschaft E.On Ruhrgas Besuch von den Fahndern.

Die EU-Kommission verdächtigt Erdgas-Unternehmen in Europa, beim Gaspreis mit unfairen Bandagen zu kämpfen. Rund ein Dutzend Beamte der EU-Kommission durchsuchten die Räume der Deutschland-Niederlassung des russischen Gazprom-Konzerns in Berlin. Die Behörde wirft Gazprom Germania in einem achtseitigen Schreiben vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen und den Wettbewerb durch Preisabsprachen zu behindern

Die Vorwürfe richten sich vor allem auf Gasgeschäfte mit Großhändlern in mittel- und osteuropäischen Ländern. Dort treffe Gazprom wettbewerbswidrige Preisabsprachen und missbrauche in einigen Fällen seine Marktmacht, indem es nur ausgewählte Großhändler beliefere. Auch das Gazprom-Tochterunternehmen in Tschechien wurde durchsucht.

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"Keiner Schuld bewusst"

"Wir sind uns keiner Schuld bewusst und sehen der Arbeit der EU-Kommission gelassen entgegen“, sagte Burkhard Woelki, Sprecher von Gazprom Germania auf Nachfrage von wiwo.de. „Wir arbeiten offen und transparent mit der EU-Kommission zusammen.“ Nach WirtschaftsWoche-Informationen läuft das Geschäft mit den mittel- und osteuropäischen Staaten zum großen Teil nicht über Gazprom Germania, sondern über die Muttergesellschaft in Moskau. Dort allerdings kann die EU-Kommission keine Durchsuchungen durchführen, um gegebenenfalls Beweismittel sicherzustellen.

Auch RWE und E.On bestätigten die Durchsuchungen, nannten aber keine Details. Ein Sprecher des Versorgers RWE erklärte, dass es „eine Nachprüfung zum Vorwurf von wettbewerbswidrigen Klauseln von Gaslieferverträgen von Gazprom“ gegeben habe. „RWE unterstützt die Überprüfung in vollem Umfang und kooperiert mit der Europäischen Kommission,“ erklärte er. Die Fahnder hatten bei RWE sowohl die Zentrale in Essen als auch die Tochter Supply & Trading, die für den Großhandel zuständig ist, und die tschechische Tochter Transgas durchsucht.

Horrende Bußgelder

Ein Sprecher von Eon bestätigte auf Anfrage, Büros des Unternehmens in Essen seien durchsucht worden, . Man werde „konstruktiv“ mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. Zu weiteren Einzelheiten wollte er keine Stellung nehmen. Die EU-Kommission nannte die Namen der betroffenen Firmen nicht. Es handle sich um Unternehmen in Zentral- und Osteuropa, die in der Versorgung, der Lieferung und Lagerung von Erdgas aktiv seien - im Fokus stünden die Versorgungsmengen. „Die EU-Kommission befürchtet, dass die Unternehmen unfaire Wettbewerbspraktiken anwenden“, schrieb die Kommission.

Falls die EU-Wettbewerbshüter später ein förmliches Kartellverfahren eröffnen sollten, drohen den beteiligten Unternehmen Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Preis- und Konditionenabsprachen zum Schaden von Verbrauchern und Kunden sind in der EU streng verboten. Schon 2007 hatte die EU-Kommission mehrere Gasversorger durchsuchen lassen, darunter auch E.On und RWE.

Die Kommission müht sich seit Jahren, den schleppenden Wettbewerb auf dem Gasmarkt in Schwung zu bringen und hat die Unternehmen bereits zu Zugeständnissen gezwungen. Ob die neuen Untersuchungen den gewünschten Effekt bringen, bleibt abzuwarten.

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