Verhandlungstaktiker zum Opel-Poker: "Ein anderer Opel-Käufer als Magna würde mich nicht überraschen"

03. Juli 2009
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Matthias Schranner
von Oliver Voß

Der chinesische Autobauer BAIC hat ein neues Angebot für Opel abgegeben. Der Experte für Verhandlungstaktik, Matthias Schranner, spricht über die Chancen der Konkurrenten und sagt welche Fehler in den Verhandlungen gemacht wurden.

WirtschaftsWoche: Lange schien es, als würde das Konsortium um Magna den Zuschlag bei Opel bekommen. Nun melden sich fast täglich neue Bieter. Sind das Interessenten, die tatsächlich für eine Übernahme von Opel in Frage kommen könnten?

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Matthias Schranner: Es ist ein ganz normaler Prozess, die Verhandlung so lange wie möglich offen zu halten. Und bei solchen Verhandlungen gibt es immer  Interessen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden. Das gehört zum Spiel.

Einer der weiteren Bieter, Finanzinvestor Ripplewood verbucht selbst hohe Verluste. Sind Offerten wie die von Ripplewood wirklich Ernst gemeint?  

Mich würde es nicht überraschen, wenn doch noch ein anderer Bieter zum Zuge kommt. Ich kann mir auch vorstellen, dass Fiat noch stärker in die Gespräche involviert ist, als bekannt. Mit Magna gibt es erst ein so genanntes memorandum of understanding, eine Absichtserklärung, die rechtlich nicht bindend ist.

Magna wird oft als der gute, nachhaltige Investor dargestellt, doch man darf das nicht so schwarz-weiß sehen. Wenn ein Werk nur Verluste macht, wird es der neue Eigentümer auch schließen müssen.

Die anderen Interessenten sind nicht unbedingt schlechter. Der europäische Arm von Ripplewood wird vom früheren Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer geleitet, der politisch bestens verdrahtet ist. Und an der chinesischen BAIC war einmal DaimlerChrysler beteiligt. Da würde keine Invasion aus China kommen, sondern die haben  europäische Topmanager.

Die anderen Offerten sind also nicht nur eine Taktik von General Motors, um Zugeständnisse von Magna zu bekommen?

Wenn Ripplewood und BAIC keine realistische Möglichkeit hätten, würden sie selbst diese Verhandlungen ja nicht führen.

Die Bundesregierung hatte beim Rettungsgipfel Ende Mai die  übrigen Angebote unter anderem wegen der Stellenabbau-Pläne abgelehnt. Kann sich die GM-Treuhandgesellschaft überhaupt eine Entscheidung für einen anderen Käufer leisten, ohne die Bürgschaften zu riskieren?

In diesem Stadium ist unklar, wie die Politik auf einen anderen Bieter reagieren würde. Aber die Treuhandgesellschaft sollte entsprechende Pläne natürlich im Hintergrund mit der Politik absprechen.

Da sind wir auch wieder bei den Interessen, die wir nicht kennen. Natürlich versichern die Bieter, wie etwa der Fiat-Chef im Interview, möglichst keine Werke zu schließen. Sie  können ein Jahr warten und dann doch eine Fabrik dicht machen. Die Politik drängt auf ein sozialverträgliches Vorgehen und die Bieter machen sich entsprechend hübsch, doch vielleicht sind sie nur gut geschminkt.

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Kommentare | 18Alle Kommentare
  • 16.09.2009, 14:37 UhrOliver Voß

    Hallo Herr Müller,

    vielen Dank für den Hinweis. Leider haben die Diskussionen über die Fähigkeiten anderer Verhandlungsexperten hier in der Tat überhand genommen, daher wurden alle enstprechenden Kommentare entfernt. Es soll in der Diskussion um Opel und die Meinung Herrn Schranners dazu gehen, nicht darum andere Personen bekannt zu machen.

    beste Grüße,
    Oliver Voß, Redaktion wiwo.de

  • 14.09.2009, 17:56 UhrB. Müller

    Moderator! Mal draufschauen und Herrn oder Frau DAX mal seine anonymen Spielereien und Schreibereien abgewöhnen. Das Forum ist hier ja nicht dazu da, damit wir uns die privaten bekanntheitslisten anonymer Autoren durchlesen müssen. Hier geht es um mehr, um Arbeitsplätze um eine altes deutsches Unternehmen und wie insider richtig schreibt auch um die Frage wer wen über den Tisch zieht.

  • 09.09.2009, 15:28 UhrInsider

    Guttenberg hat mit seinem leichtsinnigen Gerede von einer "geordneten insolvenz" bei
    Opel das Heft frühzeitig aus der Hand gegeben. Er hat nie ernsthaft verhandelt.
    Von meinen amerikanischen Freunden weiß ich, daß er von GM nie ernst genommen wurde.
    Und das Resultat sehen wir jetzt: GM hat die bundesregierung über den Tisch gezogen.
    Die Konzepte von Magna wurden "abgefischt", wie man das in der branche nennt.
    Und GM will - für mich gar nicht - "plötzlich" Opel behalten.
    Das haben wir dem Laber-baron zu verdanken. Er ist noch grün hinter den Ohren.
    Er hat nie in der wirtschaftlichen Verantwortung gestanden,
    wie zum beispiel der Mittelstandsbeauftragte der SPD.
    Es ist alles reine Show von Karl-Theodor.
    Die Omis in der "Glanz- und Glimmerpresse" kann er vielleicht gewinnen.
    An Stelle von Magna würde ich nie wieder mit Guttenberg reden.
    Die von Magna entwickelten Konzepte haben Aber-Millionen verschlungen (ja, so teuer ist das),
    und jetzt war alles für die Katz.
    Das ist die Schuld des bundeswirtschaftsministers.
    Seine Unerfahrenheit wird uns alle am Ende viel kosten.

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