Verivox: Verbraucherportal unter Verdacht

Verivox: Verbraucherportal unter Verdacht

Deutschlands größtes Verbraucherportal steht in der Kritik: Das Unternehmen Verivox soll ungewöhnlich hohe Prämien des mittlerweile insolventen Stromanbieters Teldafax angenommen haben. Die Unternehmen bestreiten das. Die Glaubwürdigkeit des Portals steht damit auf wackeligen Füßen.

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Stromzähler

Wer in Deutschland über einen Anbieterwechsel bei Strom oder Gas nachdenkt, der landet im Internet meistens beim Verbraucherportal Verivox. Das "größte, unabhängige Verbraucherportal für Energie in Deutschland", wie sich das Unternehmen selbst beschreibt, bietet einen Anbietervergleich auf Grundlage der Postleitzahl und des persönlichen Verbrauchs. Eine Vielzahl an unterschiedlichen Tarifen gibt dem Kunden eine große Auswahl. Ein Anbieterwechsel kann dabei für eine vierköpfige Familie bis zu 100 Euro Ersparnis im Jahr bringen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Portal damit einen guten Ruf erarbeitet. Stiftung Warentest und der TÜV Süd zeichneten Verivox in den vergangenen Jahren für seine Leistungen aus. Dieser gute Ruf könnte sehr schnell Vergangenheit sein, denn es gibt schwere Vorwürfe gegen Verivox.

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Der Vorwurf: Der mittlerweile insolvente Stromhändler Teldafax soll dem Verbrauchsportal ungewöhnlich hohe Provisionen für die Kundenwerbung gezahlt haben. Als Gegenleistung erhielt der Stromanbieter frühzeitig Informationen von Verivox, welche neuen Angebote die Konkurrenz plane. Dadurch konnte einen noch günstigeren Tarif anbieten und so in der Vergleichsliste des Verbraucherportals oben stehen. Monatlich gewann es damit bis zu 10 000 Kunden.

Mehrere Informanten, darunter ein Ex-Manager von Teldafax, behaupten nun gegenüber dem "Handelsblatt": "Alle Stromanbieter mussten Preisänderungen mit zwei Wochen Vorlauf an Verivox melden, damit die Infos in die Vergleichssoftware eingepflegt werden konnte", so der Ex-Teldafax-Manager. Ein Mitarbeiter von Verivox habe diese Angaben dann regelmäßig an die Teldafax-Führung weitergegeben und somit dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, die Preise der Konkurrenten zu unterbieten.

Der ehemalige Teldafax-Vorstand streitet diese Vorwürfe ebenso ab wie die Verantwortlichen bei Verivox. Eine Sprecherin des Verbraucherportals sprach von "Verleumdung". Man habe zu keinem Zeitpunkt derartige Informationen an Teldafax weitergegeben. Das Unternehmen habe deshalb nun Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Sollte aber doch etwas dran sein, so wäre es ein handfester Skandal: Deutschlands größtes Verbraucherportal, das bereits mehr als drei Millionen Verbrauchern beim Anbieterwechsel geholfen hat, und sich als "unabhängig" bezeichnet, lässt sich beeinflussen. Das würde die Glaubwürdigkeit vollkommen in Frage stellen. Eine schwerwiegende Konsequenz scheint es damit auch schon zu geben: Seit der Insolvenz Teldafax’ warten nun etwa 800 000 Kunden auf die Rückzahlung ihrer Gelder. Ein großer Teil von ihnen dürfte die Verträge über Verivox abgeschlossen haben. Sie waren mit der Jahresrechnung in Vorleistung gegangen. Ihr Geld ging gemeinsam mit dem Unternehmen den Bach hinunter. Seit Juni 2011 warten sie nun auf eine Rückzahlung. Wann und in welcher Höhe sie diese erhalten, ist noch nicht klar.

Verbraucherzentrale warnt

Die Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen weist genau auf das Problem der Prämienzahlung hin: "Die Betreiber der Rechner erhalten bis auf einen (Energieverbraucherportal) allesamt erfolgsabhängige Vermittlungsprämien." Zudem warnt sie genau vor Angeboten wie den Vorauszahlungen bei Teldafax: Gerade bei den "angeblichen Stromschnäppchen zum Beispiel Vorkasseangebote" würden dann viele Verbraucher über Probleme beim Stromanbieterwechsel klagen, so die VZ.

Konkrete Alternativen zu Vergleichsportalen wie Verivox bietet die Verbraucherzentrale nicht. Dafür gibt sie eine Gebrauchsanleitung zum Umgang mit Strom- und Gas-Tarifrechern an die Hand. Sollte man den Portalen nicht vertrauen, bleibt einem aktuell nur eine echte Alternative: selber rechnen und vergleichen.

Für Verivox könnten die aktuellen Vorwürfe, sollten sie sich bewahrheiten, neben einem großen Image-Schaden auch finanzielle Konsequenzen haben: Der Insolvenzverwalter von Teldafax, Biner Bähr, nimmt die Vorwürfe gegen Verivox ernst und prüft derzeit, ob er Ansprüche gegen das Verbraucherportal geltend machen kann, um den ehemaligen Kunden eine baldige Rückzahlung ihrer Vorleistungen möglich zu machen.

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