
Derart gelassen gibt sich aber längst nicht jeder bei den Münchnern. Im Infineon-Aufsichtsrat sorgt sich mancher, zum Übernahmeziel zu werden: "Das Unternehmen braucht eine gewisse Größe, um unabhängig zu bleiben", sagt ein Aufseher, der nicht namentlich genannt werden will. Zwar wurde Infineon-Boss Bauer in der vergangenen Woche nicht müde, das Potenzial seines Unternehmens auch für organisches Wachstum zu skizzieren, etwa bei Sensoren für Autos. Doch das bietet bestenfalls einstellige Wachstumsaussichten. "Sieben Prozent pro Jahr sind realistisch", sagt UniCredit-Analyst Hollfelder. Das ist für Anleger nicht allzu viel. Deshalb hat Vorstandschef Bauer Akquisitionen auch nicht ausgeschlossen: "Zukäufe sind Element unserer Strategie."
Bauer verspürt keine Eile
Branchenbeobachter haben denn auch längst interessante Chiphersteller identifiziert, vor allem jenseits des Atlantiks. Die wären für Infineon attraktiv, weil Infineon seine Chips kaum in den USA verkauft: "Amerikanische Industrieunternehmen tragen aktuell nur rund fünf Prozent zum Infineon-Umsatz bei", sagt UniCredit-Mann Hollfelder. "Zukäufe in den Vereinigten Staaten könnten dabei helfen, neue Kunden zu erschließen, an die Infineon auch bestehende Produkte verkaufen und dadurch zusätzliche Synergien heben könnte."
Für Infineon interessante US-Chiphersteller seien etwa die kalifornischen Unternehmen Fairchild Semiconductor aus San Jose und International Rectifier aus El Segundo, die sich beide auf sogenannte Leistungshalbleiter spezialisiert haben, die für hohe Spannungen und Ströme konzipiert sind. Weitere passende Kandidaten könnten der Halbleiterhersteller Austriamicrosystems aus Unterpremstätten bei Graz sowie Elmos Semiconductor aus Dortmund sein. Elmos ist spezialisiert auf Chips für die Automobilindustrie; die Österreicher beliefern zudem auch Industrie- und Medizintechnikunternehmen.
Mit einer sofortigen Einkaufstour rechnen Unternehmenskenner jedoch nicht. "Wir erwarten Zukäufe erst ab Frühjahr 2011", sagt UniCredit-Analyst Hollfelder. Erstens fließt erst dann das Geld von Intel für die Mobilfunksparte. Zweitens sind derzeit die Bewertungen für potenzielle Übernahmeziele recht hoch. Peter Bauer sieht das offenbar ähnlich: "Wir verspüren keine Eile".













