Verkauf der Mobilfunksparte: Infineon fährt riskanten Abspeck-Kurs

Verkauf der Mobilfunksparte: Infineon fährt riskanten Abspeck-Kurs

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Infineon-Vorstandschef Peter Bauer

von Michael Kroker

Mit dem Verkauf des Geschäfts mit Mobilfunkchips an Intel setzt Infineon seine Schrumpfkur fort – übertreibt der Münchner Halbleiterkonzern die Diät?

Peter Bauer ist eher bekannt für leise Töne; Eigenlob und Effekthascherei sind nicht sein Ding. Umso erstaunlicher klang der Superlativ, den der Chef von Infineon, dem größten deutschen Halbleiterhersteller, am Montag der vergangenen Woche von sich gab: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Infineon in den letzten zehn Jahren jemals so stark wie heute war."

Auf den ersten Blick stimmt das auch: Denn der schon länger erwartete und nun von Bauer verkündete Verkauf der Infineon-Sparte für Mobilfunkchips an den weltgrößten Halbleiterkonzern Intel spült rund 1,1 Milliarden Euro in die Konzernkassen. Zusammen mit den vorhandenen flüssigen Mitteln sitzen die Münchner Anfang 2011, wenn die Transaktion über die Bühne gehen soll, auf Barbeständen von mehr als 2,2 Milliarden Euro.

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Aufsichtsräte fordern Zukäufe

Doch Branchenbeobachter wachen mit Argusaugen darüber, was Infineon mit diesem Geld anfängt. Investiert der Konzern in die verbliebenen, längst nicht so wachstumsstarken Geschäftsfelder Automobiltechnik, Industriehalbleiter und Chipkarten? Oder wagt sich Bauer an eine "kühne Strategie, die auch Zukäufe" umfasst, wie mancher Aufsichtsrat fordert? "Wer nicht zum Ziel einer Übernahme werden will, muss wachsen", sagt ein Infineon-Aufsichtsrat, der ungenannt bleiben will.

Keine Frage, Bauer steht unter dem Druck der Anleger, eine Story zu präsentieren, die den Aktienkurs beflügelt. „Ohne Akquisitionen“, sagt Theo Kitz, Analyst beim Bankhaus Merck Finck in München, "ist aus der Aktie erst einmal die Musik raus – Infineon selber würde sonst früher oder später zum Übernahmeziel."

Börsengang kam viel zu spät

Grafik: Umsatz und Gewinn von Infineon (in Milliarden Euro)

Grafik: Umsatz und Gewinn von Infineon (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Das Risiko besteht. Denn mit dem Verkauf des Handychipsegments stößt der Halbleiterkonzern fast ein Drittel seines Gesamtumsatzes ab. Und fällt mit etwas mehr als drei Milliarden Euro beinahe zurück auf das Niveau des Krisenjahres 2009, obwohl er in diesem Jahr dank eines ungeahnten Booms fast 50 Prozent wird zulegen können. Zwar setzt Konzernchef Bauer mit dem Verkauf auf "Stärkung durch Schrumpfung". Doch fragt sich, ob er damit Infineon nicht eher schwächt – bisher jedenfalls sorgt der Schrumpfkurs für gemischte Gefühle.

Noch 2006 setzten die Münchner fast acht Milliarden Euro um, machten jedoch rund 312 Millionen Verlust. Bauer-Vorgänger Wolfgang Ziebart zog daraus Konsequenzen und setzte auf Verkleinerung. Mitte 2006 spaltete er das Speicherchipgeschäft ab und brachte es an die Börse – im Nachhinein allerdings viel zu spät: Anfang 2009 rutschte der frühere Bereich unter dem Namen Qimonda in die Pleite und hätte fast noch die einstige Mutter mit in den Abgrund gerissen. 

Weil Infineon zu jenem Zeitpunkt immer noch 77,5 Prozent der Anteile hielt, schlugen die Qimonda-Verluste auf die einstige Mutter durch. Allein im Geschäftsjahr 2008 (zum 30.9.2008) verbuchte Infineon inklusive Abschreibungen einen Verlust in Höhe von 3,7 Milliarden Euro, wovon mehr als drei Milliarden auf die Kappe von Qimonda gingen. Als Folge rutschte der Infineon-Börsenkurs bis Dezember 2008, zusätzlich befeuert durch die Finanzkrise, unter die magische Schwelle von einem Euro; und Infineon flog aus dem Leitindex Dax. Danach schlitterte das Papier weiter abwärts Richtung Pennystock-Niveau – bis zum Allzeittief von 39 Cent im März 2009.

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