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Verkehr: Bahn brechen Güteraufträge weg

von Von Eberhard Krummheuer Quelle: Handelsblatt Online

Zuerst der abgesagte Börsengang, und jetzt auch noch das: Die Bahn muss mit massiven Einbrüchen beim Güterverkehr rechnen. "Wir wissen nicht, wie tief der Abgrund ist, an dem wir jetzt stehen", sagte Bahnchef Mehdorn.

Leere Gleise: Die Bahn rechnet mit deutlich weniger Güterverkehr. Quelle: AP
Leere Gleise: Die Bahn rechnet mit deutlich weniger Güterverkehr. Quelle: AP

BERLIN. Die Deutsche Bahn sieht sich vor einem schweren Jahr 2009. Wenige Wochen nach der Absage des Börsengangs aufgrund der Finanzkrise breche der Güterverkehr auf der Schiene massiv ein, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn gestern in Berlin. Er kündigte für den gesamten Konzern Sparmaßnahmen an. Geprüft werde auch ein Abbau eines Teils der rund 4 500 Leiharbeiter bei der Bahn.

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Die Ankündigung kommt vor einer harten Tarifrunde. Mit der Gewerkschaftsforderung nach zehn Prozent mehr Einkommen für die Eisenbahner drohen wieder Streiks.

Nach langem Aufwärtstrend ist der Schienengüterverkehr von der aktuellen Konjunkturschwäche besonders stark betroffen. Im schlimmsten Fall werde die Bahn im Dezember 40 Prozent weniger Güterzüge fahren, sagte Mehdorn. Das sei auf die verlängerten Weihnachtspausen der Autoindustrie, aber auch auf Rückgänge bei Stahl-, Chemie- und Bau-Transporten zurückzuführen. Das bedeute allerdings nicht, dass der Schienengüterverkehr um 40 Prozent schrumpfe. Die Transporte würden nur auf weniger Züge verteilt. Jedoch sei auch die Verkehrsleistung "stark rückläufig".

Wie es weitergehe, sei zurzeit nicht absehbar. Die Produktionspläne der Industriekundschaft für 2009 seien bisher "nicht mehr als Szenarien". Mehdorn machte aber deutlich, dass nach einem Wiederanlaufen der Autoproduktion im Januar das Verkehrsaufkommen zumindest zum Teil wieder steigen würde.

Im Personenverkehr laufe das Geschäft "einigermaßen normal weiter", berichtete der Bahnchef. Das könne sich aber rasch ändern, "wenn die große Kurzarbeitswelle kommt". Für 2008 rechnet der Konzern noch mit dem geplanten Plus bei Umsatz und Ergebnis; Zahlen wollte Finanzvorstand Diethelm Sack allerdings nicht nennen. Die zuletzt deutlichen Zuwächse im Personenverkehr hätten die Abnahme im Güterverkehr in den letzten Wochen noch aufgewogen.

Prognosen für das kommende Jahr wollte die Bahn-Spitze nicht abgeben. Auch bei den angekündigten Sparanstrengungen blieben die Aussagen eher vage. "Ganz besonders kritisch" werde er sich die Leiharbeit im Unternehmen ansehen, sagte Mehdorn. Ein Einstellungsstopp sei nicht geplant. Die Bahn werde aber verstärkt versuchen, Stellen konzernintern zu besetzen.

Investitionen, die die Bahn verschieben könne, würden vertagt. Ein konkretes Einsparziel gebe es nicht. Mehdorn betonte, dass er weder an der Sicherheit noch an der Infrastruktur sparen werde. Die Bahn werde das Geld entsprechend der mit dem Bund gerade geschlossenen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung ausgeben.

Er verwies auch darauf, dass die Bahn in dieser Woche 15 ICE-Züge für knapp 500 Mio. Euro bei Siemens bestellt hat: "Nach der Krise geht es wieder hoch", sagte der Bahnchef.

Meldungen, dass komplette Rangierbahnhöfe für mehrere Wochen geschlossen würden, wies die Bahn gestern zurück. Es werde lediglich geprüft, die Weihnachtspausen zu verlängern und den Betrieb auf einzelnen Anlagen zu reduzieren.

Sollte eine Komplettschließung von Umschlagbahnhöfen angedacht sein, seien dies "inszenierte Horrorszenarien im Vorfeld der Tarifverhandlungen", vermutete die größte Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet. Am kommenden Montag wollen die Gewerkschaften - auch die Lokführer-Gewerkschaft GDL, die sich bisher bedeckt gehalten hat - ihre Forderungen offiziell dem Bahn-Management präsentieren.

Mehdorn wies die bislang erhobene Zehn-Prozent-Forderung zurück: "Wir wissen nicht, wie tief der Abgrund ist. Das müssen wir den Gewerkschaften klarmachen." Nach Einkommenssteigerungen in diesem Jahr von elf Prozent würde ein erneuter hoher Zuschlag die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn weiter schwächen.

Der Bahnchef kritisierte, dass die Gewerkschaften mit Konkurrenten des Konzerns weitaus niedrigere Tarifabschlüsse vereinbarten. Neben dem Konjunkturproblem im Güterverkehr habe die Bahn deshalb ein Wettbewerbsproblem im Nahverkehr: Ihr drohe im nächsten Jahr der Verlust vieler Aufträge an die billigere Konkurrenz.

Notbremse

Erfolgskurs Noch nie sind in Deutschland so viele Menschen Bahn gefahren und Güter auf der Schiene transportiert worden - diese Aussage hat die Deutsche Bahn bis zum Ende des dritten Quartals aufrechterhalten. In den neun Monaten stieg der Umsatz um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 25 Mrd. Euro, das Ebit lag mit zwei Mrd. Euro um 3,7 Prozent höher. Ein "stabiles Geschäftsmodell", lobte sich Bahnchef Mehdorn.

Passagier-Boom Die hohen Benzinpreise trieben bis September fast zwei Mrd. Fahrgäste in Busse und Bahnen des Konzerns, ein Plus von 2,6, auf der Schiene sogar 3,8 Prozent.

Fracht-Krise Den Rückgang des Güterverkehrs sieht die Bahn schon länger: In den Neun-Monats-Zahlen findet sich anders als im Halbjahresbericht keine Aussage zu diesem Segment.

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