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Verkehr: Bahn will mehr Billigtickets anbieten

von Christian Schlesiger und Reinhold Böhmer

Die ICE- und IC-Züge sind schlecht ausgelastet. Jetzt will der Konzern die Kooperation mit anderen Unternehmen ausbauen, um neue Kunden zu gewinnen.

Lidl-Bahntickets für 55 Euro, Tchibo-Gruppenkarten für 160 Euro, Ebay-Ticketauktionen ab einem Euro, Nutella-Fahrkartenrabatte von 25 Prozent — erste Kooperationen hat die Deutsche Bahn schon getestet, um den Fahrkartenverkauf anzukurbeln. Künftig will sie die Zusammenarbeit mit branchenfremden Unternehmen massiv ausweiten. Das geht aus der streng geheimen Mittelfristplanung hervor. Sie sieht einen „Ausbau der Marketing-Kooperationen“ vor. „Vor dem Hintergrund nachlassender Effekte aus Angebotsmaßnahmen“, heißt es dort etwas kryptisch, seien „umfangreiche Maßnahmen zur Mengensteigerung“ erforderlich.

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Im Klartext: Die Bahn will über Kooperationspartner Billigtickets anbieten und so neue Kunden gewinnen, um insbesondere die Fernzüge ICE und Intercity zu füllen. Im vergangenen Jahr waren dort durchschnittlich nur 44 Prozent der Plätze besetzt. Bis zum Jahr 2013 soll die Auslastung immerhin auf gut 49 Prozent steigen. Von der Quote der französischen Staatsbahn SNCF wagt Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube nicht einmal zu träumen. Dort sind im Schnitt 76 Prozent aller Plätze belegt.

Bahngutscheine für Bananandrinks

Bei der letzten größeren Preisaktion zum Jahreswechsel arbeitete die Deutsche Bahn mit dem Discounter Lidl zusammen und warf so 750 000 Tickets auf den Markt – zu einem Preis von 55 Euro für eine Hin- und Rückfahrt in der zweiten Klasse, allerdings galten dafür einige Einschränkungen. So war die Reise an einem Freitag ausgeschlossen.

Ähnlich dürfte der neue Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg auch bei den neuen Kooperationen vorgehen. Mit den Billigtickets sollen Neukunden vor allem auf schwach ausgelastete Strecken und Züge verwiesen werden. Als Vorbild für solch ein Vorgehen gilt unter Experten die französische SNCF. Im Internet verscherbelt sie beispielsweise Tickets für 15 Euro, die aber nur nachts gültig sind. Die aktuell laufende Aktion der Deutschen Bahn mit dem Fruchtimporteur Chiquita zielt dagegen weitestgehend auf Masse und Image. Bis Ende August wird jeder Kauf eines Chiquita-Smoothies, eines Fruchtgetränks, mit einem Bahn-Reisegutschein im Wert von zehn Euro belohnt.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.09.2009, 15:22 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    Die bahn sollte die Preise konsequent an den Kosten ausrichten, die alternativ mit dem PKW entstehen würden. Eine bahnfahrt von München nach Köln für 130,- ist z.b. uninteressant. Selbst mit Mietwagen komm ich auf der Autobahn günstiger ans Ziel. Das darf nicht sein.

  • 13.07.2009, 13:17 UhrAnonymer Benutzer: FredC2

    ich fahre gerne bahn, soviel vorweg. Aber es stimmen viele Details halt nicht (mehr). Hier eine Auswahl:

    - Abschaffung der Speisewagen in einigen iCE. Stattdessen langweilige bistros, wobei die Eßtische dauerbelegt sind.

    - fast völlige Abschaffung der Abteile. Stattdessen Großraumwagons, die immer beleuchtet sind (also keine individuellen Lampen) mehr und in denen irgendwelche Handys piepsen.

    - kompliziertes Tarifsystem: billig-Tickets, Sparpreise, bahncards. beispielsweise kann man gar nicht abschätzen, ob es sich lohnt, eine bahncard 25 oder 50 zu kaufen, weil man nicht weiß, ob man an die verbilligten Tickets gelangt oder nicht. Der Ticketkauf gleicht einem Lotteriespiel.

    - nicht funktionierenden Monitore in der 1. Klasse, und wenn sie denn mal funktionieren, dann gibt's bahn-Propaganda-TV non-stop

    - nervende Unterbrechungen des Audiokanäle durch die Ansagen: wenn es Verspätungen gibt, dann ca. im 10 Minuten-Takt ("folgende Anschlüsse werden noch erreicht" usw.)

    So richtiges entspanntes Fahren mit der bahn ist kaum noch möglich, leider.

  • 13.07.2009, 12:03 UhrAnonymer Benutzer: ingenieur

    die Auslastung der SNCF kann die Db auch mit billigtickets und den besten Marketinggags nicht erreichen:
    denn die SNCF konzentriert sich auf relativ wenige, sehr schnelle Hauptverbindungen, zudem gibt es in Frankreich hohe Autobahngebühren und eine recht schwache Konkurrenz durch den innerfranzösischen Flugverkehr;
    wem dann bei der Db auch noch zugemutet wird, bei Tempo 300 neben seinen Koffern im Gang zu stehen, der lässt sich auch durch billigtickets kaum locken.

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