Verkehr: Deutsche Bahn muss ihr Preissystem ändern

Verkehr: Deutsche Bahn muss ihr Preissystem ändern

von Reinhold Böhmer und Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn muss auf Druck der Bundesnetzagentur ihr Preissystem für die Gleise ändern. Davon sollen Wettbewerber profitieren, aber auch der Steuerzahler.

Das Mittelsachsen-Netz zählt nicht zu den bekanntesten Schienenstrecken Deutschlands. An den Gleisen der Region liegen Städte mit skurrilen Namen wie Niederwiesa, Hainichen, Oberfrohna und Glauchau. Immerhin, wenn die Menschen von dort nach Dresden oder Leipzig wollen, dann können sie das mit dem Zug tun.

Mindestens so unbekannt wie das Mittelsachsen-Netz ist die Tatsache, dass seine Gleise zu den teuersten Deutschlands gehören. 7,56 Euro pro Kilometer verlangt die Deutsche Bahn über ihr Tochterunternehmen DB Netz für einen Nahverkehrszug, der von Borsdorf bei Leipzig mit Höchstgeschwindigkeit 100 nach Meißen-Triebischtal bei Dresden poltert.

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Für die Bundesnetzagentur, die über fairen Wettbewerb auf der Schiene wacht, ist die Strecke ein Symbol der Diskriminierung. Ein Zugkilometer von Mannheim nach Basel, wo ICE-Züge bis Tempo 280 fahren, kostet nur 7,08 Euro. „Schon der Eisenbahn-Laie versteht, dass hier was nicht in Ordnung ist“, sagt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur.

Der Grund für die grobe Ungleichbehandlung liegt in der Preispolitik von DB Netz, die das 34 000 Kilometer lange Schienennetz verantwortet. Für das Mittelsachsen-Netz verlangt die Bahn-Tochter einen Zuschlag, auch Regionalfaktor genannt. Damit solle sichergestellt werden, so die offizielle Begründung, dass das schwach ausgelastete Schienennetz am Leben erhalten werden könne.

Ob das stimmt, ja, wie die Preise für Fahrten übers Schienennetz, sogenannte Trassenpreise, grundsätzlich zustande kommen, dahinter macht die Bundesnetzagentur jetzt ein großes Fragezeichen. Um ihre intern schon länger geäußerte Kritik daran zu untermauern, schreitet die Behörde sogar erstmals dagegen ein.

Preise fürs Halten sind undurchsichtig

Wie die WirtschaftsWoche erfuhr, wird Kurth der Bahn untersagen, die Regionalfaktoren, die es nicht nur in Mittelsachsen gibt, weiter zu erheben. Bis Jahresende muss der Staatskonzern sein Schienenmautsystem überarbeiten. „Die Regionalfaktoren sind diskriminierend und sachlich nicht nachvollziehbar“, begründet Kurth sein Vorgehen.

Die Entscheidung der Bundesnetzagentur trifft die Deutsche Bahn an einer ihrer empfindlichsten Stellen. Setzt sich die Behörde durch, erodiert für die Bahn eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Die Erlöse allein durch den regionalen Zuschlag liegen bei geschätzten 150 bis 200 Millionen Euro pro Jahr. Laut vertraulicher Mittelfristplanung, die der WirtschaftsWoche vorliegt, plant Bahn-Chef Rüdiger Grube, das Schienennetz immer mehr zu Gold zu machen. Geht diese Rechnung auf, sollen die Trassenpreise 2014 einen Gewinn (nach Zinsen und vor Steuern) in Höhe von 660 Millionen Euro einbringen. Das entspricht einer Marge von sagenhaften 22 Prozent. Mindestens halb so viel sollen die Personenbahnhöfe abwerfen.

Die Bundesnetzagentur geht jetzt aber verstärkt gegen das Gebaren der Bahn in Bereichen vor, in denen sie ein Monopol hat. Vor Weihnachten verfügten die Beamten eine Komplettänderung des Stationspreissystems. Begründung: Die Preise für das Halten an Bahnhöfen, sogenannte Stationsentgelte, seien weder transparent noch sei deren Höhe sachlich gerechtfertigt. Das diskriminiere Wettbewerber. Bei der Bahn selbst spielen die Preise eine untergeordnete Rolle, weil die Ausgaben für Fahrten über Gleise und Stopps an Bahnhöfen bei Schwesterunternehmen und damit in der Konzernkasse landen.

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