Verlagschef Thomas Schierack: "Buch preiswerter als E-Book"

Verlagschef Thomas Schierack: "Buch preiswerter als E-Book"

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Thomas Schierack

Der Geschäftsführer des Lübbe-Verlags, Thomas Schierack, über die Zukunft von Jerry Cotton, neue Kooperationen und Internet-Angebote.

WirtschaftsWoche: Wie geht es Jerry Cotton?

Cotton: Er ist im 53. Lebensjahr und denkt nicht ans Rentenalter. Die gedruckte Auflage der wöchentlich erscheinenden Jerry-Cotton-Hefte liegt bei über 100.000 Exemplaren. Der Bekanntheitsgrad wird nochmals steigen, wenn der Jerry-Cotton-Film in den deutschen Kinos anläuft.

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Wie wichtig ist Jerry Cotton für den Verlag?

Der Romanheft-Bereich macht einen Umsatz von circa zehn Millionen Euro und trägt überproportional zum Gewinn bei. Insofern ist der Bereich wichtig. Insgesamt macht die Verlagsgruppe im Wirtschaftsjahr 2008/09, das am 31. März 2009 endet, einen Umsatz von circa 63 Millionen Euro. Im nächsten Wirtschaftsjahr sind 74 Millionen geplant.

Wie hoch ist der Gewinn?

Wir schreiben schwarze Zahlen. Im Jahr mit einer Neuerscheinung von Dan Brown kommen wir auf eine zweistellige Umsatzrendite.

Die Romanhefte werden doch vor allem von Älteren gelesen. Wie gewinnen Sie jüngere Kunden? Wann geht Jerry Cotton ins Internet?

Wir sind gerade dabei, unsere Romanheft- und sonstigen E-Commerce-Aktivitäten in diesem Bereich in einer neuen Firma zu bündeln. Arbeitstitel dieser Firma ist Bastei Entertainment. Im Romanheftbereich verfügen wir auch über Sciene-Fiction-Serien, bei denen die Leser üblicherweise internetaffiner sind als bei anderen Romanheftbereichen. Insofern überlegen wir auch, ob es nicht Sinn macht, dass gerade in diesem Bereich neue Folgen als E-Roman auch übers Internet ausgeliefert werden. Wir planen Kooperationen mit anderen Firmen, die schon heute ähnliche Produkte für jüngere Leserkreise anbieten.

Wer kommt als Partner infrage?

Wir führen Gespräche mit ein bis zwei Verlagen und wollen hier noch im ersten Halbjahr 2009 eine Entscheidung treffen.

Wie läuft Ihr Hauptgeschäft, der Verkauf von Taschenbüchern und Hardcover-Büchern?

Im Wirtschaftsjahr 2008/09 haben wir zum Beispiel Ken Folletts Roman „Die Tore der Welt“ verlegt. Von diesem Buch haben wir inzwischen fast eine Million Exemplare verkauft. Mit Ken Follett haben wir noch einen Vertrag über drei Bücher, die 2010, 2012 und 2014 erscheinen werden. Mit Dan Brown haben wir noch einen Vertrag über ein Buch. Im Bereich Hardcover geben wir jährlich circa 90 Bücher heraus und im Bereich der Taschenbücher circa 320.

An diesem Donnerstag startet auf der Leipziger Buchmesse das Online-Portal der deutschen Buchbranche: libreka.de. Was erhoffen Sie sich vom E-Book?

In Amerika gibt es das E-Book schon seit mehr als einem Jahr. Dort wächst der Markt sprunghaft, aber auf einem niedrigen Niveau. Man spekuliert dort, dass mit E-Books in den nächsten vier bis fünf Jahren rund drei, aber höchstens vier bis fünf Prozent des Gesamtumsatzes gemacht werden. Wir haben jetzt die ersten 100 Titel als E-Book lieferbar und planen, zukünftig unsere Spitzennovitäten ebenfalls als E-Book anzubieten. Derzeit sind wir dabei, die Jahresplanung für die nächsten drei Wirtschaftsjahre zu erarbeiten. In dieser Planung haben wir keine nennenswerten E-Book-Umsätze eingeplant.

Was kostet ein E-Book?

Der Kunde muss den Hardcoverpreis bezahlen. In den Kalkulationen sind Printprodukte trotz der Druckkosten preiswerter als E-Book-Produkte. Dies liegt unter anderem an der noch geplanten geringen Auflage der E-Books, aber auch an Zusatzkosten. So kostet das Konvertieren der Druckdateien in ein ausgabefähiges Format pro Buch circa 300 bis 1000 Euro. Zudem fallen beim E-Book 19 Prozent Mehrwertsteuer an, beim gedruckten Buch sind es nur sieben Prozent.

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