Versandhandel: Amazon tritt in die Fußstapfen von Quelle

Versandhandel: Amazon tritt in die Fußstapfen von Quelle

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Amazon.com-Mitarbeiter in einem Versandzentrum: Der Einstieg ins Lebensmittelgeschäft ist nur noch eine Frage der Zeit

von Henryk Hielscher

Das Ende von Quelle ist besiegelt -doch das Geschäftsmodell Versandhandel ist alles andere als tot. Der Online-Händler Amazon wird mit Erfolg zu dem, was Quelle einst war: Ein Massenversender mit Universalsortiment.

Das waren Zeiten: Jeder zweite Haushalt der Bundesrepublik war Kunde des Quelle-Versands – vor 30 Jahren. Inzwischen ist Quelle pleite, der Notverkauf des insolventen Versandhauses scheiterte in der vergangenen Woche. Doch ausgerechnet bei einem der ärgsten Wettbewerber, dem Online-Händler Amazon, lassen sich die goldenen Versandhauszeiten noch studieren. Stichwort Quelle eingeben, auf das Einkaufswagensymbol klicken und für neun Euro kommt tags darauf „Die Quelle-Story: Ein deutsches Unternehmen im Spiegel der Zeit“ nach Hause. Erkenntnisreicher als das Fachbuch ist allerdings das Amazon-Verkaufsmodell.

Dass der Online-Händler aus dem amerikanischen Seattle Bücher und CDs vertreibt, dürften inzwischen zwar selbst renitente Internet-Verweigerer registriert haben. Weniger bekannt ist, dass der Konzern sein Sortiment systematisch ausbaut und elf Jahre nach dem Start in Deutschland bereits der drittgrößte Versandhändler der Republik ist. Mehr noch: „Amazon ist längst zu einer Art Über-Quelle geworden”, sagt der Kölner Handelsexperte Ulrich Eggert. Die Auswahl sei größer, die Kundenstruktur heterogener, als sie bei Quelle je war.

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T-Shirts und Frischfleisch

Weltweit kaufen rund 94 Millionen Kunden bei Amazon ein, in Deutschland sind es nach Zahlen des Marktforschers GfK 16,7 Millionen – mit steigender Tendenz. Denn der frühere Buch- und CD-Spezialist ist zum Generalisten geworden, der sein Sortiment beharrlich ausweitet. Egal, ob Digitalkameras, Haushaltswaren oder Kosmetik – inzwischen deckt der Online-Händler fast alles ab.

Neuerdings hat Amazon in Deutschland auch Jeans und T-Shirts, Büromöbel und Musikdownloads im Programm. Und demnächst will Amazon in Kooperation mit dem Mönchengladbacher Familienunternehmen Schulte & Sohn gar Edel-Frischfleisch anbieten, heißt es in der Branche. Das Pfund Bison Entrecôte soll es dann ab 27,20 Euro geben, das Kilo Angus Rumpsteak wird wohl 48,90 Euro kosten. Amazon will die Nahrungsmitteloffensive zwar nicht bestätigen, doch Anfang Oktober meldete Deutschland-Chef Ralf Kleber Interesse am Lebensmittelmarkt an. Es gehe „nicht um eine Frage des Ob, sondern einzig des Wann“, so Kleber.

Eine solche Sortimentsexpansion kann sich der Online-Primus nur leisten, weil sich die Marke tief ins Gedächtnis der Konsumenten gebrannt hat. Amazon rangiert inzwischen vor Aldi und Ikea als markenstärkstes Handelsunternehmen Deutschlands, zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens BBDO. Ein Anker ist für viele Kunden dabei wohl noch immer die vermutete Kompetenz im Buchgeschäft.

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