Versandhandel: Otto kauft die Marke "Quelle" und Russland-Geschäft

Versandhandel: Otto kauft die Marke "Quelle" und Russland-Geschäft

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Die Logos der Otto Group in Hamburg und von Quelle in Nürnberg

An einer Komplettübernahme von Quelle war das Versandhaus Otto nicht interessiert. Die Rechte an der Marke „Quelle“ haben die Hamburger jetzt erworben. Zudem übernimmt Otto vollständig das Russland-Geschäft des insolventen Konkurrenten.

Der Kauf schließe auch die Eigenmarken wie „Privileg“ für den deutschen, den russischen und weitere mittel- und osteuropäische Märkte ein, teilte die Otto Group heute in Hamburg mit. Damit darf Otto neben der begehrten Marke auch die Logos und die meisten Internet-Adressen des insolventen Fürther Versandhauses nutzen. Offen sei dagegen noch die der Verkauf des Quelle-Kundendienstes Profectis mit Sitz in Nürnberg, der Call-Center und des TV-Verkaufskanals HSE24, teilte Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg heute mit.

Die seit der vergangenen Woche laufenden Gespräche mit Investoren sollen so schnell wie möglich abgeschlossen worden, betonte Görgs Sprecher Thomas Schulz. Otto sicherte sich die „Quelle“-Markenrechte, damit nicht Konkurrenten wie Amazon zugreifen. Ob und wie die Marke im Otto-Konzern genutzt werde, sei noch nicht entschieden. Unter dem Konzerndach sind zahlreiche Marken angesiedelt; manche wurden auch umgewandelt, etwa Schwab von einem Universal- zu einem Spezialversender.

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Otto verhandelt weiter

Otto verhandelt weiter mit dem Quelle-Insolvenzverwalter über den Kauf des Einkaufssenders HSE 24. Außerdem interessieren sich die Hamburger unverändert für die Spezialversandhandelsunternehmen aus dem untergegangenen Quelle-Imperium. Diese Unternehmen wie zum Beispiel Baby-Waltz gehören dem Arcandor-Pensionsfonds und werden gesondert verkauft. Der Insolvenzverwalter muss lediglich zustimmen.

An dem Kundendienst Profectis und den Call-Centern hat Otto kein Interesse. Görg hatte sich vor mehr als zwei Wochen zu einer Abwicklung des insolventen Versandhauses Quelle entschlossen, nachdem sich kein Investor gefunden hatte, der zu einer kompletten Übernahme des Traditionsunternehmens bereit war. Vor knapp einer Woche waren daraufhin rund 2000 der rund 6000 verbliebenen Beschäftigten freigestellt worden.

Wachstumsmarkt Russland

Seit vergangenen Sonntag läuft ein Ausverkauf von rund 18 Millionen auf Lager liegenden Quelle-Artikel. Nach Schulz' Angaben hatte sich die Otto Group bei der Verwertung der bekannten Marke „Quelle“ und anderer Handelsmarken mit dem besten Angebot gegen zahlreiche Konkurrenten durchsetzen können. Die Markenrechte gehen erst nach einer Prüfung durch die Kartellbehörden an Otto über. Die Marken „Küchen Quelle“ und „Foto-Quelle“ schließe der Kaufvertrag für die Marke „Quelle“ dagegen nicht ein, unterstrich der Sprecher des Insolvenzverwalters. Otto erhofft sich unterdessen von dem Kauf von Quelle Russland eine Absicherung und einen deutlichen Ausbau seiner führenden Stellung im Wachstumsmarkt Russland.

Die Sortimente von Otto und Quelle umfassen in Russland vor allem Mode, Schuhe, Haus- und Heimtextilien, so dass sich große Einsparpotenziale ergeben. Otto ist seit 1990 im russischen Markt aktiv und erreicht mit den drei Marken OTTO, Bonprix und Witt International einen Umsatz von ungefähr 200 Millionen Euro.

Quelle belegt in Russland mit einem Umsatz von ungefähr 170 Millionen Euro den zweiten Platz, sonst gibt es nur noch einen etwas größeren Anbieter. Ob die rund 280 Quelle-Mitarbeiter in Russland ihre Arbeitsplätze behalten können, ist ungewiss. Ein Otto-Sprecher sagte, dass es zwar zu Einsparungen kommen werde, aber andererseits der Versandhandel in Russland mit zweistelligen Raten wachse. Daher sei mittelfristig eher ein Personalaufbau wahrscheinlich.

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