_

Versandhaus: Die Gewinner der Quelle-Pleite

von Henryk Hielscher

In Nürnberg herrscht Entsetzen über das Aus von Quelle: Die Mitarbeiter sind gefrustet, die Gewerkschaften empört und die Politik ist ratlos. Tausende Beschäftigte stehen vor der Arbeitslosigkeit. Doch es gibt auch die andere Seite - die Profiteure der Quelle-Tragödie.

Quelle-Mitarbeiter in Quelle: dpa
Quelle-Mitarbeiter in Nürnberg Quelle: dpa

Die Betroffenheit war groß als Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg die Beschäftigten des Versandhauses Quelle gestern über das Ende ihres Unternehmens informierte. 3000 bis 4000 Menschen würden ihren Job verlieren.

Anzeige

Einige Beschäftigte erschienen ganz in Schwarz gekleidet zu der Versammlung. Andere trugen als Zeichen ihrer Hoffnungslosigkeit Plakate, die einen Sarg mit der Aufschrift Quelle zeigten, es flossen auch Tränen. Andernorts dürfte die Stimmung erheblich besser gewesen sein. Denn es gibt auch Gewinner der Quelle-Pleite.

Die Wettbewerber: Zu den größten Profiteuren des Quelle-Debakels gehört selbstverständlich die Versandhandelskonkurrenz - allen voran der Erzrivale Otto. Eine Teil der Kunden dürfte über kurz oder lang zu dem Angeboten des Hamburger Unternehmens abwandern. Schon vor der Pleite von Quelle, hatte Otto-Versand-Chef Rainer Hillebrand im Interview mit der WirtschaftsWoche gesagt: „Sicherlich wird der ein oder andere Euro Umsatz von Quelle jetzt bei uns gelandet sein. Gerade bei etwas teureren und langlebigeren Technik-Produkten wie Wachmaschinen oder Geschirrspülern wollen die Kunden einfach die Gewähr haben, dass sie die Produkte im Zweifel auch problemlos reklamieren können und auf Garantie repariert bekommen.“ Dieser Trend zu wirtschaftlichen soliden Unternehmen dürfte sich jetzt noch verstärken. Zudem kann sich Otto nun wieder Hoffnungen machen, einzelne Spezialversender und das Auslandsgeschäft von Quelle zu kaufen. Die Übernahme der komplette Arcandor-Versandsparte namens Primondo hatten die Hamburger abgelehnt.  

Wenig Trübsal

Gläubiger: Um Quelle im Verbund mit der kompletten Versandsparte zu verkaufen, war der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach eigenen Angaben sogar bereit, dem Käufer noch Geld mitzugeben: „Wir hätten sogar einen negativen Kaufpreis akzeptiert“, sagte er. Das wäre nicht nur juristisch äußerst heikel gewesen, sondern hätte wohl auch dazu geführt, dass einzelne Gläubiger weniger Geld aus der Insolvenzmasse bekommen hätten. Einige Spezialversender sind dem Vernehmen nach für Kreditzusagen separat verpfändet worden. Per Einzelverwertung dürften daher für profitable Unternehmensteile wie den Shoppingsender HSE24 oder den Spezialversender Baby Walz höhere Preise zu erzielen sein.

Spezialversender: Ohnehin dürfte in den Geschäftsführungen einiger Primondo-Spezialversender gestern wenig Trübsal geherrscht haben. Denn mit dem Pleiteunternehmen Quelle unter einem Dach zu arbeiten, wurde zuletzt oft als entwicklungshemmend aufgefasst. Kein Wunder: Viele Erträge der profitablen Versender wurden über Jahre in das marode Flaggschiff Quelle gesteckt statt in die Weiterentwicklung des eigenen Geschäfts. Der Langzeit-Rettungsversuch band zudem reichlich Managementkapazität. Mit einem Verkauf aller Primondo-Gesellschaften im Verbund hätte sich die Situation fortgesetzt. Nun besteht bei einzelnen Erfolgsversendern aus dem Primondo-Verbund die Hoffnung, an Investoren verkauft zu werden, die sich ausschließlich um die Weiterentwicklung der jeweiligen Versandmarke kümmern.

Karstadt-Interessenten: Der gescheiterte Quelle-Verkauf könnte auch Konsequenzen für den Verkauf der Warenhauskette Karstadt haben. Nach der Quelle-Niederlage dürfte jedenfalls der Druck auf den Insolvenzverwalter wachsen, schnell Ergebnisse zu präsentieren. Tendenziell dürfte daher auch die Bereitschaft zunehmen, die Preisvorstellungen für Karstadt zu reduzieren. Vor allem die Düsseldorfer Metro-Gruppe, die in den vergangenen Wochen ohnehin ihr Interesse an Karstadt relativiert hatte, befindet sich in einer recht komfortablen Verhandlungsposition.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.11.2009, 13:45 UhrAnonymer Benutzer: KS

    ich kann da auch nicht so viel Mitleid haben.
    bei uns war es nicht anders. Am 31.07.2004 hatten wir unseren letzten Tag (Großlabor)und mit uns schlossen noch weitere Labore an diesen Tag.(heidelberg,Gotha....usw.)Management Fehler!!!!!
    interessiert hier in den Staat eh keinen.Man sieht ja wie sie trotz allen noch bezahlt dafür werden.
    Nur eines sei gesagt:Wir haben unser ausstehendes Geld bis heute nicht,also wartet nicht drauf!!!!

  • 23.10.2009, 22:27 UhrAnonymer Benutzer: oliver35

    entlich ist diese Laden weg. Warum soll man um diesem Laden trauern ? vor ca.10 Jahren hatt Quelle unser Versandhaus geschlossen und auch kein Mitleid mit uns gehabt.

  • 22.10.2009, 22:17 UhrAnonymer Benutzer: Anton

    begrabt endlich die Unternehmen, die keine Zukunft haben, darunter gehören auch alle banken und Versicherungen. Der Staat sollte nicht ständig Geld in marode Großunternehmen stecken, dies macht gar keinen Sinn!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.