Versandhaus: Die Gewinner der Quelle-Pleite

Versandhaus: Die Gewinner der Quelle-Pleite

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Quelle-Mitarbeiter in Nürnberg

In Nürnberg herrscht Entsetzen über das Aus von Quelle: Die Mitarbeiter sind gefrustet, die Gewerkschaften empört und die Politik ist ratlos. Tausende Beschäftigte stehen vor der Arbeitslosigkeit. Doch es gibt auch die andere Seite - die Profiteure der Quelle-Tragödie.

Die Betroffenheit war groß als Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg die Beschäftigten des Versandhauses Quelle gestern über das Ende ihres Unternehmens informierte. 3000 bis 4000 Menschen würden ihren Job verlieren.

Einige Beschäftigte erschienen ganz in Schwarz gekleidet zu der Versammlung. Andere trugen als Zeichen ihrer Hoffnungslosigkeit Plakate, die einen Sarg mit der Aufschrift Quelle zeigten, es flossen auch Tränen. Andernorts dürfte die Stimmung erheblich besser gewesen sein. Denn es gibt auch Gewinner der Quelle-Pleite.

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Die Wettbewerber: Zu den größten Profiteuren des Quelle-Debakels gehört selbstverständlich die Versandhandelskonkurrenz - allen voran der Erzrivale Otto. Eine Teil der Kunden dürfte über kurz oder lang zu dem Angeboten des Hamburger Unternehmens abwandern. Schon vor der Pleite von Quelle, hatte Otto-Versand-Chef Rainer Hillebrand im Interview mit der WirtschaftsWoche gesagt: „Sicherlich wird der ein oder andere Euro Umsatz von Quelle jetzt bei uns gelandet sein. Gerade bei etwas teureren und langlebigeren Technik-Produkten wie Wachmaschinen oder Geschirrspülern wollen die Kunden einfach die Gewähr haben, dass sie die Produkte im Zweifel auch problemlos reklamieren können und auf Garantie repariert bekommen.“ Dieser Trend zu wirtschaftlichen soliden Unternehmen dürfte sich jetzt noch verstärken. Zudem kann sich Otto nun wieder Hoffnungen machen, einzelne Spezialversender und das Auslandsgeschäft von Quelle zu kaufen. Die Übernahme der komplette Arcandor-Versandsparte namens Primondo hatten die Hamburger abgelehnt.  

Wenig Trübsal

Gläubiger: Um Quelle im Verbund mit der kompletten Versandsparte zu verkaufen, war der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach eigenen Angaben sogar bereit, dem Käufer noch Geld mitzugeben: „Wir hätten sogar einen negativen Kaufpreis akzeptiert“, sagte er. Das wäre nicht nur juristisch äußerst heikel gewesen, sondern hätte wohl auch dazu geführt, dass einzelne Gläubiger weniger Geld aus der Insolvenzmasse bekommen hätten. Einige Spezialversender sind dem Vernehmen nach für Kreditzusagen separat verpfändet worden. Per Einzelverwertung dürften daher für profitable Unternehmensteile wie den Shoppingsender HSE24 oder den Spezialversender Baby Walz höhere Preise zu erzielen sein.

Spezialversender: Ohnehin dürfte in den Geschäftsführungen einiger Primondo-Spezialversender gestern wenig Trübsal geherrscht haben. Denn mit dem Pleiteunternehmen Quelle unter einem Dach zu arbeiten, wurde zuletzt oft als entwicklungshemmend aufgefasst. Kein Wunder: Viele Erträge der profitablen Versender wurden über Jahre in das marode Flaggschiff Quelle gesteckt statt in die Weiterentwicklung des eigenen Geschäfts. Der Langzeit-Rettungsversuch band zudem reichlich Managementkapazität. Mit einem Verkauf aller Primondo-Gesellschaften im Verbund hätte sich die Situation fortgesetzt. Nun besteht bei einzelnen Erfolgsversendern aus dem Primondo-Verbund die Hoffnung, an Investoren verkauft zu werden, die sich ausschließlich um die Weiterentwicklung der jeweiligen Versandmarke kümmern.

Karstadt-Interessenten: Der gescheiterte Quelle-Verkauf könnte auch Konsequenzen für den Verkauf der Warenhauskette Karstadt haben. Nach der Quelle-Niederlage dürfte jedenfalls der Druck auf den Insolvenzverwalter wachsen, schnell Ergebnisse zu präsentieren. Tendenziell dürfte daher auch die Bereitschaft zunehmen, die Preisvorstellungen für Karstadt zu reduzieren. Vor allem die Düsseldorfer Metro-Gruppe, die in den vergangenen Wochen ohnehin ihr Interesse an Karstadt relativiert hatte, befindet sich in einer recht komfortablen Verhandlungsposition.

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