Verschmelzung mit VW: Was Martin Winterkorn bei Porsche bevorsteht

Verschmelzung mit VW: Was Martin Winterkorn bei Porsche bevorsteht

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Messestand von Porsche bei der Los Angeles Auto Show

von Martin Seiwert

Die Hauptversammlung von Porsche zeigte: Volkswagen-Chef Martin Winterkorn stehen in den nächsten Jahren bei der Integration des Sportwagenbauers ins VW-Reich mehrere Zitterpartien bevor.

Martin Winterkorn bleibt noch mehrere Jahre an der Spitze von Volkswagen. Sein Vertrag, der Ende 2011 ausgelaufen wäre, wurde Anfang dieses Jahres bis Ende 2016 verlängert. Nach den vergangenen, turbulenten Jahren setzt der VW-Aufsichtsrat offenbar auf Kontinuität. Ruhe an der Spitze kann VW auch gut gebrauchen, denn im operativen und strategischen Geschäft ist die Unruhe groß. Winterkorn hat eine ganze Liste von Herkulesaufgaben.   

Verschmelzung mit Porsche: Bei der Porsche-Hauptversammlung im November 2010 lag die Fusion von Porsche und VW in den Händen der Porsche-Vorzugsaktionäre. Nach einer Marathondebatte billigten die Vorzugsaktionäre – das sind vor allem Fondsgesellschaften wie Deka oder Fidelity – die geplante Kapitalerhöhung bei Porsche von fünf Milliarden Euro. Hätten sie das nicht getan, bekäme der SportwagenbauerSchwierigkeiten, seinen Schuldenberg von rund sechs Milliarden Euro abzutragen. Weile nur eine schuldenfreie Porsche Holding mit VW verschmolzen werden kann, würde die Fusion in weite Ferne rücken. Zudem könnten im kommenden Sommer Kreditgeber von Porsche Zugriff auf den Sportwagenbauer erhalten. Den ein oder anderen Vorzugsaktionär, der durch die von Porsche im Jahr 2009 ausgelösten Kurskapriolen viel Geld verlor, würde das vielleicht freuen. Dennoch werden heute wohl nur wenige Vorzugsaktionäre gegen die rettende Kapitalerhöhung votieren, und zwar aus einem banalen Grund: Mit ihrem Racheakt würden sie die Porsche-Aktie auf Talfahrt schicken. Die Chancen für Winterkorn stehen deshalb nicht schlecht, dass er diese Hürde nimmt.

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Integration des Autohandels-Giganten Porsche Holding Salzburg: Der Porsche-Piech-Clan verkauft Europas größten Autohändler, die Porsche Holding Salzburg, für 3,3 Milliarden Euro an VW. Den Erlös wird der Clan größtenteils in die neu ausgegebenen Porsche-Aktien investieren, damit die Entschuldung von Porsche vorantreiben und letztlich – und das ist das große Ziel – einen ordentlichen Anteil an Volkswagen zu erhalten. Wie hoch dieser Anteil sein wird, steht noch nicht fest. Für Winterkorn geht die Arbeit erst richtig los, wenn VW den Autohändler voraussichtlich im nächsten Herbst komplett eingemeindet hat. Europas größter Autobauer ist dann auch mit Abstand Europas größter Autohändler. Winterkorn muss dafür sorgen, dass das vom Porsche-Clan umsichtig aufgebaute Geschäft reibungslos weiterläuft. Er muss seinen Aktionären beweisen, dass die Milliarden in Salzburg gut investiert sind und nicht nur eine Gefälligkeit an die Familie seine Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech war.

Neuordnung der Sportwagensparte: Groß war die Angst von Audi, dass Porsche eines Tages auch Ingolstadt durchregiert, sollte der Sportwagenbauer VW übernehmen. Zwar sind die Übernahmeträume der Stuttgarter geplatzt. Doch eine heikle Frage hat Porsche für sich entschieden. Porsche soll künftig die Entwicklungsführerschaft für alle Sportwagen des Konzerns haben. Zudem wird das Porsche-Entwicklungszentrum Weissach künftig die Verantwortung für zwei wichtige Fahrzeug-Plattformen des Konzerns übernehmen. Über die Zuständigkeit für den sogenannten Sportwagen-Baukasten und den Modularen Standardbaukasten hatten Porsche und VW in den vergangenen Monaten verhandelt.  Porsche hat in dem Gerangel zuletzt wieder Boden gut gemacht, legte einwandfreie Zahlen fürs operative Geschäft vor und kündigte eine Investition von 150 Millionen Euro in das Forschungszentrum Weissach an – auch ein Statement in Richtung künftiger Eigenständigkeit. Letztlich muss Winterkorn die Frage klären, wie die Sportwagensparte des Konzerns mit den Marken Audi, Porsche, Bugatti, Lamborghini und vielleicht Ferrari (angeblich liebäugelt  Piëch mit dem Kauf  Marke und Fiat will verkaufen) aussehen soll.

Schadenersatzklagen gegen Porsche: Namhafte Investmentgesellschaften und zahlreiche Hedgefonds wollen Porsche in den USA und Deutschland auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagen. Der einstige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, sein Finanzvorstand Holger Härter, weitere Porsche-Mitarbeiter und Banken haben nach Einschätzung der Investoren den Kurs der VW-Aktie manipuliert, um mit eigenen Optionsgeschäften satte Gewinne einzufahren. Die Beschuldigten bestreiten das. Über 50 Milliarden Euro hatten die Stuttgarter in Optionen investiert, mit denen sie auf fallende oder steigende VW-Kurse wetteten. Doch der Milliardenpoker geriet außer Kontrolle und Porsche entging am Ende nur knapp der Insolvenz. Auch wenn es Winterkorn gelingt, Porsche zu entschulden, bleibt es ungewiss, ob es überhaupt zu einer Verschmelzung von Porsche-Dachgesellschaft, der Porsche Automobilholding, und VW kommt. Das Risiko, dass die Holding für Milliardenschäden aufkommen muss, könnte die Verschmelzung zumindest um etliche Jahre verzögern. VW würde in diesem Fall wohl erst mal das operative Geschäft von Porsche, die Porsche AG, übernehmen. In jedem Fall bleiben die Klagen eine Zitterpartie.

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