Allianz Deutschland: Versicherungsvertreter sind besorgt

Allianz Deutschland: Versicherungsvertreter sind besorgt

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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG, Markus Rieß, bei der Jahres-Pressekonferenz der Allianz Deutschland.

von Matthias Kamp

Für das vergangene Jahr liefert die Allianz Deutschland glänzende Zahlen ab. Doch Vorstandschef Markus Rieß ist um seinen Job nicht zu beneiden: Er muss den Konzern ins digitale Zeitalter führen.

Markus Rieß ist gebürtiger Westfale, doch beim Fußball schlägt sein Herz für den FC Bayern München. Der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland versäumt kaum ein Heimspiel der Truppe um Pep Guardiola. Auch am Donnerstagabend ließ er sich wieder in der Arena im Münchner Norden sehen. So richtig zufrieden sein konnte er mit den Bayern aber nicht. Zwar gewann die Mannschaft im DFB Achtelfinale gegen Eintracht Braunschweig mit 2:0; die Leistung der Elf war allerdings eher mäßig.

Für mehr Freude sorgte bei Rieß dann schon, als er am heutigen Vormittag die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr verkünden konnte. Mit 32 Milliarden Euro konnte er einen Rekordumsatz vermelden. Das Ergebnis stieg um 27 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Besonders erfreulich für Rieß: Das Geschäft mit Lebensversicherungen, vor allem gegen Einmalbeiträge, boomt.

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Allianz Versicherungskonzern verzeichnet Rekord-Umsatz

Die Deutschlandtochter des Versicherungskonzerns Allianz kann für 2014 den größten Umsatz seiner Unternehmensgeschichte verzeichnen. Dank eines schadenarmen Jahres stieg auch der Gewinn um über 60 Prozent deutlich.

Die Allianz Deutschland hat 2014 eine deutliche Steigerung bei Gewinn und Umsatz erzielt. Quelle: dpa

Zu beneiden ist Rieß dennoch nicht, denn vor ihm liegt eine große Aufgabe: Er muss die Allianz ins digitale Zeitalter führen. Immer mehr Kunden nutzen beim Abschluss einer Versicherung Online-Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox. Gleichzeitig drängen branchenfremde Konzerne wie Google ins Geschäft mit Versicherungen. Ähnlich wie bei der Autoindustrie oder den Produktionsprozessen in Fabriken verändert die Digitalisierung auch das Geschäftsmodell der Versicherer radikal. Besorgt fragt sich inzwischen mancher Allianz-Vertreter, ob er und seine kleine Agentur auf dem Land morgen noch gebraucht werden. „Werden wir bald eine reine Internetbude“, raunen sich Allianz-Mitarbeiter auf den Fluren in München zu.

Die Allianz drückt aufs Tempo: Zusätzlich zu den 100 Millionen Euro, die Rieß bislang in die Digitalisierung des Geschäfts investiert hat, hat er nun noch einmal 80 bis 100 Millionen Euro für digitale Innovationen zur Verfügung. Neue, für den digitalen Vertrieb maßgeschneiderte Produkte, will die Allianz mit dem Geld entwickeln. Vor allem aber müssen die Münchner die teils veraltete IT aufrüsten.

Im vergangenen Herbst präsentierte Rieß die Online-Plattform „MeinAuto digital+“, eine Kfz-Versicherung, eigens entwickelt für das Online-Geschäft. Der Kunde kann sich über das Produkt im Netz informieren, kann sich ausrechnen lassen, was es für ihn kostet und natürlich auch online abschließen. Allerdings: Er kann die Kfz-Versicherung auch auf dem alt hergebrachten Weg, nämlich beim Vertreter, abschließen.

Genau diese Kunden – Rieß nennt sie „hybride Kunden“ – werden künftig den Ton angeben, glaubt man in München: Der Kunde informiert sich online, will zur Unterschrift oder zur Schadensmeldung aber noch den Vertreter auf dem Sofa  sehen. Gut 37.000 Policen der Marke „MeinAuto digital+“ hat die Allianz bis heute verkauft. Ähnliche Online-Produkte der Risikolebensversicherung und der privaten Schaden- und Unfallversicherung bereiten die Münchner derzeit vor.

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Deutschlandweit arbeiten für die Allianz rund 13.000 Vertriebler in etwa 8300 Agenturen. Anders als Rieß, glauben manche Experten, dass in Zukunft deutlich mehr Kunden ihre Versicherung im Internet abschließen werden und sich dort nicht nur informieren. In Großbritannien etwa werden schon 80 Prozent aller Kfz-Policen online verkauft.

Sollten die Quoten, was einige Experten annehmen, auch in Deutschland in diese Richtung gehen, müsste sich manch ein Allianz-Vertreter in der Tat einen neuen Job suchen. Schon jetzt werden aus Altersgründen ausscheidende Allianz-Vertreter nicht mehr ersetzt. Der Bestand an Versicherungen wird dann anderen Vertretern übertragen.

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