Allianz und Co.: Versicherer auf neuen Wegen

Allianz und Co.: Versicherer auf neuen Wegen

, aktualisiert 21. Dezember 2011, 09:39 Uhr
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Schild des Rückversicherers Munich Re.

von Michael DeteringQuelle:Handelsblatt Online

Wohin mit den Kundenprämien? Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt belasten die Versicherer. Auf der Suche nach Anlagealternativen vergeben sie deshalb jetzt auch Kredite – oder investieren in Solarparks.

FrankfurtWenn ein Unternehmer einen Kredit benötigt, dann geht er zu seiner Bank. Oder zur Allianz. Die Münchener, die circa 450 Milliarden Euro verwalten, sind einer der Versicherer in Deutschland, die auch Darlehen an Unternehmen vergeben – insgesamt mehrere Milliarden Euro.

Auch andere Versicherer sind ins Geschäft mit Unternehmenskrediten eingestiegen. Die Statistiken des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft GDV zeigen, dass die Erstversicherer knapp ein Prozent der Gelder in Darlehen an Unternehmen investieren – rund zehn Milliarden Euro. Immerhin ist das doppelt so viel, wie die größte deutsche Sparkasse, die Haspa in Hamburg, an Geschäftskrediten vergeben hat.

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Die Chancen stehen gut, dass Versicherer künftig sogar noch mehr Unternehmenskredite vergeben. Denn strengere Aufsichtsregeln werden dazu führen, dass Banken restriktiver bei der Kreditvergabe werden, prognostizieren Experten – gerade bei langfristigen Darlehen. Zugleich suchen die Versicherer nach alternativen Anlagemöglichkeiten für ihre Kundengelder. Bislang stecken die meisten Prämieneinnahmen in festverzinslichen Wertpapieren, beispielsweise in Pfandbriefen oder Anleihen von Unternehmen oder Staaten. Doch die Zinsen sinken, und was ist schon wirklich sicher?

„Die Krise wird zu Verschiebungen beim Anlageverhalten führen“, sagt Eva Dewor, Geschäftsführerin und Versicherungsexpertin bei der Unternehmensberatung Accenture. Wahrscheinlichstes Szenario: Die Versicherer halten künftig weniger Staatsanleihen und investieren die frei werdenden Gelder in verschiedene Anlageklassen. Damit könnten auch bisherige Randbereiche wachsen. Schon heute geben Versicherer Darlehen an Unternehmen oder Häuslebauer, eröffnen Solarparks oder kaufen Stromtrassen.

„Als Versicherer sind wir vor allem an langfristigen und hochqualitativen Geschäften interessiert“, sagt Thomas Schneider, der bei der Allianz das Geschäft mit den Unternehmenskrediten verantwortet. Unternehmenskredite sind für die Versicherer besonders dann attraktiv, wenn die Bonität des Schuldners gut ist. Schließlich haben sie selbst viele langfristige Verpflichtungen, beispielsweise Lebensversicherungen, die erst in einigen Jahrzehnten fällig werden.

Die Schuldscheindarlehen der Allianz haben üblicherweise eine Höhe von mindestens fünf Millionen Euro, bei den Kunden handelt es sich um Unternehmen mit einem Umsatz ab 500 Millionen Euro. Die Schuldscheine laufen über drei bis zehn Jahre und haben einen festen Zinssatz. Schneider sieht Vorteile für beide Seiten: Für die Unternehmenskunden würden die langlaufenden Papiere Verlässlichkeit bedeuten, für die Versicherungskunden könne dauerhaft eine attraktive Rendite gesichert werden.


Windkraftwerke und Solaranlagen

Doch die Versicherer haben nicht nur Unternehmer im Visier, um ihr Portfolio zu diversifizieren. Die Allianz vergibt auch Hypothekendarlehen an Bauherren. Derzeit verwalte man eine Darlehenssumme von 13 Milliarden Euro, heißt es bei der Allianz Leben. Das sind rund acht Prozent der Kapitalanlagen, die der Lebensversicherer verwaltet. Auch andere Versicherer vergeben Darlehen mit einem festen Zinssatz von durchaus 25 Jahren oder sogar noch länger, was bei sicherheitsorientierten Bauherren gut ankommt.

Es ist noch unklar, ob die Versicherer künftig noch mehr Immobilienkredite vergeben werden. Der Baugeldvermittler Dr. Klein & Co. AG beispielsweise spürt zwar eine Belebung. Im ersten Halbjahr 2011 habe man mit rund 220 Millionen Euro rund 50 Prozent der Darlehen an Versicherungen und Versorgungskassen vermittelt – im Vorjahreszeitraum waren es nur 25 Prozent. Doch branchenweit sind die Zahlen eher rückläufig: Ende 2010 waren die Versicherer laut dem Verband GDV mit rund 55 Milliarden Euro in Hypothekendarlehen investiert, rund fünf Prozent der gesamten Kapitalanlagen. Ende 2005 waren es noch 62 Milliarden.

Die Allianz und der Rückversicherer Munich Re setzen auch stark auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien. Die Allianz hat bereits mehr als eine Milliarde Euro in Wind- und Solaranlagen investiert, die Munich Re eine halbe Milliarde. Mittelfristig will der Konzern 2,5 Milliarden Euro investieren.

Auch an Infrastrukturprojekten wie Stromnetzen oder Gaspipelines beteiligen sich die Versicherer. Als kürzlich RWE einen Großteil seiner Netztochter Amprion verkaufte, übernahm ein Konsortium von überwiegend deutschen Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und von Versorgungswerken 75 Prozent. Die Meag, der Vermögensverwalter der Munich Re und Ergo, beteiligte sich mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. „Das ist für uns ein ideales Investment, weil wir langfristig planbare und kalkulierbare Erträge aus dem Netzbetrieb erwarten“, so Meag-Geschäftsführer Dieter Wolf.

Einige Versicherer machen sich Gedanken über noch ungewöhnlichere Anlagen, aber zu große Risiken will keiner eingehen. So prüfte Generali, in das Geschäft mit notleidenden Krediten einzusteigen. Wer einen solchen Kredit kauft, spekuliert darauf, die Schulden noch eintreiben zu können oder die zugrunde liegenden Sicherheiten mit Gewinn zu verwerten. Generali erklärte im Sommer 2010, man wolle in maximal zweistelliger Millionenhöhe in den Markt einsteigen. Doch dann wurde das Geschäft wohl doch zu heiß. „Den Erwerb von Non-Performing-Loans haben wir unter Risikogesichtspunkten nicht weiter verfolgt“, sagt eine Sprecherin.


Quelle:  Handelsblatt Online
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