AOK: "Kunden wollen kein Geld zurück"

AOK: "Kunden wollen kein Geld zurück"

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Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/ Hamburg im Interview

von Anke Henrich

Wilfried Jacobs, der Chef der wohlhabenden AOK Rheinland/Hamburg will die Politik nicht an seine Kassen-Überschüsse lassen.

WirtschaftsWoche: Herr Jacobs, die AOK Rheinland/Hamburg hat 2011 rund 130 Millionen Euro Überschuss aus den Beiträgen ihrer Kunden erwirtschaftet. Warum weigern Sie sich, den Versicherten – wie von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr gefordert – etwas davon zurückzugeben?

Jacobs: Ich gebe es unseren Versicherten zurück. Aber nicht in Form einer einmaligen niedrigen Prämie von 60 Euro, sondern indem wir in die bessere Versorgung und Patientenbegleitung investieren. Wir fragen unsere Mitglieder immer wieder, ob Sie sich niedrigere Kassenbeiträge oder ein sich weiter entwickelndes Leistungsangebot wünschen. Zwei Drittel von ihnen bevorzugen das bessere Angebot.

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Trotzdem würde es doch jeder als legitim ansehen, zu viel bezahltes Geld zurückzuverlangen.

Es ist eben nicht eine Forderung unserer Kunden, sondern nur eine reflexartige Reaktion der Politik: Oh, es gibt einen Überschuss – na dann, schnell raus damit ans Wahlvolk! Aber es gibt Signale einer Konjunkturabkühlung. 2013 sieht es womöglich für alle Krankenkassen finanziell wieder schlechter aus. Noch dazu ist 2013 ein Wahljahr. Wer weiß, welche politischen Versprechen die Kassen dann noch finanzieren sollen. Wir haben glücklicherweise Rücklagen und müssen deshalb auch 2013 keinen Zusatzbeitrag von unseren Versicherten fordern. Aber ich bin überzeugt. Sobald 2013 die erste Kasse ins Minus rutscht, ruft ein Gesundheitspolitiker: Ja, haben die denn keine Rücklagen?

Trotzdem hat auch das Bundesversicherungsamt, das die meisten gesetzlichen Krankenkassen beaufsichtigt, zum Beispiel die Techniker Krankenkasse aufgefordert, wegen zu hoher Überschüsse Geld zurückzuerstatten.

Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen, das uns beaufsichtigt, kennt unsere Einnahmen und Kosten im Detail und hat uns nicht zu Prämienzahlungen aufgefordert. Eine kluge Entscheidung. Wirtschaftlich macht es auch keinen Sinn, jedem unserer zwei Millionen Mitglieder geringe Beiträge zu überweisen. Der Aufwand für die Aktion wäre enorm. Jeder Krankenkassen-Chef weiß das.

Warum soll eine individuelle Rückzahlung für eine Krankenkasse komplizierter sein als zum Beispiel für das Finanzamt?

Weil wir erstens, und da fängt das Missverhältnis von Aufwand und Nutzen an, jedes einzelne Mitglied anschreiben und um seine Kontoverbindung bitten müssen. Denn wir kennen die Konten von rund 90 Prozent unserer Versicherten überhaupt nicht, weil nicht sie selbst, sondern überwiegend ihre Arbeitgeber die Beiträge an uns überweisen. Selbst bei Konten, die wir kennen, weil wir schon einmal Leistungen überwiesen haben, müssten wir nachhaken, ob die Bankverbindung denn noch aktuell ist. Anschließend müssten wir zwei Millionen Datensätze eingeben und danach zwei Millionen Überweisungen veranlassen.

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