Ergo-Versicherung: Solide Geschäfte in der Image-Hölle

Ergo-Versicherung: Solide Geschäfte in der Image-Hölle

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von Andreas Toller

Die noch junge Versicherungsmarke Ergo leidet noch immer unter dem Budapester Sex-Skandal und den zahlreichen später bekannt gewordenen Lustreisen. Nun wurden auch Fälle fragwürdiger Geschäftsmethoden zum Nachteil der Kunden bekannt. Und trotz millionenschwerer Aufräumarbeiten gibt es immer neue Enthüllungen. Dem Image des Versicherungskonzerns und den Geschäften schadet das bislang jedoch kaum.

Es gibt Werbe- und Imagekampagnen, die gehen nach hinten los. Beispiel gefällig? Die Deutsche Bahn warb mal mit dem Slogan: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Aber das scheinbar so wetterunabhängige und zuverlässige Transportmittel für stressfreies Reisen musste dann doch über das Wetter reden. Erst kollabierten Fahrgäste in den Zügen, weil bei Extremhitze die Klimaanlagen ausfielen, dann kam im harschen Winter der Zugverkehr zum Erliegen, weil Schnee die Gleise unpassierbar machte. Das unterschwellig vollmundige Versprechen der Bahn erwies sich in den Augen der Kunden als ein leeres.

Wird ein prominentes Versprechen an die Kunden nicht eingehalten, ist es für ein Unternehmen mühsam und schwierig, den Vertrauensverlust wieder wett zu machen. Diese leidvolle Erfahrung macht der Versicherungskonzern Ergo seit eineinhalb Jahren. Als die Vorstandsetage 2010 beschloss, die Traditionsmarken Hamburg-Mannheimer und Victoria nicht weiter zu bewerben, sondern stattdessen Ergo als große Versicherungsmarke am Markt zu positionieren, wollten die Entscheider auch den Mief der traditionsreichen Versicherungsbranche abstreifen. Modernität war das erklärte Ziel, mit dem Slogan „Versichern heißt verstehen“ die Tür aufgestoßen zu mehr Kundennähe und Transparenz. Sogar eine „Verstehensgarantie“ gab der Finanzdienstleister.

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Doch Ergo wurde noch in der Aufbauphase der neuen Marke kalt erwischt – oder vielmehr heiß. Denn die Sex-Party von rund hundert Ergo-Vertretern in der Budapester Gellert-Therme auf Kosten der Versicherung ist nach ausführlicher Berichterstattung in den Medien als „Lustreise der Ergo“ in den Köpfen der Kunden fest verankert. Auch deshalb, weil sich seitdem ein Skandal an den nächsten reiht, die Enthüllungen kein Ende nehmen. Ergo ist zum Sündenfall der Versicherungsbranche geworden.

Versicherungen sind – wie generell alle langfristigen Geldgeschäfte – vor allem eines: Vertrauenssache. Wer die Berichterstattung über Ergo in den vergangenen Monaten verfolgt hat, zweifelt keine Sekunde an einer massiven Vertrauenskrise bei den Ergo-Kunden.

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