Ergo: Womit der Versicherer zu kämpfen hat

Ergo: Womit der Versicherer zu kämpfen hat

von Matthias Kamp

Ergo-Chef Markus Rieß kämpft an vielen Fronten. Zumindest ein langwieriger Prozess um die Lustreisen nach Budapest bleibt ihm nun erspart. Doch bei der Krise des Konzerns geht es um weit mehr als nur ein angeschlagenes Image.

Bis kurz vor Prozessbeginn versuchten die Anwälte der beiden Angeklagten, einen Deal mit dem Landgericht Hamburg auszuhandeln: Am Ende schließlich gelang die Einstellung des Verfahrens rund um die Sexreisen verdienter Vertreter der früheren Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer gegen Geldauflage. Eigentlich hätte das Verfahren am Donnerstag beginnen sollen. Mittwoch gingen die letzten noch ausstehenden 5000 Euro bei Gericht ein. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Munich-Re-Tochter und einen Geschäftsführer einer Eventagentur lauteten auf schwere Untreue und Beihilfe zur Untreue.

Ergo-Chef Markus Rieß ist es wohl recht, dass der Hamburger Prozess geplatzt ist. Denn sonst wären die alten, unschönen Geschichten auf einmal wieder da gewesen: Geschichten von Prostituierten mit bunten Bändchen am Handgelenk, von Vertretern die sich mit den Mädchen in der Budapester Gellert-Therme vergnügen.

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Vor fünf Jahren kamen die Incentive-Trips, mit denen die Ergo ihre besten Außendienstler belohnte, ans Licht. Heute muss Rieß den Düsseldorfer Versicherer durch die schwerste Krise seiner Geschichte führen, eine Krise, bei der es um weit mehr geht als ein angeschlagenes Image.

Im vergangenen Jahr verbuchte der drittgrößte deutsche Erstversicherer mit seinen weltweit rund 43.000 Mitarbeitern 227 Millionen Euro Verlust. Auch das laufende Jahr wird die Ergo mit einem Fehlbetrag abschließen. Das Unternehmen, einst hervorgegangen aus der früheren Hamburg-Mannheimer, der Victoria Versicherung, dem Krankenversicherer DKV und dem Rechtsschutzversicherer DAS, verliert weiter Marktanteile, arbeitet mit einer restlos veralteten Informationstechnik und hat noch keine schlüssige Antwort auf die Umwälzungen im Geschäft mit Lebensversicherungen, hervorgerufen durch die niedrigen Zinsen, gefunden – die Ergo ist ein schwerer Sanierungsfall.

PremiumMarkus Rieß "Eine schicke App allein reicht nicht"

Ergo hat immer noch mit Problemen zu kämpfen. Markus Rieß, der Chef des drittgrößten deutschen Erstversicherers, spricht über den Budapest-Skandal und sagt, wie das Unternehmen künftig wachsen will.

Markus Rieß Quelle: dpa

Ehrgeizige Sparziele

Rieß, der vor neun Monaten von der Münchner Allianz zur Ergo an den Rhein kam, will nun sparen, bis 2020 540 Millionen Euro. Dazu wird der frühere McKinsey-Berater unter anderem rund 1800 Vollzeitstellen streichen. Gleichzeitig will Rieß etwa eine Milliarde Euro investieren.

Allein gut 400 Millionen Euro steckt der Ergo-Chef in die Digitalisierung des Geschäfts, vor allem in die Modernisierung der veralteten IT-Infrastruktur. Die fünf verschiedenen Außendienstorganisationen sollen zu einer verschmelzen. Im kommenden Jahr wollen die Düsseldorfer außerdem eine neue Digitalmarke an den Start schicken.

Unter dem neuen Label will die Ergo zunächst Kfz-Versicherungen ausschließlich via Internet und Smartphone-App vertreiben; weitere Produkte sollen folgen. Das Geschäft mit den klassischen Lebensversicherungen mit Garantiezins lagert Rieß in eine separate Gesellschaft aus.

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