G-20: Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister

G-20: Versicherer schicken Brandbrief an die Finanzminister

, aktualisiert 02. November 2011, 15:10 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard: Unterzeichner des Brandbriefs.

Quelle:Handelsblatt Online

Versicherungskonzerne warnen vor mehr Regulierung und wollen nicht mit Banken in einen Topf geworfen werden. In einem offenen Brief an die G-20-Staaten kritisieren sie die lockere Geldpolitik. Was die Branche fordert.

Die großen Versicherer haben einen Brandbrief an die Finanzminister der G-20-Staaten verfasst. Sie warnen darin vor allem davor, dass die Branche weltweit mit den Banken in einen Topf geworfen wird. Verfasst hat das Schreiben die Interessenorganisation Geneva Association (GA), in der rund 80 große, weltweit tätige Versicherungskonzerne vertreten sind.

Unterschrieben wurde es von dem Vorstandsvorsitzenden des Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, der Präsident der Organisation mit Sitz in Genf ist.

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Der offene Brief hebt in erster Linie den möglichen Schaden hervor, der verursacht werden könnte, wenn die Regulierung für Banken auf die Versicherungsbranche übertragen würde. Begrüßt wird dagegen, dass in der Debatte um systemrelevante Finanzinstitute, sogenannte Sifi, nun zwischen Banken und Versicherern unterschieden werde.

Die Versicherer bitten allerdings darum, sehr sorgfältig die Folgen zu erwägen, wenn ein Unternehmen als möglicherweise systemrelevant identifiziert werde

Gefordert wird in dem Brief zudem, dass die Politik verschiedene Aufsichtsebenen sorgfältiger unterscheide. So sei es wichtig, die Detailkenntnisse von lokalen Aufsichtsbehörden über Versicherer anzuerkennen und zu berücksichtigen.

Als vierten Punkt heben die Versicherer die „extrem lockere Geldpolitik“ hervor. Sie warnen vor den negativen Folgen der anhaltenden Niedrigzinspolitik auf die Branche. Dadurch würde eine wesentliche Ertragssäule der Versicherer, die Erträge aus Kapitalanlagen, langsam aber sicher verringert. In dem Brief wird dafür der Begriff „erodieren“ gebraucht.

So bedeute eine Verringerung des Zinsniveaus um einen Prozentpunkt, dass die Erträge aus den Kapitalanlagen in der Branche weltweit um 226 Milliarden Dollar im Jahr sinken würden.

Ein Sprecher der Allianz erklärte auf Anfrage, man stehe inhaltlich voll hinter den Aussagen. Die Allianz ist Mitglied in der Geneva Association.

Mit ihrem Appell richtet sich die Branche an die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Sie bilden den Kreis der so genannten G20. An diesem Donnerstag und Freitag treffen sie sich in Cannes. Auf der Tagesordnung stehen die Reform des Währungssystems sowie schärfere Kapitalvorgaben für internationale Großbanken.


Deutschland fordert schärfere Regulierung

Die Geldhäuser sollen mittelfristig zusätzlichen Kapitalauflagen unterworfen werden. Davon betroffen seien zunächst 29 globale „systemrelevante“ Banken, hieß es in Regierungskreisen. Eine entsprechende Liste werde nach dem Gipfel veröffentlicht.

Ähnliche Anforderungen an Versicherer und Investmentfonds würden folgen, ebenso eine Liste national „systemrelevanter“ Institute. Mit dem Extra-Zuschlag wollen die G20 vermeiden, dass eine Pleite von Finanzriesen den gesamten Markt in Turbulenzen stürzt.

Deutschland pocht in der G20 zudem auf eine schärfere Regulierung der Finanzmärkte. Nicht alle zu erwartenden Beschlüsse des Gipfels gingen weit genug, hieß es in Regierungskreisen. Dies betreffe unter anderem eine weltweite Finanztransaktionssteuer. Unter anderem die USA und Großbritannien, aber auch Schwellenländer wie China und Indien lehnen die Abgabe bisher ab.

Die US-Regierung liege mit den Europäern zwar in dem Ziel auf einer Linie, dass die Finanzindustrie ihren „fairen Anteil“ an den Belastungen durch die Krise tragen und von riskanten Investments abgeschreckt werden müsse. Aber man halte eine Gebühr auf die

Verbindlichkeiten der größten Geldhäuser für die bessere Lösung.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fordert eine Führungrolle der EU für die weltweite Einführung einer Transaktionssteuer. Sollte beim G20-Gipfel keine Lösung gefunden werden, müsse die EU alleine weiter vorpreschen, sagte er der „Financial Times“.

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatten zuvor in einem Brief an die G20-Chefs ebenfalls eine globale Finanztransaktionssteuer gefordert.

In der Runde der Top-Wirtschaftsmächte will Berlin auch weitere Schritte zur Sanierung der Staatskassen anmahnen. Forderungen nach einer weiteren Aufstockung des Kapitals beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erteilte Berlin erneut eine Absage.

Quelle:  Handelsblatt Online
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