GDV-Jahrestagung: Versicherer entdecken Klimawandel als Prämienquelle

GDV-Jahrestagung: Versicherer entdecken Klimawandel als Prämienquelle

, aktualisiert 17. November 2011, 10:36 Uhr
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Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

von Thomas SchmittQuelle:Handelsblatt Online

Stürme, Überschwemmungen und Starkregen werden künftig viel mehr Schäden anrichten, betonte der Präsident des Versicherer-Verbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen. Kunden müssen nun mehr Geld für ihren Schutz ausgeben.

BerlinUnternehmen und Privatleute sollten sich wegen des Klimawandels auf höhere Prämien für Sachversicherungen einrichten. „Sturm- und Hochwasserereignisse werden in Deutschland in Zukunft häufiger vorkommen, schwerer und teurer sein“, erklärte der Präsident des Versichererverbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen, am Donnerstag in Berlin.

Auf der Jahrestagung der deutschen Versicherer hob er den Schutz vor Katastrophen als wichtigste Herausforderung für die Branche hervor. „Der Klimawandel ist vor unserer Haustüre angekommen. Deshalb müssen wir neben konsequenten Maßnahmen zur Schadenprävention unserer Elementarschadenversicherung in der Breite unserer Bevölkerung zum Durchbruch verhelfen.“

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Aus Sicht der deutschen Versicherer wird der Klimawandel viel stärkere Stürme und mehr Überschwemmungen bringen. „Was wir heute alle 50 Jahre sehen, werden wir künftig alle 25 Jahre haben. Die Wiederkehrperioden halbieren sich“, warnte auch Oliver Hauner, Klima-Experte im GDV, in dieser Woche auf der „Klimakonferenz NRW“ im Hause der Provinzial Rheinland.

Heute rechne man zum Beispiel 500 Millionen Euro Schaden durch Hochwasser pro Jahr. „In Zukunft dürfte diese Schadenerwartung deutlich steigen“, nannte er ein Beispiel. Starke Stürme, die bisher nur alle 50 Jahre einmal vorkamen, würden künftig sogar alle zehn Jahre erwartet.

Sind deutsche Häuser und Betriebe angesichts solcher Erwartungen überhaupt noch zu angemessen zu schützen? „Ja, trotz stark steigender Schäden. Deutschland bleibt versicherbar“, sagte Hauner. „Unser aktualisiertes Simulationsmodell zur Einschätzung von Hochwasserrisiken ist derart präzise, dass 99 Prozent aller Häuser problemlos vom Schreibtisch aus versichert werden können“, versicherte Hoenen. Aber, so der GDV: „Versicherungsschutz wird teurer“. Dabei gelte jedoch: Erst steigen die Schäden, dann die Prämien.

Aus der Sicht des Verbandes ist der Klimawandel elementar für die Branche. Denn die überwiegende Mehrheit der mehr als 400 Versicherer in Deutschland sind Schaden- und Unfallversicherer, die vor allem Wohngebäude, Autos und Hausrat versichern. Und es seien deutsche Rückversicherer, die als globale Marktführer an der finanziellen Bewältigung nahezu jeder Naturkatastrophe auf diesem Planeten beteiligt seien, lobte Hoenen in Berlin.

Zu den Vorreitern in dieser Sparte zählen die Branchenführer Munich Re und Swiss Re. Unter den großen Versicherern hat vor allem die Allianz einige Klimaschutzinitiativen gestartet. „Der Klimawandel steht als Thema für unsere Branche auch für Nachhaltigkeit, und Nachhaltigkeit ist eines der tragenden Fundamente des Versicherungsgedankens“, begründete Hoenen das stärkere Engagement der Versicherer auf diesem Gebiet.

Nun müssten die Bürger stärker über die zu erwartenden Gefahren aufgeklärt werden, forderte der Präsident des Branchenverbandes weiter. Mit dem Bundesland Bayern hätten die Versicherer schon in den zurückliegenden Jahren eine gemeinsame Informationskampagne gestartet. „So haben wir viele Menschen dort überzeugen können, sich gegen Unwetterrisiken zu versichern.“ Das sei so erfolgreich gewesen, dass in Sachsen eine vergleichbare Kampagne mit der dortigen Staatsregierung gestartet werde. Sachsen-Anhalt und Niedersachsen würden folgen, auch mit Rheinland-Pfalz fänden erste Gespräche statt.

Viele Versicherer haben sich gleichwohl vor der eigenen Tür auf das Thema Klimawandel und die Folgen erst halbherzig eingelassen. So gibt es unter den mehr als 400 deutschen Versicherern erst ein Unternehmen, das sich „Klimaschutz-Unternehmen“ nennen darf, weil auch im eigenen Hause viel für den Klimaschutz getan wird. Das ist die Provinzial Rheinland, mit Prämieneinnahmen von rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr die Nr. 18 in der Branche. „Der GDV orientiert sich ein wenig an uns“, merkte Provinzial-Vorstand Patric Fedlmeier in Düsseldorf an. GDV-Experte Hauner bestätigte dies: „Wir werden das Thema auch von Seiten des Verbands befördern.“

Derzeit dürfen sich 15 deutsche Gruppen aus allen Branchen „Klimaschutz-Unternehmen“ nennen. In der Initiative des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums sowie der Handelskammern werden Firmen ausgezeichnet, die Energieeffizienz und Klimaschutz in ihre Unternehmensstrategie integrieren, ihre Einsparerfolge dokumentieren und sich regelmäßig prüfen lassen. Etwas für den Klimaschutz zu tun, sei dabei auch wirtschaftlich interessant, sagte Sabine Zinzgraf, Expertin im Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK): „Immer mehr Unternehmen sehen Risiken bei den Energiekosten.“

Das Engagement der Klimaschutz-Unternehmen geht dabei weit über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinaus. So hat die Provinzial Rheinland auf einer Fläche von etwa 700 Fußballfeldern mehr als eine Million Bäume gepflanzt. „Wir haben unseren Energieverbrauch um 20 Prozent reduziert, unsere Energieversorgung auf grünen Strom umgestellt und durch die Unterstützung von Aufforstungsprogrammen mehrere tausend Tonnen klimaschädlichen Kohlendioxids gebunden“, schreibt Provinzial-Chef Ulrich Jansen in der 40 Seiten starken „Umwelterklärung 2011“ des Versicherers.

Auch in den Versicherungsprodukten der Rheinländer zeigt sich die Klimaausrichtung. Bereits 20 Prozent aller Kunden mit Wohngebäudeversicherung hätten inzwischen auch eine Versicherung gegen Elementarschäden abgeschlossen. Damit sind Starkregen, Hochwasser, Schneedruck und Erdbeben gemeint. Ziel der Provinzial Rheinland ist es, 30 Prozent ihrer Wohngebäude-Kunden insbesondere gegen Starkregen und Schneedruck zu sichern, heißt es in der Umwelterklärung.

Gerade in diesem Bereich ist das Schadenrisiko in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Provinzial-Vorstand Fedlmeier verwies in Düsseldorf etwa auf das Unwetter „Bert“ Ende August dieses Jahres. 17.000 Schäden zählte die Provinzial allein bei sich, 64 Millionen Euro Kosten entstanden dadurch.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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