Generali-Vorstandschef Liverani: „Die Lage ist ernst“

Generali-Vorstandschef Liverani: „Die Lage ist ernst“

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Liverani, ist seit April Vorstandschef von Generali Deutschland. Zuvor verantwortete der 51-Jährige für die italienische Mutter Generali Assicurazioni das Geschäft in Europa, Afrika und dem Nahen Osten.

von Matthias Kamp und Stephanie Heise

Der italienische Allianz-Rivale Generali hat dank kräftiger Zuwächse in der Lebensversicherung im zweiten Quartal mehr verdient. Um 16 Prozent stieg das operative Ergebnis auf 1,45 Milliarden Euro. Vorstandschef Liverani sieht für den Versicherer vor allem eine wichtige Baustelle: Er will den Menschen die Angst vor Datensammlern nehmen.

WirtschaftsWoche Online: Signor Liverani, Sie haben jede Menge Ärger mit einem Produkt, das noch gar nicht auf dem Markt ist: Datenschützer protestieren gegen Ihr geplantes Vitality-Programm für Lebens- und Krankenversicherungen. Dabei sollen Versicherte weniger zahlen, wenn sie Ihnen persönliche Daten liefern, die beweisen, dass sie gesund leben. Was sagen Sie dazu?
Herr Giovanni Liverani: Es ist mir ein Rätsel, warum manche Deutsche ihrer Versicherung so weit vertrauen, dass sie ihnen 30 Jahre lang jeden Monat Geld überweisen, aber bei Daten solches Misstrauen herrscht. Ein Versicherer unterliegt schließlich strengen Kontrollen – anders als Google oder Facebook, denen viele Menschen bedenkenlos private Daten geben. Ein Programm wie Vitality ist doch in jedermanns Interesse! Es motiviert die Menschen, gesünder zu leben. Und sie leben nun einmal besser, wenn sie weniger Fett essen, Sport machen und nicht rauchen. Dann sinken auch die allgemeinen Gesundheitskosten. Natürlich wollen wir Anreize für den Kunden setzen. Aber niemand zahlt bei uns mehr, nur weil er gerne Schweinshaxe isst oder nicht regelmäßig joggt.

Generali Deutschland in Zahlen

  • Das ist Generali

    Generali Deutschland ist nach der Allianz Deutschland der zweitgrößte Erstversicherer hierzulande. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter von Generali Assicurazioni in der norditalienischen Stadt Triest. Zu Generali Deutschland gehören unter anderem die Aachen-Münchener Versicherung, die CosmosDirekt, die Generali Versicherungen, der Rechtsschutzversicherer Advocard und die Central Krankenversicherung.

  • Umsatz

    17 Milliarden Euro

  • Versicherungsverträge

    34 Millionen

  • Kunden

    13,5 Millionen

  • Mitarbeiter

    13 700

Sie erziehen Ihre Kunden also?
Wir motivieren sie! Generali Vitality, das im ersten Halbjahr 2016 auf den Markt kommen soll, ist ein Konzept mit vielen Modulen. Das Vitality-Programm und das Versicherungsprodukt werden rechtlich und organisatorisch voneinander getrennt, voll im Einklang mit den Datenschutzbestimmungen. Wir bekommen nur den Vitality-Status übermittelt, den ein Kunde mit seiner gesunden Lebensweise erreicht hat. Teilnehmen kann jeder – egal, ob jung oder alt, ob krank oder gesund – und muss keiner. Dann gibt es zum Beispiel Rabatte für den Bioladen oder das Fitnessstudio. Wir werden neue Tarife anbieten, bei denen wir bei Vertragsabschluss bestimmte Informationen zur Lebensweise abfragen. Über eine technische Plattform kann der Kunde auf verschiedenen Kanälen wie Internet, Callcenter oder per App in Interaktion mit dem Programm treten. Grundsätzlich gilt: Wenn der Kunde bereit ist, Vitality Daten zu überlassen, profitiert er davon.

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Gilt das auch für Fahrerdaten bei der Kfz-Versicherung?
Ja. Generali hat in Italien bereits eine Million Kunden, deren Autos mit einer Blackbox ausgestattet sind, die Fahrerdaten speichert. Bei angemessener Fahrweise zahlt der Kunde für seine Versicherung deutlich weniger. Solche Telematik-Tarife werden wir Anfang 2016 auch in Deutschland anbieten.

Ist der Datenschutz in Italien denn laxer?
Nein. In Italien vertrauen die Menschen aber darauf, dass eine Versicherung nicht nur mit ihrem Geld sorgsam umgeht, sondern auch mit ihren Daten.

Welche datenbasierten Policen wollen Sie in Deutschland noch anbieten?
Wir arbeiten an einem Produkt, bei dem ein intelligentes Thermostat im Haus erkennt, ob jemand daheim ist. Ist jemand öfter zu Hause, verbilligt sich zum Beispiel die Diebstahlversicherung, weil es unwahrscheinlicher ist, dass eingebrochen wird.

Es heißt in der Branche, Google könnte in Deutschland schon bald Versicherungen vertreiben. Bedroht das Ihr Geschäft?
Ich habe keine Angst vor Google. Google kann nicht in einem regulierten Umfeld überleben, Google braucht Freiheit und Flexibilität. Interessant für uns finde ich den Effekt, den Google auf die Kunden hat. Jemand, der über Google zu Booking.com kommt und dort ein Hotel bucht, erwartet, dass er auch eine Versicherungspolice unkompliziert online abschließen kann. Das funktioniert leider meistens nicht. Hier haben wir als Branche noch Defizite.

Was planen Sie, um die zu beseitigen?
Generali ist in Deutschland viel zu kompliziert organisiert. Wir müssen unsere Struktur stark vereinfachen und Komplexitäten reduzieren. Ich will unter anderem die Kosten in den weniger kundenrelevanten Stabsbereichen um 30 Prozent senken.

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