Kapitalausstattung: China bringt seine Versicherer auf Trab

Kapitalausstattung: China bringt seine Versicherer auf Trab

, aktualisiert 11. Dezember 2011, 16:03 Uhr
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Die Firmenzentrale von New China Life in Peking.

von Finn Mayer-KuckukQuelle:Handelsblatt Online

Chinas Versicherungsbranche steht vor einer groß angelegten Aufräumaktion: Die Finanzaufsicht verlangt eine bessere Kapitalausstattung. Westlichen Konkurrenten bietet die geplante Deregulierung Chancen.

PekingWenn ein Versicherer mitten im Bärenmarkt neue Aktien ausgibt, dann liegt die Vermutung nahe, dass er schnell frisches Kapital benötigt. Das gilt auf jeden Fall für den chinesische Anbieter New China Life, der seit gestern in Schanghai Bestellungen für seinen bevorstehenden Börsengang annimmt. Eine doppelte Erstnotiz in Schanghai und Hongkong soll 1,7 Milliarden Euro einspielen - dringend benötigtes Geld, da die chinesische Regierung von der gesamten Branche höhere Liquidität verlangt.

"Die möglichen Quellen zum Auffüllen der Kapitalbasis der Versicherer sind begrenzt", sagte Chen Wenhui, Vizechef des zuständigen Regulierers. New China Life gibt in seinem Verkaufsprospekt dementsprechend offen zu, vor allem sein Eigenkapital stärken zu wollen.

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Chinas Versicherungsbranche steht vor einer groß angelegten Aufräumaktion. "Die Aufsichtsbehörden und die Marktteilnehmer suchen nach Wegen, die Reformen zu vertiefen und drängende Probleme zu lösen", meint Wu Dingfu, der scheidende Chef der chinesischen Versicherungsaufsicht Circ, in einem aktuellen Interview mit dem Magazin "Caixin". Die Kapitalausstattung der Branche lasse zu wünschen übrig, so Wu. Viele Produkte seien nicht konkurrenzfähig, während die Ausgaben zur Schadensbegleichung stark zunehmen.

Die Hoffnungen auf einen Neustart liegen nun bei Wus Nachfolger Xiang Junbo, dem frisch ernannten Chef der China Insurance Regulatory Commission (Circ). Xiang hat bereits eine ganze Reihe von schwierigen Restrukturierungen erfolgreich durchgezogen. Als Chef der Agricultural Bank of China (ABC) hat er das einst rückständige Institut erst profitabel gemacht und es dann an die Börse bugsiert. Der Ex-Militär bringt zudem einen guten Draht zum allmächtigen Zentralkomitee der Kommunistischen Partei mit. Die Branche erwartet von dem 54-Jährigen eine gute Balance zwischen Markt und Regulierung.

Auch westliche Versicherer können eine stärkere Rolle dabei spielen, die chinesische Assekuranzbranche auf Trab zu bringen. "Der Markt ist nicht mehr in der Startphase. Jetzt sind reifere Produkte und Vertriebsmethoden gefragt", sagt Wang Qingqing, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Versicherung bei der EU-Handelskammer in Peking. China könne von einem besserem Marktzugang westlicher Firmen wie Axa, Allianz oder Société Générale deutlich profitieren - Konkurrenz belebt das Geschäft.

Der Ruf ist beschädigt

Chinas Versicherungsmarkt befindet sich in einer Übergangsphase. Als Regulator Wu im Jahr 2003 sein Amt übernahm, versprach er: "In fünf oder zehn Jahren wird die Versicherungswirtschaft unseres Landes groß und stark sein." Er hat damit grundsätzlich recht behalten - allerdings nur mit Abstrichen. Tatsächlich konnten die Anbieter ihr Geschäft stark ausweiten und konnten ihre Praktiken bereits professionalisieren. Mit Drückerpraktiken haben einige einheimische Anbieter jedoch den Ruf der Produkte nachhaltig geschädigt. Zudem haben sie im Expansionsrausch nicht darauf geachtet, sich ein entsprechend dickes Finanzpolster anzulegen. In der aktuellen Wertpapierkrise rächt sich das nun. Die Quittung erhalten die Konzerne in Form fallender Aktienkurse: Die Marktführer China Life und Ping An haben seit Jahresbeginn in Hongkong 41 Prozent verloren.

Eine weitere Schattenseite: Um den einheimischen Spielern eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, hat China den Marktzugang für die ausländische Konkurrenz stark reguliert. Während der Vorbereitung des Beitritts zur Welthandelsorganisation WHO vor zehn Jahren wollte die chinesische Regierung die Versicherungswirtschaft davor schützen, von starken internationalen Konkurrenten überrannt zu werden.

Heute haben die Chinesen jedoch auf ihrem Heimatmarkt eine unangefochtene Stellung - indes die Einschränkungen sind immer noch da. Eine starke Lobby gerade aus dem Lager der staatseigenen Marktführer verhindert tiefgreifende Veränderungen. In der mächtigen Entwicklungs- und Reformkommission (DRC) herrscht immer noch die Sichtweise vor, Chinas Anbieter seien den westlichen Wettbewerbern nicht gewachsen. "Aber korrekte Analysen liegen auf dem Tisch, und eine Deregulierung ist definitiv in der Diskussion", sagt ein Kenner der internen Vorgänge.

Aktualisierte Bestimmungen sehen vor, dass Versicherer ihre eigenen Vertriebsleute nicht mehr in die Bankschalterhallen setzen dürfen. Das Prämienwachstum über die Banken als Vertriebskanal sei danach "dramatisch gesunken", sagt Wang. Die Neuregelung sei jedoch insgesamt zum Vorteil der Versicherungsbranche: Die Vertreter hätten Bankkunden oft von sich aus angesprochen und sie mit zweifelhafter Beratung zum Abschluss einer Police gebracht. Mancher fühlte sich hinterher übers Ohr gehauen.

Versicherungen gelten jedenfalls als wichtiger Baustein für die weitere Modernisierung Chinas. Weil die soziale Absicherung schlecht ist, sparen die Bürger des Reichs der Mitte einen Großteil ihres Einkommens. Sie haben aber nur wenig Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Auf Bankkonten gibt es weniger als ein Prozent Zinsen bei einer Inflationsrate von über fünf Prozent. Deshalb investieren die Leute ihr Geld hauptsächlich in Immobilien, was eine Blase aufbläht. Wenn die Politik die Marktbedingungen der Versicherer nur ein wenig verbessern würde, dann könnte ein größerer Teil der Anlegergelder hierhin fließen", sagt Ex-Aufseher Wu Dingfu. Das könnte die Absicherung verbessern und den Leuten für ihr Geld eine vernünftige Anwendung bieten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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