Kostspieliges Problem: Versicherungen machen mobil gegen Betrüger

Kostspieliges Problem: Versicherungen machen mobil gegen Betrüger

von Kerstin Dämon

Aus Schaden wird man reich: Jeder Zehnte versucht, seine Versicherung zu betrügen. Für die Versicherer wird das zum kostspieligen Problem. Wie sie potenziellen Betrügern besser auf die Schliche kommen wollen.

Versicherungsbetrug ist einer aktueller Studie zufolge ein wachsendes und teures Problem für viele Versicherer in Europa. Die Beratungsgesellschaft Accenture schätzt den europaweit verursachten Schaden für die Unternehmen auf acht bis zwölf Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel der befragten Versicherer (71 Prozent) gaben demnach an, dass sie einen spürbaren Anstieg bemerkten. Laut der Erhebung ist die Anzahl der Betrugsfälle in den vergangenen 36 Monaten um durchschnittlich zehn Prozent gestiegen. Mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Befragten geht zudem von unberechtigten Schadenszahlungen in Höhe von fünf bis acht Prozent aus.

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"In Deutschland beläuft sich der Schaden pro Jahr auf gut vier Milliarden Euro", sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diesen Schaden tragen alle Versicherten, weil die Tarife teurer werden. Ein genereller Anstieg der Betrugsfälle in Deutschland sei aber nur schwer zu belegen, auch die Aufklärungsquote lasse sich statistisch schwer erfassen, es gebe lediglich belastbare Schätzungen. "Etwa jeder zehnte gemeldete Schaden ist ein Betrugsfall", so Rüter de Escobar.

Wobei man natürlich zwischen den einzelnen Versicherungsarten unterscheiden müsse. So sei bei den Unfallversicherungen natürlich nicht jede zehnte Verletzung getürkt. Besonders beliebt bei Betrügern sind die private Haftpflichtversicherung und die Kfz-Versicherung. Bei ersterer gibt es besonders viele Betrugsfälle bei technischen Geräten wie Laptops oder Smartphones, so die Expertin. "Wenn die neue iPhone-Generation herauskommt steigt die Anzahl der gemeldeten Schäden bei alten Geräten deutlich an. Eingehendere Prüfungen bestätigen, dass bei über der Hälfte der Fälle der geschilderte Schaden nicht plausibel ist, also wahrscheinlich ein Betrugsversuch sind. " So gebe es ganz typische Schadensmeldungen, bei denen der Gutachter sofort erkennen könne, dass sich der Schaden so nicht ereignet haben kann. "Wenn der Sachbearbeiter dann sagt: 'Schick das Handy doch mal ein', passiert nichts mehr", weiß Rüter de Escobar.

Prüfung ist Ermessenssache

Doch Bauchgefühl alleine genügt scheinbar nicht: "Versicherungsbetrug bei europäischen Sach- und Haftpflichtversicherungen ist einer der größten Treiber für zu hohe Schadenskosten", sagt Thomas Meyer, Managing Director bei Accenture und Leiter der Versicherungspraxis in Europa, Afrika und Lateinamerika. Viele Betrüger haben Glück, weil noch zu wenig Versicherungen Warn- und Analysesysteme nutzen. So sagt auch Rüter de Escobar, dass es im Ermessen des Unternehmens liegt, ob eine Versicherung jeden gemeldeten Schaden prüft, oder nur stichprobenartig die Gutachter losschickt. Immerhin: "Viele Betrüger hoffen, dass kleinere Schäden bis zu einer bestimmten Höhe generell nicht geprüft werden. Das gibt es nicht mehr."

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