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Krankenkassen: "Teurere Leistungen zum selben Beitrag - das funktioniert nicht"

von Anke Henrich

Für die Krankenversicherten wird es teurer: Der Chef der Techniker Krankenkasse erwartet langfristig steigende Beiträge. Im Interview rechnet Norbert Klusen zudem mit Politikern ab und kritisiert unsolide wirtschaftende Konkurrenten.

Norbert Klusen Quelle: Laif
Norbert Klusen, Chef der Techniker Krankenkasse, kritisiert unsolide Krankenkassen Quelle: Laif

WirtschaftsWoche: Herr Klusen, während viele, auch große Krankenkassen in Schwierigkeiten stecken, steht die Techniker (TK) gut da. Was machen Sie besser?

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Klusen: Wir haben gute Zeiten dafür genutzt, die TK umzubauen. Wir haben Tätigkeiten und Kompetenzen gebündelt. Wir bieten mehr Online-Beratung und Telefondienste als andere. Elektronische Postdokumentation und -bearbeitung sind bei uns schon lange Alltag. Zudem haben wir an mehr Orten als früher Geschäftsstellen, die wir aber verkleinert haben. Dadurch haben wir auch die Produktivität um 50 Prozent gesteigert: Jetzt kommt ein Vollzeitmitarbeiter auf 900 Kunden.

Wie finden Ihre rund 11.700 Mitarbeiter denn dieses straffe Effizienzprogramm?

Manchmal anstrengend, aber wir machen keine Kompromisse zugunsten der Bequemlichkeit der Mitarbeiter, genauso wenig wie um die Befindlichkeiten unserer Führungskräfte. Und trotzdem wurden wir mehrfach als guter Arbeitgeber ausgezeichnet, weil wir viel tun für unsere Mitarbeiter. Wir investieren viel in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in den Führungskräftenachwuchs und in die Weiterbildung. Und in schlanken Strukturen arbeitet es sich eben auch besser als in überbürokratisierten.

Kennzahlen der Techniker Krankenkasse
Kennzahlen der Techniker Krankenkasse (für eine vollständige Ansicht bitte klicken)

Wie stark profitiert die TK von ihrer Größe mit rund acht Millionen Versicherten und mehr als 21 Milliarden Euro Etat dieses Jahr für Gesundheitsleistungen?

Kleine Kassen können vieles nicht, sie sind etwa bei der Vertragsgestaltung mit Kliniken oder Pharmaherstellern oft nur Trittbrettfahrer, und politischen Einfluss haben sie auch nicht. Ohne den können sie aber keine Veränderungen anstoßen.

Aber manch kleiner Betriebskrankenkasse geht es sogar so gut, dass sie ihren Versicherten Geld zurückzahlt. Das macht die Techniker nicht.

Wir setzen auf langfristige Beitragsstabilität.

Der Gesundheitsfonds, der die Beiträge aller gesetzlich Krankenversicherten sammelt und an die Kassen weiterleitet, verteilt 2012 wohl rund 185 Milliarden Euro. Reicht das aus Ihrer Sicht?

Im Moment ja, aber langfristig müssen die Menschen trotz aller Sparbemühungen im System bereit sein, mehr Geld in ihre Gesundheit zu investieren, wenn sie am medizinischen Fortschritt teilhaben wollen. Teurere Leistungen zum selben Beitrag – das funktioniert nicht.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2012, 09:13 UhrAnonymer Benutzer: DerPaulwars

    Gute Fragen und offene Antworten - Vielen Dank für diesen Artikel! Bitte mehr davon.
    Politiker mit Mut und Standpunkten gibt es nicht (mehr?) in unserem Land. Dafür eine "Mutti" die das System Kohl (Machterhalt und Aussitzen) perfektioniert hat. So braucht man keine grundlegenden Reformen erwarten.

  • 08.02.2012, 15:10 UhrAnonymer Benutzer: Wegweiser

    Die Einführung des Euros, die seit dieser Zeit stagnierende Realentgeltfindung, der damit verbundene Gesundheitsfonds, wo die Finanzströme undurchsichtig sind, diese Problemfelder haben zu dieser Entwicklung geführt.

    Gesundheitsreform, Arbeitsmarktreform, die Euroeinführung, die fehlerhafte Finanzierung der wirtschaftlichen Wiedervereinigung Deutschlands, dies sind die wahren Ursachen dieser Entwicklung.

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