Lebensversicherung: Allianz will an Garantieprodukten festhalten

Lebensversicherung: Allianz will an Garantieprodukten festhalten

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Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten bietet die Allianz weiterhin Klassikprodukte mit Garantiezins an.

von Matthias Kamp

Eigenwillige Strategie: Anders als viele Konkurrenten wollen die Münchner weiterhin Produkte mit garantierter Verzinsung verkaufen.

Zuletzt hatte die Düsseldorfer Ergo Versicherung verkündet, sie werde keine Lebensversicherungen mit einer garantierten Verzinsung mehr anbieten. Im Frühjahr hatte bereits die Generali Deutschland, nach der Allianz der zweitgrößte Versicherer hierzulande, erklärt, man werde solche Garantieprodukte aus dem Angebot nehmen.

Nicht so der Marktführer Allianz. „Aus Kundensicht sind die Klassikprodukte mit Garantiezins nicht sinnvoll“, sagt zwar Manfred Knof, Vorstandchef der Allianz Deutschland in München, „aber wir haben die finanzielle Stärke, sie zu stemmen.“ Und so lange es Kunden gibt, die solche Policen zeichnen wollen, will die Allianz sie weiter verkaufen. Auch ein Verkauf von Altverträgen wie ihn die Allianz SE, Muttergesellschaft der Allianz Deutschland, kürzlich für ausländische Verträge angekündigt hatte, kommt für Knof nicht in Frage.

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Es ist eine Strategie, die bei manchen Analysten Kopfschütteln hervorruft. Bei der klassischen Lebensversicherung garantiert der Versicherer dem Kunden am Anfang der Laufzeit eine jährliche Verzinsung auf die eingezahlten Beiträge. Zurzeit sind das 1,25 Prozent. Versicherer wie Allianz und Ergo sitzen auf riesigen Beständen an alten Lebensversicherungen mit garantierten Verzinsungen von teilweise noch vier Prozent. Wegen der historisch niedrigen Zinsen ist es aber für die Branche immer schwieriger, bei der Kapitalanlage diese Erträge zu erwirtschaften. Für mache Analysten und die Finanzmarktaufsicht sind die alten Zusagen der Versicherer darum eine tickende Zeitbombe. Nicht alle Anbieter, so die Befürchtung, dürften die Niedrigzinsphase überleben.

Versicherungs-Chinesisch: Wie Sie Ihren Bescheid richtig lesen

  • Leistungsübersicht

    Sie zeigt zum Stichtag (zum Beispiel "Stand 01.06."), was gezahlt wird, wenn der Versicherte bis Vertragsende durchhält, wenn er vorzeitig kündigt oder falls er stirbt.

  • Garantierte Kapitalleistung

    Ergebnis aus den mit dem Garantiezins verzinsten Beiträgen. Angelegt und verzinst wird nur der Sparanteil der Beiträge. Der bleibt übrig, nachdem Vertriebs- und Verwaltungskosten abgezogen wurden. Bei guten Versicherern werden 80 Prozent der Einzahlungen als Sparanteil angelegt und verzinst, bei teuren nur 60. Was garantiert ist, hat der Kunde sicher, wenn er den Vertrag bis zur Fälligkeit behält.

  • Überschussbeteiligung

    Erwirtschaften Versicherer mit Kapitalanlagen mehr als den Garantiezins, gibt es für den Kunden noch etwas oben drauf. Von den Zinsüberschüssen müssen sie mindestens 90 Prozent an die Kunden auszahlen. Im Bescheid steht der Betrag als garantierte Leistung aus Überschussbeteiligung. Von Gewinnen, die darüber hinaus entstehen, wenn der Versicherer etwa die Verträge günstiger führt als zuvor berechnet, fließen maximal 75 Prozent in die Überschussbeteiligung. Aus Überschüssen, die den Kunden zustehen, speisen sie auch die Zinszusatzreserve. Die Branche bunkert dort aktuell 13,3 Milliarden Euro. Jetzt ausgezahlte Verträge profitieren davon nicht. Wenn weitere Überschüsse bleiben, dürfen die Versicherer ihr Grundkapital mit mindestens vier Prozent verzinsen. Das passiert derzeit selten.

  • Mögliche künftige Leistung aus Überschussanteilen

    Garantiert dem Kunden gutgeschrieben wird ein Teil der jährlichen Überschüsse, den Rest hält der Versicherer bis Vertragsende in der Kasse. Diese Leistung wird oft auch Schlussgewinn genannt. Dessen Höhe ist nicht gesetzlich geregelt. Verträge mit hohem Garantiezins haben oft magere Schlussgewinne, die bei Kündigung wegfallen können.

  • Leistung bei Rückkauf

    Die Summe bekommen Kunden, die kündigen, zum angegebenen Stichtag. Der genannte Betrag im Bescheid ist garantiert, der Rest sind unverbindliche Beteiligungen an Überschüssen.

  • Bewertungsreserven

    Sie entstehen durch Kursgewinne auf die vom Versicherer gehaltenen Wertpapiere. In einem Beispielfall stellte die Versicherung sieben Monate vor Wirksamwerden der Vertragskündigung noch eine Schlusszahlung aus Bewertungsreserven in Höhe von 6629 Euro in Aussicht. Mit der Kündigung zum 1. Januar 2014 schrumpfte der Betrag auf 4896 Euro. Ob das in Ordnung geht, kann nur die Aufsicht BaFin nachrechnen. Tipp: Wenn Sie Ihren Versicherer nach dem "Sockelbetrag" und dem "volatilen Anteil an den Bewertungsreserven" fragen, kann er sie nicht mit pauschal zu niedrigen Werten abspeisen.

Sicherlich ist es für ein Schwergewicht wie die Allianz mit ihrem dicken Kapitalpolster einfacher, die über Jahrzehnte gegenüber den Kunden gemachten Zusagen zu stemmen. Allerdings dürften auch für die Münchner die Altverträge in Zukunft zu einer höheren Belastung werden.

„Wir wollen den Kunden nicht bevormunden“, begründet Markus Faulhaber, Chef der Allianz Lebensversicherung, die eigenwillige Entscheidung, an den klassischen Produkten festhalten zu wollen. Rasch fügt er hinzu, wegen der hohen Reserven könne man sich das schließlich leisten. „Wir schließen keine Türen zu, sondern wollen neue aufschließen“, ergänzt Knof.

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Neue Türen aufschließen wollen Knof und Faulhaber mit Hilfe einer Reihe neu entwickelter Lebensversicherungen. Bei der Allianz heißen sie etwas irreführend „Produkte mit neuen Garantien“. Garantiert ist bei den Policen nämlich gar nichts, außer – bei dem Produkt Perspektive beispielsweise – die eingezahlten Beiträge. Am Schluss der Laufzeit wird dann die Verzinsung festgelegt. Andere Lebensversicherungsprodukte der Allianz wie Index Select, Invest Alpha-Balance oder Invest investieren deutlich höhere Quoten in Aktien und sind damit chancenorientierter, aber auch risikoreicher. Die Allianz-Vertreter haben den Auftrag, die neuen Produkte am Markt zu pushen. Doch sind die Kunden, gerade bei den risikoreicheren Produkten, noch zurückhaltend, wie Faulhaber feststellt.

Zurzeit haben die neuartigen Policen am Neugeschäft der Allianz mit Produkten für die private Altersvorsorge einen Anteil von 65 Prozent. In den kommenden Jahren soll dieser auf 85 Prozent steigen. Beim gesamten Altersvorsorgegeschäft, also inklusive der betrieblichen Altersvorsorge, der Allianz machen die klassischen Garantieprodukte noch 52 Prozent am Neugeschäft aus. Knof und Faulhaber gehen davon aus, dass die Quote in den kommenden drei Jahren auf etwa 25 Prozent sinkt.

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