Rückversicherer: Hannover Rück übertrumpft Munich Re

Rückversicherer: Hannover Rück übertrumpft Munich Re

, aktualisiert 09. November 2011, 10:01 Uhr
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Zentrale der Hannover Rück: Die Marktturbulenzen belasten den Konzern.

von Thomas SchmittQuelle:Handelsblatt Online

Der zum Talanx-Konzern gehörende Versicherer hat in den ersten neun Monaten mehr verdient als der große Konkurrent aus München. Das Ergebnis der Kapitalanlage stieg trotz der Börsenturbulenzen.

MünchenDie Hannover Rück verkraftet Schäden aus Naturkatastrophen und die Schuldenkrise besser als der weltgrößte Rückversicherer Munich Re. Der Konzerngewinn fiel in den ersten neun Monaten zwar um ein Drittel auf 381,7 Millionen Euro. Doch das ist ein vergleichsweise moderater Rückgang, wenn man dies mit Munich Re vergleicht. Deren Ergebnis brach von 1,96 Milliarden Euro auf 80 Millionen Euro ein. Damit hat der wesentlich kleinere Konkurrent in diesem Jahr bisher mehr also vier Mal so viel verdient wie der weltgrößte Rückversicherer.

Vorstandsvorsitzender Ulrich Wallin erklärte, die Zahlen stellten eine gute Grundlage dar, das Gewinnziel für das Gesamtjahr von mindestens 500 Millionen Euro zu erreichen. In einer Telefonkonferenz betonte Finanzvorstand Roland Vogel, dass die Eigenkapitalrendite von 11,1 Prozent „exakt dem Ziel“ entspreche. Kritik einer Ratingagentur an der Kapitalausstattung der Gruppe wies er zurück: „Unsere Eigenkapitalausstattung war nie so hoch wie im Moment“, sagte Vogel. „Wir würden nicht über eine Erhöhung der Dividende diskutieren, wenn wir Kapitalknappheit hätten.“

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Seine Dividendenaussage bezog Vogel dabei auf das Ziel, etwa 40 Prozent des voraussichtlichen Jahresgewinns an die Aktionäre auszuschütten. Dies entspräche gemessen am Gewinnziel etwa einer Dividende je Aktie von 1,65 bis 1,75 Euro. Für das vergangene Jahr hatte die Gruppe dagegen 2,30 Euro je Aktie gezahlt, weil aufgrund von Sondereffekten ein Rekordgewinn von 749 Millionen Euro angefallen war. Ob die Hannover Rück die „magische Marke“ von zwei Euro Ausschüttung je Aktie ins Auge fasst, wollte Vogel jedoch nicht bestätigen. Eine starke und stabile Dividende will auch Munich Re zahlen, wie der Konzern am Dienstag erneut erklärte.  

Die Rückversicherer machen vor allem mit anderen Versicherern Geschäfte und sind Spezialisten für den Schutz vor Großschäden. Im ersten Halbjahr musste die Branche vor allem Milliardenschäden aus den Naturkatastrophen in Australien, Neuseeland und Japan in ihren Bilanzen verkraften.  


Zufriedenheit trotz turbulenten Zeiten

Im dritten Quartal stand dagegen die Schuldenkrise im Mittelpunkt. So wiesen beide deutsche Rückversicherer einen deutlichen Gewinnrückgang aus. Bei Munich Re fiel er um mehr als 60 Prozent auf 290 Millionen Euro, bei Hannover Rück sank das Ergebnis um 40 Prozent auf 163 Millionen Euro. Neben hohen Belastungen durch Naturkatastrophen sei der Jahresverlauf auch von den anhaltenden Unsicherheiten auf dem Kapitalmarkt geprägt gewesen, erklärte Munich Re.

Die Börsenentwicklung stellte dabei für die Hannover Rück ein geringeres Problem dar. Im Quartal fiel das Ergebnis aus Kapitalanlagen zwar, weil Verluste aus verschiedenen Derivaten anfielen, unter anderem zur Absicherung gegen Inflation. Auffällig war jedoch, dass das Ergebnis der Kapitalanlagen in den ersten neun Monaten gestiegen ist: von 872,2 Millionen Euro auf 950,8 Millionen Euro.

Trotz der Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten sei man mit dieser Entwicklung recht zufrieden. Dies liege insbesondere auch daran, dass der Bestand an börsennotierten Aktien seit dem 1. Quartal nur noch sehr gering sei und hier folglich kaum Belastungen angefallen seien. Vogel geht davon aus, dass die Hannover Rück auch im nächsten halben Jahr keine Aktien kaufen werde.

„Bei den Anleihen verfolgen wir nach wie vor die Politik eines diversifizierten Portefeuilles”, erläuterte Vorstandschef Wallin. In Staaten der Eurozone mit hohen Risikoaufschlägen sei man nur gering engagiert. Gemessen an den gesamten selbstverwalteten Kapitalanlagen betrage der Anteil rund 1,5 Prozent. „Papiere von griechischen Emittenten halten wir nicht in unserem Portefeuille”, erklärte Wallin.


Empfehlung für die Aktie

Munich Re hatte dagegen die Kapitalanlagen als Hauptgrund für das schlechter als erwartete Abschneiden im dritten Quartal genannt. Der Gewinn aus den Investments sank im Quartal um 39 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro. Hier hatten Experten rund 300 Millionen Euro mehr erwartet. Im dritten Quartal waren die Aktienkurse weltweit gefallen, außerdem standen viele Staatsanleihen wegen der überbordenden Schulden unter Druck.

Insgesamt sank das Kapitalanlageergebnis der Gruppe in den ersten drei Quartalen 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33,9 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das entspreche einer annualisierten Rendite von 3,3 Prozent des durchschnittlichen Kapitalanlagebestands zu Marktwerten.

Die Hannover Rück erreichte dagegen nach eigenen Angaben eine Anlagerendite von 3,6 Prozent, was über dem Zielwert von 3,5 Prozent liege. Auch für das kommende Jahr geht Finanzvorstand Vogel davon aus, dass solche Werte zu erreichen sind. Nur wenn das Zinsumfeld auf Dauer so niedrig wie derzeit bleibe, müsse man diese Ziele überdenken und dann eventuell auch die Kalkulation der Rückversicherungspreise ändern. „Das niedrige Zinsumfeld muss in den Rückversicherungspreisen berücksichtigt werden“, sagte Vogel.

Der Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research bestätigte nach den Zahlen seine Kaufempfehlung für die Aktie. Das Kursziel laute 43,80 Euro. Derzeit kostet das Papier gut 37 Euro. Muschick begründete die Einschätzung damit, dass die Zahlen etwas über den Erwartungen lägen und das Gewinnziel bestätigt worden sei. Die Gruppe entwickele sich erwartungsgemäß.

Quelle:  Handelsblatt Online
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