Strenges Regelwerk: Kahlschlag im Versicherungsmarkt

Strenges Regelwerk: Kahlschlag im Versicherungsmarkt

von Anke Henrich

Die Versicherungen stemmen sich gegen neue Vorschriften aus Brüssel. Denn das Regelwerk Solvency II verändert die Versicherungspolicen grundlegend. Risiken müssen künftig die Kunden übernehmen.

Deutschland im Sommer 2015: Eine Oma will für ihr Enkelkind eine Lebensversicherung abschließen, wie sie sie von früher kennt: mit einer Rendite von zwei oder drei Prozent, über 25 Jahre garantiert. Allein, die spendable Großmutter wird so eine Police nur noch schwer bekommen. Stattdessen wird ihr der Versicherungsvertreter Verträge mit nur winzigen Garantieleistungen bieten. Oder Oma soll in eine auf Aktienfonds basierende Lebensversicherung einzahlen, bei der ihr Enkel das Anlagerisiko trägt. „Klassische Renten- und Lebensversicherungen wie bisher wird es nicht mehr geben“, ist sich Gert Wagner, Produktchef der Swiss Life, sicher. Der Grund sind die neuen EU-Eigenkapitalvorschriften für Versicherungen unter dem Namen Solvency II.

Risiko geht auf den Kunden über

Anzeige

Was so spröde klingt, soll Versicherer krisenfester machen und krempelt sie zugleich um. Das gilt auch für die Altersvorsorge ihrer Kunden: Nicht nur die staatliche Rente ist unsicher, sie können sich auch nicht mehr auf jahrzehntelang garantierte Auszahlungen ihrer privaten Vorsorge verlassen. Und sie müssen sich viel stärker um ihre Policen kümmern. Einmal unterschreiben und 30 Jahre Ruhe – das ist vorbei. Stattdessen müssen sie bei den neuen Produkten verstärkt das Risiko tragen, dass ihr angelegtes Geld an Wert verliert. Für die Versicherer eine feine Sache: Sie wälzen das Risiko aus den Kapitalanlagen auf die Kunden ab und lösen ihr Dilemma, in Zeiten niedriger Zinsen auf Jahre hinaus garantierte Renditen erwirtschaften zu müssen. Den Kunden bleibt keine Wahl: Die alten Policen gibt es dann ja nicht mehr.

Einführung verzögert sich

Ein Vorteil für die Branche, aber sie fürchtet durch Solvency II auch Nachteile. Deshalb fordert ihre Lobby von Brüssel seit Jahren Änderungen. Offenbar hat die Taktik nun Erfolg: Vermutlich verschiebt sich die für 2013 geplante Einführung auf 2015/16. Auch Elke König, neue Chefin der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), geht auf Konfrontationskurs mit der EU: „Solvency II ist noch immer zu komplex und der Zeitplan zu ambitionier“, wirft sich die oberste deutsche Aufseherin für die heimischen Versicherer ins Zeug. Es geht um die Einführung des für die Branche wichtigsten Regelwerks seit Jahrzehnten. Um was wird hinter den Kulissen gestritten?

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%